Der VfL Osnabrück verliert trotz toller Leistung 4:1 gegen Bayern München

Der VfL verliert gegen Bayern München mit 1:4 und wird trotzdem mit viel Applaus verabschiedet.
Völlig zu Recht. Rund 70 Minuten lang hält Lila-Weiß richtig stark dagegen, macht den Bayern das Leben unangenehm und lässt dieses Spiel deutlich länger offen, als es das Endergebnis vermuten lässt. Am Ende setzen sich individuelle Klasse und ein paar eigene Fehler durch. Die Leistung macht Mut für die Saison in der 2. Bundesliga.

Für den VfL Osnabrück stehen nun zwei Heimspiele in Folge auf dem Programm. Am kommenden Sonntag, 6. September, kreuzt um 13.30 Uhr Eintracht Braunschweig an der Brücke auf, ehe eine Woche später, am Sonntag, 13. September, ebenfalls um 13.30 Uhr Hertha BSC zu Gast ist.

Unsere aktuellen VfL-Podcasts und Kallas Einwürfe gibt es rund um die Uhr zu hören. Ansonsten werden der aktuelle VfL-Podcast jeden Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr auf OS-Radio 104,8 übertragen und „Kallas Einwurf“ jeden Montag und Freitag mehrmals am Tag.
Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird seit der Rückserie um ein weiteres Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Zur Information: Unsere Spielberichte werden wie ein Liveticker direkt am Laptop verfasst und gleich nach Schlusspfiff ohne Netz und doppelten Boden ins Internet gesetzt. Die Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ wird, falls notwendig, mitunter erst einige Stunden nach dem Spiel vervollständigt, dasselbe gilt für Korrekturen von Tippfehlern.

 

Vor dem Spiel

Noch ist kein Ball gespielt, da liefert die Ostkurve bereits den ersten Höhepunkt des Abends. Eine unglaublich aufwendige Choreo wird ausgerollt. Der Hauptschriftzug lautet: „VfL Osnabrück geht ab wie Achterbahn“.

Darunter sind die Wegmarken dieses Vereins eingezeichnet – Aufstieg, Abstieg, Euphorie, Katastrophe, Wiederaufstieg, nächster Absturz und wieder von vorne. Also im Grunde die komplette Vereinsgeschichte auf einer einzigen Achterbahn. Wer seit Jahrzehnten VfL-Fan ist, braucht schließlich keinen Freizeitpark. Wir haben unseren Verein.

Und dann wird es völlig irre: Über die gesamte Ostkurve fährt tatsächlich noch ein riesiger Achterbahn-Waggon aus Pappmaché, besetzt mit gewaltigen Stoffpuppen. Das Ding bewegt sich quer durch die Kurve, während ich mich frage, wie viele Wochen Menschen an so etwas gearbeitet haben müssen. Wahnsinn!

Und irgendwie auch vollkommen passend. Andere Vereine präsentieren vor einem Pokalspiel ihre Titel. Wir präsentieren eine Achterbahn. Mit gutem Grund. Beim VfL weiß man schließlich seit Jahrzehnten nie, ob man nach der nächsten Kurve jubelt, kotzt oder beides gleichzeitig.

Ein Riesenlob an die Fanszene ….

Beginn

Dann wird es ernst: Trainer Timo Schultz schickt die in Bochumg siegreiche Mannschaft zur Pokalsensation ins Rennen:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Wagner, Jacobsen, Münst – Beck, Meißner, Badjie

Schiedsrichter Richard Hempel (28) aus Dresden, pfeift bei Temperaturen um die 18 Grad und bewölktem Himmel an. Die Bayern haben Anstoß und der VfL spielt zunächst in Richtung Westkurve.

Die Bayern übernehmen erwartungsgemäß sofort den Ball, schieben sich in Ruhe nach vorne, Kimmich verteilt, Tah und Kim rücken weit auf. Jeder ungenaue Pass der Münchner wird an der Bremer Brücke schon gefeiert wie ein kleiner Sieg.

Und dann … dann kommt die fünfte Minute: Langer Ball des VfL, Tah verliert den Zweikampf gegen Meißner. Der schaut kurz hoch, sieht Urbig weit vor dem Tor und hält aus rund 30 Metern einfach drauf.

Der Ball schlägt oben rechts im Winkel ein. 1:0 für den VfL!

Urbig schaut hinterher, die Bremer Brücke explodiert, und plötzlich sieht dieses vollkommen aussichtslose Pokalspiel gar nicht mehr ganz so aussichtslos aus. Mein klammheimlicher Größenwahn fühlt sich jedenfalls erstmals bestätigt.


