Unabhängigkeitstag mit großem Programm

Ukrainer feiern teils nachdenkliches Fest

Am Sonntag, dem 23. August, beging die Ukrainische Gemeinde Osnabrück auf dem blau und gelb dekorierten Theatre Beach den 35. Jahrestag der Loslösung der Ukraine von der Sowjetunion. Das Aufgebot an Talent war großartig, die Vorführungen mitreißend. Die Anzahl der KünstlerInnen ließ eher an ein Festival denken.

Zwei Reden von aus der Ukraine Geflüchteten wurden zwischen den musikalischen Vorführungen gehalten. Die erste von Tetiana Babenko ließ das Blut der Zuschauer gefrieren, als sie berichtete, wie sie zu Beginn des Krieges durch den gefährlichen humanitären Korridor, der eigentlich keiner war, aus der eingekesselten Stadt Mariupol floh. Auch das Leben vor der Flucht beschrieb sie als schrecklich: „Jedes Flugzeug bedeutete Angst. Jede Explosion ließ uns erstarren.“ Zwanzig Tage hatte sie zusammen mit etwa 1000 Menschen unter primitivsten Bedingungen im Keller des Polytechnischen Instituts verbracht. Aber auch die Hilfe, die sie von fremden Menschen auf Ihrer Flucht nach und dann in Osnabrück erfuhr, ließ Babenko nicht unerwähnt.

Serhii Balkovenko konzentrierte sich auf seine herzliche Aufnahme in Osnabrück: „Heute möchte ich nicht über den Krieg sprechen. Ich möchte über Menschen sprechen.

  • Über Menschen, die uns nicht kannten und uns trotzdem geholfen haben.
  • Über Menschen, die ihre Türen geöffnet haben, als wir nicht wussten, wohin wir gehen sollten.
  • Und über eine Stadt, die für uns zu einem neuen Zuhause geworden ist.“

Beide Ansprachen wurden mit großem Applaus bedacht.

Unter der fähigen und engagierten Leitung von Valeria Karamyscheva traten gleich zwei Chöre auf, die hauptsächlich ukrainische Musik darboten; zunächst natürlich Sori, jetzt mit vier Mitgliedern, und dann der unlängst gegründete Kinder- und Jugendchor der Ukrainischen Gemeinde Osnabrück. Die Qualität der Darbietungen war beachtlich.

Sori führte sowohl traditionelle als auch moderne ukrainische Gesänge auf. Foto: Toni Theilmeier

Weiterhin begeisterten der Chor der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Gemeinde und das Duo „Malvy“ mit Natalia und Oksana Hodun. Die Kinder und Jugendlichen des Theaterstudios der Ukrainischen Gemeinde führten ein kurzes Kinderspiel auf, bei dem die zahlreich anwesenden zuschauenden Kinder zum Mitmachen angeregt wurden. Natalia Hodun und Vasyl Lysko brachten jeweils solo die Zuschauer zum Tanzen, so dass Alt und Jung für einen Moment die nachdenkliche Stimmung vergessen und den Festtag zusammen mit mehr oder minder zufällig anwesenden Deutschen feiern konnten. Die abschließenden anderthalb Stunden übernahm DJ Hook mit einem ukrainisch geprägten Set.

Im Laufe der fünfstündigen Veranstaltung müssen insgesamt mehrere Hundert Zuschauende anwesend gewesen sein.

Karamyscheva begleitet die Aufführung einer jungen Künstlerin aus ihrem Ensemble. Foto: Toni Theilmeier

 

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