VfL gegen Dynamo Dresden 1:1 – erst zugeschaut, dann aufgewacht

Dynamo Dresden war in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft und führte verdient. Nach der Pause zeigte sich der VfL deutlich verbessert, brauchte allerdings bis zur Schlussphase, um auch vor dem gegnerischen Tor wirklich gefährlich zu werden. Fabinskis später Ausgleich belohnt schließlich eine engagierte zweite Halbzeit und sorgt für eine insgesamt gerechte Punkteteilung.

Für den VfL geht es am Sonntag, dem 18. Oktober, um 13.30 Uhr bei Arminia Bielefeld weiter. Eine Woche später, am Sonntag, dem 25. Oktober, gastiert die SpVgg Greuther Fürth ebenfalls um 13.30 Uhr an der Bremer Brücke. Zwei weitere Gelegenheiten, möglichst schon vor der Schlussviertelstunde mit dem Toreschießen anzufangen.

Zur Information: Unsere Spielberichte werden wie ein Liveticker direkt am Laptop verfasst und gleich nach Schlusspfiff ohne Netz und doppelten Boden ins Internet gesetzt. Die Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ wird, falls notwendig, mitunter erst einige Stunden nach dem Spiel vervollständigt, dasselbe gilt für Korrekturen von Tippfehlern.
Unsere aktuellen VfL-Podcasts und Kallas Einwürfe gibt es rund um die Uhr zu hören. Ansonsten werden der aktuelle VfL-Podcast jeden Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr auf OS-Radio 104,8 übertragen und „Kallas Einwurf“ jeden Montag und Freitag mehrmals am Tag.

 

Vor dem Spiel

Die Startelf des VfL:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, F. Wagner, Jacobsen, Gomez – Beck, Meißner, Riesselmann

Erwartet werden heute 15.741 Zuschauer:innen, davon 1.400 aus Dresden.


Beginn

Schiedsrichter Dr. Florian Exner (36) aus Münster pfeift bei leicht bewölktem Himmel und Temperaturen um die 15 Grad pünktlich an. Anstoß haben die Dresdner, die zuerst in Richtung Ostkurve spielen.

Dynamo Dresden übernimmt zunächst die Initiative. Doch schon in der dritten Minute meldet sich der VfL offensiv zu Wort. Meißner schickt Riesselmann mit einem Steilpass auf die Reise, allerdings landet der Ball bei Dresdens Torhüter Grill.

Nur eine Minute später wird es erstmals richtig gefährlich. Beck setzt sich auf der rechten Seite in Szene und spielt den Ball schnell in die Mitte zu Meißner, der links im Strafraum annimmt und sofort abzieht. Ein Dresdner Verteidiger bekommt gerade noch ein Bein dazwischen und verhindert die frühe Führung. Immerhin ist schon nach wenigen Minuten zu erkennen, dass sich mein VfL heute keineswegs auf die Rolle des freundlichen Gastgebers beschränken möchte.

Danach entwickelt sich eine muntere Partie, in der die Gäste deutlich mehr Ballbesitz haben, während der VfL auf schnelle Gegenstöße setzt. Vermeij scheitert mit einem Querpass an Krumrey, Stern schießt aus der Distanz über das Tor. Dresden hat bislang mehr vom Spiel, Osnabrück die bessere Gelegenheit. Ich finde diese Arbeitsteilung durchaus sympathisch.


Nach einer Viertelstunde …

drängen die Gäste weiter nach vorne, sammeln allerdings hauptsächlich Eckbälle.

In der 17. Minute schaffen es Bobzien und anschließend Vermeij zwar bis zur Grundlinie, doch ihre Hereingaben finden keinen Abnehmer. Dynamo betreibt bislang einen beträchtlichen Aufwand für einen bemerkenswert überschaubaren Ertrag.

Nach einer halben Stunde hat sich an den Kräfteverhältnissen wenig geändert. Dresden bestimmt mit zeitweise 75 Prozent (!) Ballbesitz das Geschehen, während der VfL überwiegend damit beschäftigt ist, den Gästen bei ihrer gepflegten Ballzirkulation zuzusehen. Timo Schultz muss seine Mannschaft mehrfach lautstark auffordern, endlich höher zu stehen, was zumindest vorübergehend Wirkung zeigt.