Nach einer Viertelstunde …

… gleicht Trumps Busenfreund aus und so schnell kann aus Größenwahn wieder Fußball werden.

Kimmich hebt den Ball hinter die VfL-Abwehr, Fabinski bekommt ihn nicht weg – und ausgerechnet Harry Kane steht natürlich goldrichtig. Aus kurzer Distanz macht er das, wofür Bayern ihm ziemlich viel Geld überweist: 1:1.

Der Jubel fällt erstaunlich verhalten aus. Eher Erleichterung als Ekstase. Schade. Bis dahin verteidigt der VfL richtig ordentlich, Badjie nimmt sogar Olise den Ball ab und wird dafür gefeiert wie andere Leute für einen Fallrückzieher.

Nach 18 Minuten ist also wieder alles offen.

Das ging dann leider ziemlich schnell: Erst Kane zum 1:1, jetzt Bischof zum 1:2. Badjie verliert den Ball, Bayern schaltet sofort um, Luis Díaz scheitert zunächst noch am toll reagierenden Krumrey – doch Bischof steht da, wo Bayern-Spieler offenbar grundsätzlich stehen, wenn irgendwo ein Abpraller herumliegt.

Damit ist die schöne frühe Führung erst einmal Geschichte. Immerhin: Der VfL versteckt sich nicht. Meißner hatte kurz zuvor sogar noch die Chance zum 2:1, Urbig war allerdings rechtzeitig unten.

Nach 24 Minuten führt Bayern also. Noch. Das „noch“ möchte ich ausdrücklich festhalten.

Seit dem 1:2 läuft das Spiel erwartungsgemäß: Bayern hat sehr viel Ball, der VfL sehr viel zu tun. Kimmich hebt, Olise dribbelt, Kane lauert – aber die ganz großen Löcher findet Bayern bislang nicht. Osnabrück steht tief, verteidigt aufmerksam und versucht zwischendurch tatsächlich auch noch Fußball zu spielen.

Vor allem Badjie rackert auf links als hätte er vor dem Spiel versehentlich zwei Positionen zugeteilt bekommen. Erst nimmt er es defensiv mit Olise und Stanisic auf, dann lässt er Kim stehen und bringt eine gefährliche Flanke hinein. Vorne hängt Meißner allerdings ziemlich allein herum und wird bewacht, als hätte er nach seinem Traumtor irgendein Staatsgeheimnis erfahren.

Kurz vor der Pause wird es noch einmal unangenehm. Olise kommt gleich zweimal zum Abschluss, aber Krumrey verhindert mit einer starken Parade das 1:3. Beim zweiten Versuch schlenzt Olise den Ball dann deutlich vorbei.

Also bleibt es zur Halbzeit beim 1:2.

Halbzeitfazit

Pause an der Bremer Brücke – und noch einmal steht das ganze Stadion. Völlig zu Recht.

Der VfL spielt eine richtig starke erste Hälfte. Dass es trotzdem 1:2 steht, ist bitter genug: Bayern hatte vier vernünftige Abschlüsse und macht daraus zwei Tore. Effizienz nennt man das wohl. Ich nenne es lästig. Ansonsten aber: Hut ab vor unserem VfL. Meißners 30-Meter-Traumtor zum 1:0 war natürlich der Höhepunkt, aber auch danach versteckt sich der VfL nicht, arbeitet, kämpft und hält die Bayern beschäftigt.

Und plötzlich wirkt die zweite Halbzeit gar nicht mehr wie eine Pflichtübung für München. Da ist noch was drin. Jetzt erst einmal ein kollektives Durchpusten. Die Spieler sowieso. Ich vorsichtshalber auch.

Foto: Marc Niemeyer


Beide Teams gehen unverändert in die zweite Hälfte …

… und die Ostkurve eröffnet mit einer Blinkerparade

Die Bayern machen weiter Bayern-Sachen: Kimmich chippt gefühlt jeden zweiten Ball hinter die Abwehr, Kane lässt sich fallen, Olise und Díaz dribbeln. Nur zwingend wird das alles bislang nicht. Krumrey hält, was auf sein Tor kommt, und die Osnabrücker werfen sich in jeden Zweikampf, als gäbe es für einen abgeblockten Bayern-Angriff einen halben Pokalsieg. Das Publikum honoriert inzwischen sogar erzwungene Abstöße mit großem Applaus.

Der VfL presst stellenweise etwas höher, bleibt mutig und vor allem unangenehm. Nach 54 Minuten steht es weiter 1:2. Und je länger das so bleibt, desto mehr dürfte sich die Bayern langsam die Frage einschleichen, warum dieser nette Pokalausflug eigentlich so anstrengend ist.


