This is (not) America – Country für Demokratie
Ungefähr 200 Country-Fans hatten sich am Freitag den 18. September vor der Gertrudenkirche eingefunden, um dem Who is Who der Osnabrücker Country-Szene zu lauschen, die dort vom späten Nachmittag bis 22 Uhr nachts aufspielte. Die Veranstalter haben wohl nicht damit gerechnet, dass so viele Musikinteressierte den Weg auf den Gertrudenberg finden würden; die Bier- und Wurstvorräte waren jedenfalls schnell zur Neige gegangen. Das tat der entspannten Stimmung vor Ort jedoch keinen Abbruch.
Geboten wurde alles, was sich dem Country/Americana-Genre zuordnen ließ: von den filigran-durchlässigen Interpretationen des Duos Ostermaier, mit ihrer stimmgewaltigen Sängerin, weiter zu den Bluegrass-Evergreens der Blossom Brothers über die Campfire Comrades, die ihre eigenen Songs in einem imposanten Nashville-Sound präsentierten (und das ohne technischen Schnickschnack in einer 2-Mann-Besetzung!), bis hin zum ausgelassenen Gute-Laune-Country von Redwood.

Es wurden keine politischen Reden gehalten; im Vordergrund standen bei dem Festival die Spielarten der uramerikanischen Musik. Viele Acts aber ließen es sich dennoch nicht nehmen, klare Positionen zu beziehen. Angefangen mit den Campfire Comrades, die betonten, wie wichtig es gerade nach den Wahlen in den neuen Bundesländern sei, Flagge zu zeigen und sich auf Festivals wie diesem zu begegnen.
Eindrückliche Worte fand auch der aus Kalifornien stammende Salvatore Giacinto, Sänger der Band Desert Radio. Die aktuellen Entwicklungen in den USA machten die Musiker traurig und wütend. Mit Blick auf die gesellschaftliche Spaltung und das aus seiner Sicht kriminelle Vorgehen der Regierung betonte Giacinto, dies sei nicht das Amerika, das er kenne. Dennoch setzte er ein Zeichen der Hoffnung: „Musik kennt keine Grenzen, und sie gehört keinem Politiker und keiner Regierung, sondern heute Abend gehört sie uns.“

Ins gleiche Horn stießen die Osnabrücker Country-Legenden von Cliff Barnes & the Fear of Winning, Heinz Rebellius und Bob Giddens als sie erklärten, dass die politische Situation in den USA und anderswo schon in der Zeit, als ihre provokanten Songs wie „No One’s Got An Asshole Like a Cowboy“ oder „Dancing Over Texas“ entstanden, Anlass zur Sorge gab. Mit ihrer Musik bezogen sie damals klar Position gegen Ronald Reagan und dessen Politik und hatten bereits gedacht, dass es kaum noch schlimmer kommen könne. Doch darin habe man sich geirrt: Die heutigen Zeiten unter Donald Trump seien noch bedrückender geworden. Umso mehr mache es Sinn, gerade diese Songs am heutigen Abend zu spielen.
Bezogen auf den deutschen Kontext wurde Elektro Strothmann, Sänger von Schmöttke, noch deutlicher: „Scheißfaschos, Scheißnazis, Drecks-AfD!“
Solche klaren Worte sind heute nicht mehr selbstverständlich. Konnte sich noch vor einigen Jahren in einem breiten Konsens wähnen, wer sich für Demokratie und gegen Faschismus äußerte, so hat sich mittlerweile etwas gedreht. Wie zum Beispiel die Wiederausladung der münsteraner Band Alphaville von einem mittelgroßen Festival zeigt. Der Grund für die Absage: Die Band wollte sich vom Veranstalter nicht den Mund verbieten lassen. Ein solcher Eingriff durch die Veranstalter Musikbüro und Trude-lädt-ein wäre im Falle des This-is-not-America-Festival wohl nicht zu erwarten gewesen; stand das Musik-Event doch unter dem Motto „Country für Demokratie“!
Diesem Motto entsprechend wurde während des Events für die Amadeu Antonio Stiftung gesammelt, eine gemeinnützige Stiftung, die sich um Demokratieförderung und eine Stärkung der Zivilgesellschaft bemüht. Dabei kamen – auch durch Spenden der Bands! – über 800,- € zusammen. Eine spendenbasierte Unterstützung derartiger Vereine und Initiativen ist notwendig, da diese zunehmend von politischer Seite unter Druck geraten – dabei waren sie wohl noch nie so wichtig wie heute!












