Grüne stärkste Fraktion im Stadtrat
Die Linken sind die eigentlichen Sieger
Nach Auszählung aller 157 Ergebnisse gibt es bei der Stadtratswahl einen ziemlich klaren Befund: Osnabrück bleibt politisch links der Mitte, wo immer die ist. Grüne, SPD und Linke kommen zusammen auf 57,54 Prozent. 2021 waren es 57,18 Prozent. Das viel beschworene links-grüne Osnabrück ist also keineswegs verschwunden – es hat lediglich die Möbel umgestellt.
Die Grünen bleiben mit 24,78 Prozent hauchdünn stärkste Kraft, verlieren gegenüber 2021 allerdings 4,43 Prozentpunkte. Damals waren es 29,21 Prozent. Die CDU folgt mit 24,31 Prozent und verliert ebenfalls leicht gegenüber ihren damaligen 25,64 Prozent. Die SPD fällt von 23,34 auf 20,01 Prozent.
Der eigentliche Knaller des Abends heißt Die Linke: von 4,63 auf 12,75 Prozent, also satte plus 8,12 Prozentpunkte. Damit hat sie ihr Ergebnis beinahe verdreifacht. Die AfD steigt zwar ebenfalls kräftig – von 1,9 auf 8,54 Prozent –, bleibt in Osnabrück aber einstellig und weit hinter dem Bundestrend. Volt legt von 1,4 auf 2,71 Prozent zu, während die FDP von 6,4 auf 4,29 Prozent abrutscht.
Bemerkenswert ist vor allem die Verschiebung innerhalb des linken und progressiven Lagers: Grüne und SPD verlieren zusammen 7,76 Punkte, die Linke gewinnt 8,12. Mit anderen Worten: Die Stimmen sind nicht nach rechts verschwunden, sondern zu einem erheblichen Teil ein paar Stühle weiter nach links gerückt. Für mögliche Mehrheiten im neuen Rat ist das ausgesprochen interessant.
Bei der OB-Wahl sieht die Sache anders aus.
Katharina Pötter erreicht 42,21 Prozent und ist damit die eindeutige Siegerin des ersten Wahlgangs. 2021 waren es zunächst nur 35,75 Prozent. Sie gewinnt also als Amtsinhaberin rund 6,5 Prozentpunkte hinzu, obwohl ihre CDU bei der Ratswahl leicht verliert. Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass hier die Person Pötter stärker zieht als das CDU-Parteibuch. 2021 gewann sie anschließend die Stichwahl mit 56,09 Prozent.
Der Grüne Volker Bajus zieht mit 22,26 Prozent in die Stichwahl ein. Zum Vergleich: Annette Niermann erreichte 2021 im ersten Wahlgang 26,64 Prozent. SPD-Kandidat Robert Alferink kommt diesmal auf 17,08 Prozent; Frank Henning hatte 2021 noch 24,09 Prozent geschafft.
Damit ist die Ausgangslage für die Stichwahl spannend: Pötter startet als klare Favoritin, Bajus braucht praktisch das gesamte Lager links der CDU plus zusätzliche Stimmen. Rein rechnerisch gibt es dieses Potenzial: Bajus, Alferink und Linken-Kandidat Dr. Groß kommen gemeinsam bereits auf 47,78 Prozent. Wahlen werden allerdings bekanntlich nicht mit dem Taschenrechner entschieden – sonst hätte man sich heute Abend einige Wahlpartys sparen können.
Kurz gesagt: Pötter persönlich stark, Grüne trotz Verlusten wieder Nummer eins im Rat, SPD geschwächt, Linke sensationell gestärkt – und die AfD legt zwar erheblich zu, bleibt aber deutlich hinter der Bundes-AfD. Osnabrück ist damit 2026 nicht nach rechts gekippt. Eher ist die Stadt auf der linken Seite des Sofas noch ein Stück zusammengerückt.













