Veröffentlichung am Geburtstag der Frauenrechtlerin
Mit der Präsentation der ersten beiden Audio-Ausschnitte haben die Gleichstellungsbüros der Stadt Osnabrück, der Stadt Bad Iburg sowie des Landkreises am Montag, dem 13. Juli, eine neue digitale Stadttour im Café Felka vorgestellt. Die Veröffentlichung fand bewusst am Geburtstag der Frauenrechtlerin Cilli-Maria Kroneck-Salis statt, die an diesem Tag 103 Jahre alt geworden wäre. Die künftige Route widmet sich dem sensiblen und hochaktuellen Thema der geschlechtsspezifischen Gewalt sowie Femiziden in Stadt und Landkreis Osnabrück.
Digitaler Schutzraum für ein sensibles Erbe
Die Idee für den digitalen Rundgang resultierte aus ganz praktischen Sicherheitsgründen und logistischen Hindernissen. Weil die Zufluchtsorte für Betroffene, wie das Autonome Frauenhaus aus Sicherheitsgründen streng geheim bleiben müssen und das historische Elternhaus von Kroneck-Salis in Bad Iburg nicht mehr als regelmäßiger Veranstaltungsort zur Verfügung steht, suchten die Initiatorinnen nach einem neuen Konzept. Die nun entwickelte digitale Stadttour ermöglicht es, die wichtigen Inhalte unabhängig vom Aufenthaltsort direkt über QR-Codes an Plaketten im öffentlichen Raum oder ganz niederschwellig von zu Hause über das Internet abzurufen. Bis zum Ende des Jahres soll die gesamte Installation im öffentlichen Raum von Stadt und Landkreis Osnabrück vollständig umgesetzt sein.
Durch die sechs Stationen des Rundgangs werden elementare gesellschaftliche Themen beleuchtet, die von der Entstehung der lokalen Frauenorte über die UN-Frauenrechtskonvention CEDAW – als kommunales Modellprojekt zur praktischen Umsetzung der Istanbul-Konvention gegen Gewalt – bis hin zu Queerfeindlichkeit reichen. Auch das international bekannte „Signal for help“, welches als physische Installation auf dem Osnabrücker Willy-Brandt-Platz existiert, wird thematisiert. Eingesprochen wurden die emotionalen und informativen Hörbeiträge von der namhaften Künstlerin Sophia Süßmilch sowie von einer Sprecherin namens Gretchen.
Einigkeit im Engagement gegen das Vergessen
Im voll besetzten Café Felka führten die Gleichstellungsbeauftragten Patricia Heller für die Stadt Osnabrück, Franziska Grüter-Matt für den Landkreis Osnabrück und Iris Gluth für die Stadt Bad Iburg gemeinsam durch den Nachmittag. Sie betonten die herausragende Kooperation, die dieses interkommunale Projekt erst möglich gemacht habe. Unter den geladenen Gästen befand sich in diesem Jahr erstmals auch Ulrike Kroneck, die Tochter der verstorbenen Wegbereiterin. Patricia Heller sprach ihr vor den Anwesenden einen tiefen Dank dafür aus, dass sie für historische Veranstaltungen in der Vergangenheit stets die Türen ihres Bad Iburger Elternhauses geöffnet hatte. Ein weiterer Dank der Organisatorinnen galt den engagierten Mitarbeiterinnen des Autonomen Frauenhauses Osnabrück, die eine eigene Audiostation eigenständig konzipiert und inhaltlich gestaltet haben.
Gefördert und finanziell getragen wird das zukunftsweisende Projekt durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung sowie durch die Initiative CEDAW in Niedersachsen und die Vernetzungsstelle. Musikalisch abgerundet wurde der nachdenkliche, aber inspirierende Nachmittag von der Band Jaikoru.

Hintergrund: Das unermüdliche Wirken einer Pionierin
Cilli-Maria Kroneck-Salis, die 1923 in Berlin geboren wurde und 2010 in Bad Iburg verstarb, gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten der regionalen Frauenbewegung. Als Mitbegründerin des ersten autonomen Frauenhauses in Osnabrück im Jahr 1980 setzte sie sich zeitlebens unerschrocken gegen patriarchale Gewaltstrukturen und für den Schutz misshandelter Frauen ein. Ihr unermüdliches Engagement, das 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde, wird durch den gemeinsamen „frauenORT“ von Stadt und Landkreis Osnabrück sowie Bad Iburg lebendig gehalten. Als landesweit 35. frauenORT in Niedersachsen des Landesfrauenrats macht das Projekt seit 2008 das Wirken bedeutender Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Raum sichtbar. Angesichts anhaltend hoher Fallzahlen im Bereich der häuslichen und partnerschaftlichen Gewalt bleibt ihr politisches Erbe von unverminderter gesellschaftlicher Relevanz.













