Testspiele sind mir egal – außer wenn Jonsson kommt
Ich mag keine Testspiele. Habe ich noch nie. Sie sind die homöopathische Variante des Fußballs: Man erkennt die Zutaten, Wasser und Zucker, aber die Wirkung ist gleich null. Das gilt natürlich nur für mich als Fußballfan. Der Trainerstab sieht das mit Recht völlig anders.
Der VfL hat sich trotzdem gleich drei Testspiele gegönnt – und jedes zeigte auf seine Weise, warum solche Veranstaltungen eine eigene Form der Fußballfolklore sind. Erst 3:0 gegen Wiedenbrück. Gewonnen, alles schön, alle zufrieden. Der sportliche Wert ungefähr auf dem Niveau eines gelungenen Trainingsvormittags mit Publikum.
Dann 1:4 in Bochum. Vier Dinger kassiert, was in einem Pflichtspiel eher Anlass für schlechte Laune wäre. Im Testspielgeschäft heißt so etwas dagegen „wichtige Erkenntnisse“, die für den Laien im Verborgenen bleiben.
Und dann kam gestern Djurgårdens IF. Wieder verloren, diesmal 0:1. Aber plötzlich war das Ergebnis fast nebensächlich. Denn dieses Spiel hatte etwas, was Wiedenbrück und Bochum nicht hatten: 1.500 Fans aus Osnabrück und Stockholm, die gemeinsam von der Hasestraße zur Bremer Brücke zogen.

Keine getrennten Anmarschwege, kein „Ihr da – wir hier“, keine demonstrativ-depperte Feindschaft, weil Fußballfans sich angeblich gefälligst gegenseitig nicht ausstehen sollen. Stattdessen ein langer gemeinsamer Zug zweier Fanszenen, die zeigen, dass Rivalität auf dem Platz und Freundschaft davor und danach wunderbar zusammenpassen.
Ich finde dieses Bild großartig, denn über „Fußball verbindet“ wird gern und viel geplappert, meistens von Leuten, die sich mit Mikrofon in der Hand selbst gern reden hören. Diese 1.500 brauchten keinen Werbespruch. Sie liefen einfach los. Zwei Vereine. Zwei Länder. Ein gemeinsamer Weg zur Bremer Brücke. Das war das Herz dieses Nachmittags. Das 0:1 danach war nur noch das belanglose Ergebnis auf der Anzeigetafel.
Und dann kam Jonsson
Und zu diesem schwedisch-osnabrückischen Familientreffen passte natürlich einer ganz besonders: Lukas Jonsson. Der ehemalige VfL-Keeper wurde an der Bremer Brücke gefeiert, was ich völlig nachvollziehen kann. Jonsson hielt, was zu halten war, und machte damit genau das, wofür wir ihn früher geliebt haben und was dem ein oder anderen gestern ausnahmsweise gehörig auf den Geist ging.
Also noch einmal zum Mitschreiben: Gegen Wiedenbrück gewonnen – belanglos. In Bochum vermöbelt worden – angeblich lehrreich und zum Glück unter Ausschluss der Öffentlichleit. Gegen Djurgården vor 4.510 Zuschauer:innen verloren – und ausgerechnet dieses Spiel bleibt hängen. Nicht wegen des 0:1, sondern wegen der fast feierlichen Stimmung im Stadion.
Ich freue mich jedenfalls, dass es am nächsten Wochenende nach dieser für mich unerträglich langen Länderspielpause wieder um Punkte geht. Nichtsdestotrotz: „Vad kul att du var tillbaka, Lukas! Stort tack!“
PS:
Auch mich verbindet mit Schweden eine längere Geschichte. 1970 bin ich dorthin geflohen, um als Totalverweigerer der Bundeswehr zu entgehen. Ein halbes Jahr später erfuhr ich nach einem Telefonat von Östersund nach Osnabrück von meiner Mutter, dass ich sowieso untauglich gemustert worden sei. Das nenne ich bis heute eine strategische Meisterleistung oder schlicht und einfach ein klassisches Eigentor.
Heute wäre die Flucht noch unsinniger, denn Schweden gehört inzwischen zur NATO. Militärstrategisch hätte ich mich damit, na ja, selbst gefickt. Trotzdem ist Schweden für mich bis heute ein besonderes Land geblieben. Und vielleicht mochte ich Jonsson deshalb schon immer ein kleines bisschen mehr. Die Fanfreundschaft hat ohnehin gezeigt, wie gut Osnabrück und Schweden seit 1648 zusammenpassen.













