Igelpost Extrablatt: Heiko Pohlmann hat einen unbeschreiblichen Skandal entdeckt!

Pohlmann beschreibt ihn trotzdem
Wieder einmal investigativ bis zum Anschlag

Ich muss mich korrigieren, denn offenbar hatte ich bislang eine etwas zu bescheidene Vorstellung davon, was investigativer Journalismus zu leisten vermag. Heiko Pohlmann hat nämlich einen Vorgang von beträchtlicher Tragweite aufgedeckt: Ein privater Veranstalter entscheidet selbst, wen er zu seiner eigenen Veranstaltung einlädt.

Das klingt zunächst banal, ist bei näherer Betrachtung aber natürlich hochbrisant. Da organisieren Menschen einen Abend, tragen die Verantwortung dafür, stellen ein Podium zusammen und erlauben sich am Ende sogar die Anmaßung, selbst darüber zu entscheiden, wer dort sitzen soll. In einer funktionierenden Demokratie hätte man selbstverständlich erwarten dürfen, dass vorher wenigstens Heiko Pohlmann gefragt wird.

Noch schöner wird die Geschichte dadurch, dass Pohlmann meine damalige Nichtzulassung zur Präsidentschaftswahl beim VfL Osnabrück als Vergleich heranzieht. Man muss dafür lediglich den Unterschied zwischen „nicht eingeladen“ und „nicht zur Wahl zugelassen“ konsequent ausblenden, dann fügt sich alles erstaunlich geschmeidig zusammen. Dass das eine die Entscheidung eines privaten Veranstalters über seine Gästeliste und das andere die Zulassung zu einer Wahl betrifft, darf man dabei nicht überbewerten. Zu viel Differenzierung schadet schließlich jeder guten Empörung.

Auch der nächste gedankliche Sprung verdient Beachtung, denn mein angestrebtes Amt in einem Fußballverein wird auf diese Weise kurzerhand in eine Linie mit der Tätigkeit für eine Partei gestellt, deren niedersächsischer Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Das ist eine Vergleichskunst, die beneidenswert frei von störenden Kategorien arbeitet. Verein, Partei, Kandidatur, Einladung – wer sich von Begrifflichkeiten nicht unnötig einschränken lässt, entdeckt Zusammenhänge, die gewöhnlichen Menschen verborgen bleiben.

Ein wenig lästig für die große Enthüllung ist lediglich, dass sämtliche Podiumsteilnehmer mit der Entscheidung einverstanden waren und mehr als 250 Gäste in der rappelvollen Lagerhalle die Begründung für die Nicht-Einladung mit langem Applaus quittierten. Solche Details sind journalistisch ausgesprochen undankbar, weil sie die gewünschte Erregung nicht zuverlässig unterstützen und deshalb im schlimmsten Fall sogar zur Einordnung zwingen.

Vollends ärgerlich dürfte gewesen sein, dass die Veranstaltung auch noch ausgesprochen gut verlief. Die Halle war nach sechs Jahren Heimatabend-Pause voll, die Diskussion lebendig, das Publikum aufmerksam und die Beteiligten äußerten sich anschließend durchweg positiv. Weder brach die Demokratie zusammen noch musste die Meinungsfreiheit aus den Trümmern der Lagerhalle geborgen werden. Stattdessen fand schlicht eine erfolgreiche Veranstaltung statt, bei der ein privater Veranstalter zuvor eine Entscheidung getroffen hatte, die private Veranstalter gelegentlich treffen: wen sie einladen und wen nicht.

Das muss für eine bereits fertig erzählte Skandalgeschichte eine gewisse Zumutung gewesen sein.

Natürlich verlinkt der IGEL den Hasepost-Artikel trotzdem. Schließlich soll niemand behaupten können, wir würden unseren Leserinnen und Lesern einen derartig wichtigen Beitrag zur Osnabrücker Mediengeschichte vorenthalten. Mehr möchte ich dazu auch gar nicht schreiben, denn jede weitere ironische Bemerkung würde die Sache nur unnötig abschwächen.

Es gibt nämlich Texte, die muss man gar nicht satirisch bearbeiten. Man muss sie nur verlinken.




Hier die komplett vorgelesene Begründung der Nichteinladung Wassermanns:

Warum sitzt Thorsten Wassermann heute nicht auf diesem Podium?

Sein Weg begann schon im rechten BOB-Milieu um Steffen Grüner und führte 2023 zur AfD. Niemand tritt versehentlich in diese Partei ein, wird Funktionär und anschließend Oberbürgermeisterkandidat.

Das Verwaltungsgericht Hannover sieht im Beschluss vom 1. Juni 2026 beim niedersächsischen AfD-Landesverband hinreichende Tatsachen für verfassungsfeindliche Bestrebungen; die Einstufung entspricht laut Gericht inhaltlich dem geläufigen Begriff „gesichert rechtsextremistisch“.

Und deshalb muss man fragen: Was muss eigentlich noch passieren?

Bei einer AfD-Veranstaltung werden Hitlergruß und Neonazi-Symbole gezeigt, ein Kind ruft, politische Gegner müsse man „vergasen“, und führende AfD-Leute loben die rechtsextreme Identitäre Bewegung.

Das sind keine Missverständnisse mehr. Wer angesichts von Höcke, völkischer Hetze und solcher Neonazi-Symbolik trotzdem eintritt, Funktionär wird und kandidiert, kann nicht behaupten, von alledem nichts gewusst zu haben.

Man kann sich nicht freiwillig mitten in den braunen Sumpf stellen und anschließend behaupten, die Schuhe seien zufällig schmutzig geworden.

Wir müssen diesem Sumpf kein Podium zur Normalisierung bieten. Deshalb ist Thorsten Wassermann heute nicht eingeladen.

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