Erste Premiere der neuen Spielzeit im Theater am Domhof: Das Schauspiel „Sankt Falstaff“

Regisseur Christian Schlüter hat sich für die neue Spielzeit das Stück „Sankt Falstaff“ von Ewald Palmetshofer ausgesucht, das am 22. Januar 2025 in München uraufgeführt wurde und von da an erfolgreich durch die deutschsprachige Theaterlandschaft mäandriert.

Das Drama nimmt sich Shakespeares „Heinrich IV“ zur Vorlage und versetzt die Protagonisten in die heutige Zeit. Es geht um Herrscher, die nicht abtreten wollen, um Speichellecker, die die Mächtigen umgarnen, um verlorene Söhne, um Menschen in der Unterschicht, die alles dransetzen, um zu Oberschicht zu gehören und um Leute, die nicht viel haben, aber trotzdem einigermaßen glücklich sind, weil sie echte Freundschaft und Liebe kennen.

Alles das und noch viel mehr wird vom österreichischen Dramatiker Palmetshofer sprachlich gekonnt ausformuliert, im Wechsel zwischen „normaler“ Sprache und Texten in Reimform, die sich toll in das Stück einfügen und dem ganzen einen kunstvollen Dreh geben.

Schlüter hat bei der Besetzung der Rollen eine wunderbare Auswahl getroffen:
Oliver Meskendahl als liebenswerte Rampensau, die immer mit einem Bein in der Gosse zu stehen scheint, spielt den Sankt Falstaff, als wenn er sein Leben lang nichts anderes eingeübt hätte: mal angetrunken lallend, mal zotig, dann wieder gegenüber dem abgestürzten Sohn des „Quasi-Königs“ (William Hauf) , den er aus der Gosse zieht, väterlich und hilfsbereit und letztlich auch verliebt in ihn.

Palmetshofers Dialoge sind nur vordergründig amüsant, sind sie aber bis ins Hirn vorgedrungen, bleibt vielfach das Lachen im Halse stecken. Dieses Hin und Her zwischen vordergründigem Humor und hintergründiger Systemkritik macht das eigentliche Wesen dieses Stückes aus und wird von den agierenden Schauspielerinnen und Schauspielern bis ins Letzte ausgereizt.

Und um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, wird das Volk stetig per Video und Smartphone überwacht und die Live-Aufnahmen zwischendurch immer wieder auf riesigen Bildschirmen über der Bühne widergespiegelt (wie kurz vor Beginn der Vorstellung auch das Publikum auf den Rängen).

Das Bühnenbild von Margrit Flagner besteht aus drei großen grau-schwarzen Rampen, auf deren Spitze sich der Thron des „Quasi-Königs“ (Thomas Kienast, machtbesessen und weit entfernt von seinem Volk) und darunter – wo auch sonst – die kleine Kneipe für‘s gemeine Volk. In diesem Bühnenbild können sich die Protagonisten regelrecht austoben: rauf und runter, davor und dahinter, drinnen (in der Kneipe) und davor, und der Orchestergraben dient als Gosse.

Das gesamte Ensemble mit Meskendahl, Hauf, Kienast, Monika Vivell, Cornelius Kiene, Stefan Haschke, Michi Wischniowski und Soraya Abtahi ist derart spielfreudig und textfest, dass die
Spielzeit von rund drei Stunden (inklusive 15 Minuten Pause) wie im Fluge vergehen.
Dafür gibt es am Ende verdienten langanhaltenden und begeisterten Applaus.

Hingehen, es gibt noch Karten! https://www.theater-osnabrueck.de/

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