Nach 60 Minuten …

… ist das Publikum nach wie vor in bester Laune. Ein Glückstreffer und …

Bayern hat den Ball, Bayern kombiniert, Bayern wechselt – aber die Bremer Brücke macht weiter ihr eigenes Spiel daraus. Jeder gewonnene Zweikampf wird gefeiert, jeder erzwungene Rückpass beklatscht, jeder abgefangene Ball bekommt sofort diesen typischen kleinen Lärmstoß von den Rängen. Der VfL merkt, dass hier noch keiner bereit ist, das Ding einfach abzuschenken.

Badjie hat sich nach kilometerlangem Malochen seinen Feierabend verdient, für ihn kommt Faber, dazu Raimund für Jacobsen. Auch Bayern bringt frische Leute, unter anderem Davies und Karl. Auf dem Rasen läuft Lila-Weiß weiter, schiebt immer wieder mutig an und hält die Bayern beschäftigt. Urbig hat weiterhin erstaunlich wenig zu tun – außer vermutlich regelmäßig auf die Uhr zu schauen.

Gerade hatte die Bremer Brücke wieder richtig Hoffnung geschöpft. Der VfL kommt etwas häufiger nach vorn, hat Ballbesitz, das Publikum wird sofort lauter – und dann reicht ein einziger böser Fehler: Müller spielt den Ball direkt in die Füße von Karl, der steckt auf Olise durch, und der hebt die Kugel frech über Krumrey ins Tor. Es steht 1:3.

Das ist bitter, weil der VfL in dieser Phase gerade wieder ein bisschen Lunte gerochen hatte. Und weil die Bayern genau das machen, was solche Mannschaften eben machen: Fehler nicht diskutieren, sondern bestrafen. Trotzdem bleibt die Brücke laut. Kyereh und Opitz kommen, Münst und Meißner gehen runter.

Und wenn schon Achterbahn, dann bitte noch einmal bergauf, aber die Luft scheint raus zu sein. Der VfL ist nun angesichts der kommenden Aufgaben gut beraten, das Tempo etwas runterzufahren. Der Schiedsrichter weigert sich beharrlich, einem Bayernspiel Gelb zu zeigen und gibt stattdessen zurecht einen Elfer für die Bayern: Müller kommt gegen Pavlovic zu spät. Krumrey ahnt sogar die richtige Ecke, Kane schießt aber so präzise, dass da nichts mehr zu machen ist.

Also trifft ausgerechnet der Mann noch einmal, der seine Freizeit gern auf dem Golfplatz mit Donald Trump verbringt. Man kann nicht alles verhindern. Die Bayern spielen das inzwischen mit ihrer ganzen Ballsicherheit runter, während die Bremer Brücke trotzdem weiter hinter dem VfL steht.

Und genau das bleibt hängen: Der VfL hat hier lange ein richtig gutes Pokalspiel geliefert. Nur das Ergebnis wird langsam deutlich hässlicher, als es der Auftritt verdient hätte. Das Stadion feiert den VfL und die eigene Herkunft: „Wir sind die Osnabrücker, wir sind immer da!“ Für mich steht der Gewinner dieses Spiel schon lange fest: Es ist die Bremer Brücke mit ihren grandiosen Fans.


Fazit:

Der VfL verliert gegen Bayern München mit 1:4 und wird trotzdem mit viel Applaus verabschiedet.
Völlig zu Recht. Rund 70 Minuten lang hält Lila-Weiß richtig stark dagegen, macht den Bayern das Leben unangenehm und lässt dieses Spiel deutlich länger offen, als es das Endergebnis vermuten lässt. Am Ende setzen sich individuelle Klasse und ein paar eigene Fehler durch. Die Leistung macht Mut für die Saison in der 2. Bundesliga.


Zahlen, Daten & Fakten

 

Zuschauer*innen: 15.741, davon 1.400 aus München

Tore:
1:0 Meißner (05.)
1:1 Kane (18.)
1:2 Bischof (24.)
1:3 Olise (73.)
1:4 Kane (86.)

Gelbe Karten:
(.)

Gelb-Rote Karten:
(.)

Rote Karten:
(.)

VfL Osnabrück
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, Wagner, Jacobsen, Münst – Beck, Meißner, Badjie
Trainer: Timo Schultz

Bayern München
Urbig – Stanisic, Tah, Kim, Davies – Kimmich, Bischof – Olise, Saibari, Luis Díaz – Kane
Trainer: Vincent Kompany

Schiedsrichter: Richard Hempel (28) aus Dresden




Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 23. September 1978 dreimal in Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 1-0-2.  Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de“.

Tabellarisches:
Gibt es hier erst ab dem 5. Spieltag


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