100 Jahre Berufsfeuerwehr

Osnabrück feiert seine Rettungskräfte mit historischem Festakt und Tag der offenen Tür

Mit einem Festakt im Friedenssaal des historischen Rathauses sowie einem Tag der offenen Tür bei den Wachen 1 und 2 blickte die Stadt Osnabrück am 21. und 22. August auf das 100-jährige Bestehen ihrer Berufsfeuerwehr zurück. Führungskräfte aus Politik und Feuerwehr würdigten das Jahrhundert der Gefahrenabwehr, während der Bevölkerung seltene Einblicke in den modernen Einsatzalltag gewährt wurden. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Caroline Nagel am Violoncello und Susanne Unger an der Gitarre.


Anerkennung im Friedenssaal

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter eröffnete den offiziellen Empfang am 21. August im historisch dekorierten Friedenssaal. In ihrer Ansprache hob sie die essenzielle Rolle der hauptamtlichen Kräfte für das Funktionieren der Stadtgesellschaft hervor und verwies auf die wachsenden Herausforderungen durch Extremwetterlagen, wie etwa Waldbrandgefahren oder den jüngsten Großbrand in einer Fleischwarenfabrik. Neben der klassischen Brandbekämpfung unterstrich Pötter die enorme Belastung im Rettungsdienst. Allein im vergangenen Jahr rückten die Rettungswagen der Berufsfeuerwehr 6.300-mal aus, ergänzt durch 4.500 Notarzteinsätze. Im Anschluss betonte Landesbranddirektor Dieter Rohrberg, Abteilungsleiter für Brand- und Katastrophenschutz im niedersächsischen Innenministerium, die veränderten Rahmenbedingungen der Rettungsarbeit. Die Erfahrungen der letzten 25 Jahre – von der Corona-Pandemie über den Klimawandel bis hin zu Aufgaben im Zivil- und Katastrophenschutz – machten kontinuierliche Investitionen und eine engere Vernetzung unerlässlich.


Von den Anfängen vor 1926 bis zur modernen Gefahrenabwehr

In einer ausführlichen Festrede zeichnete der Oberste Brandmeister der Berufsfeuerwehr, Dietrich Bettenbrock, die historische Entwicklung der Osnabrücker Brandbekämpfung nach. Obwohl das Jahr 1926 als offizielle Geburtsstunde der Berufsfeuerwehr gilt, reichen die hauptamtlichen Wurzeln weiter zurück. Gutachten aus den Jahren 1905 und 1907 zeigten gravierende Mängel in der damaligen Alarmierung und Struktur auf. Erst nach mehreren Großbränden – darunter ein verheerendes Feuer im Jahr 1911 in der Rheiner Straße – stellte die Stadt 1913 die ersten sieben hauptamtlichen Feuerwehrleute ein, die jedoch als reine Eingriffsmannschaft noch keine eigenständige Berufsfeuerwehr bilden konnten.

Ein Großbrand im Spätsommer 1925 bei der Firma Willmann an der Schlagvorderstraße führte schließlich zum Durchbruch. Trotz heftiger Debatten im Bürger-Vorsteher-Kollegium beschloss der Rat im Oktober 1925 die Anstellung von zwölf weiteren Berufsträgern. Im Jahr 1926 nahm die Berufsfeuerwehr somit offiziell ihren Dienst mit 37 Kräften auf. Bettenbrock beleuchtete auch die düsteren Kapitel der Historie, wie den Einsatz in der Reichspogromnacht 1938 beim Brand der Osnabrücker Synagoge, sowie den Wiederaufbau nach 1945. Nach der Zerstörung der alten Wache an der Turmstraße bezogen die Einsatzkräfte die Unterkunft an der Nobbenburger Straße.


Erweiterung der Infrastruktur und Blick in die Zukunft

Ein zentraler Meilenstein der jüngeren Geschichte bildete die Umsetzung des Rinke-Gutachtens. Um das Schutzziel – das Eintreffen von zehn Einsatzkräften innerhalb von acht Minuten – flächendeckend zu gewährleisten, wurde die Feuerwehrinfrastruktur grundlegend modernisiert. Dazu gehörte die Inbetriebnahme der zweiten Feuerwache an der Nordstraße im März 2021. Zudem werden die Liegenschaften der Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet schrittweise an moderne Standards und die Erfordernisse der Kinder- und Jugendarbeit angepasst.

An der Feuerwache 2 demonstrierte Oberbrandmeister Dirk Meisel die technische Ausrüstung eines Rüstwagens uns blickte dabei auf seine 35- Jährige Dienstzeit zurück. Foto: Toni Theilmeier

Am 22. August öffneten die Wache 1 an der Nobbenburger Str. und die Wache 2 an der Nordstraße in der Zeit zwischen 11 und 17 Uhr ihre Tore für die Öffentlichkeit. Besuchende erhielten Einblicke in Fahrzeuge, Spezialausrüstung sowie den Einsatzalltag der Wachen. Sie erhielten tiefgehende Einblicke in Fahrzeuge und Spezialausrüstung. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Führungen am Standort Nonnenburger Str., bei denen Interessierte sowohl die Einsatzzentrale besichtigen als auch den gesamten Wachkomplex erkunden konnten. Eindrucksvolle Vorführungen, darunter die Demonstration der Gefahren bei einem Fettbrand sowie Übungen zur Höhenrettungsgruppe, machten das komplexe Aufgabenspektrum hautnah erlebbar. Für die jüngsten Gäste bot ein abwechslungsreiches Kinderprogramm spannende Möglichkeiten, die Welt der Feuerwehr spielerisch kennenzulernen.

Zu den Vorbereitungen auf den Tag der offenen Tür betonte Dietrich Bettenbrock im Vorfeld, wie anspruchsvoll ein solcher Tag bei laufendem Notfallbetrieb sei. Bezüglich künftiger Technologien zeigte er sich pragmatisch: Während Drohnenpiloten bereits in Kooperation mit dem Fachbereich Geodaten erfolgreich ausgebildet werden, bleibe die Umstellung des Schwerlastfuhrparks auf alternative Antriebe vorerst ein Thema für die Zukunft. Weitere Bilder vom Festakt und dem Tag der offenen Tür bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück können Sie auf dem Blog von Toni Theilmeier sehen.

 

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