Nach einem harmlosen Freistoß von Sterner in die Osnabrücker Mauer wird es in der 27. Minute erstmals richtig brenzlig. Über Vermeij und Bobzien landet der Ball bei Covic, dessen Flachschuss allerdings so kraftlos ausfällt, dass Krumrey keine größeren Schwierigkeiten bekommt.

Dynamo bleibt die spielbestimmende Mannschaft. Der VfL findet offensiv kaum noch statt. Ich hoffe nur, dass die VfLer nicht darauf warten, dass die Dresdner vom vielen Ballbesitz irgendwann müde werden. Eine durchaus originelle Taktik, allerdings mit gewissen Risiken und für einen VfL-Fan schwer zu ertragen.

Ausgerechnet als sich der VfL etwas freigeschwommen hat, fällt in der 38. Minute das 0:1. Sterner kombiniert sich mit Raschl und dessen sehenswertem Hackentrick in den Strafraum und bedient Hauptmann, der den Ball im Fallen an Krumrey vorbeispitzelt. Eine verdiente Führung für die Gäste, die bis dahin deutlich mehr vom Spiel hatten. Dass die Dresdner dafür ausgerechnet einen Hackentrick benötigen, macht die Sache für mich auch nicht erfreulicher.

In der 42. Minute bietet sich dem VfL die große Ausgleichschance. Gomez flankt von links, Beck erwischt den Ball mit hoch erhobenem Bein allerdings nur halbherzig, sodass Grill problemlos zugreifen kann. Hinter Beck steht Riesselmann völlig frei und hätte aus fünf Metern unbedrängt köpfen können. Dumm gelaufen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man bei so viel übersehenem Freiraum noch von Pech sprechen sollte.

Meißner zieht kurz vor der Pause aus rund 20 Metern noch einmal kräftig ab, verfehlt das Tor aber deutlich. Wenig später sieht er nach einem Foul an Bobzien die Gelbe Karte. Dann ist Halbzeit.


Halbzeitfazit:

Mit einer verdienten 1:0-Führung für Dynamo Dresden geht es in die Pause. Die Gäste haben besonders in der ersten halben Stunde das Spiel beherrscht und den VfL phasenweise in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Erst danach kommen die Osnabrücker besser ins Spiel, lassen ihre durchaus vorhandenen Möglichkeiten allerdings ungenutzt.

Dass es zur Pause nur 0:1 steht, lässt immerhin noch alle Möglichkeiten offen. Ich hoffe allerdings, dass Timo Schultz seiner Mannschaft in der Kabine erklärt, dass man ein Fußballspiel nicht allein dadurch gewinnt, dass man dem Gegner möglichst lange beim Spielen zusieht.

 

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig und informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken: 

Die SG Dynamo Dresden wurde am 12. April 1953 gegründet, hat heute rund 25.000 Mitglieder und wurde achtmal DDR-Meister und siebenmal DDR-Pokalsieger. Zu den bekanntesten Spielern zählen sicherlich Matthias Sammer und Ulf Kirsten, auch der Vechtaer Wandervogel Ansgar Brinkmann weilte dort für 27 Punktspiele. Alles Weitere gibt es bei Wikipedia.

Dresden selbst hat 550.000 Einwohner. In den Stadtrat wurden immerhin über 70 % demokratische Parteien gewählt. Mit 19,4 % errang die AfD bei der Wahl im Juni 2024 die meisten Stimmen vor der CDU (18,0 %).

Gar nicht mal so abwegige Halbzeitgedanken:

Dresden ist wirklich eine der schönsten Städte Deutschlands, wie ich aufgrund etlicher Besuche dieser Stadt behaupten kann, mit einer allerdings potthässlichen rassistischen Ex-PEGIDA-Anhängerschaft und Rechtsradikalen, die Dynamo für ihre Zwecke missbrauchen.

Nicht umsonst hatte die Schweiz Ende August 2018 eine Reisewarnung für Sachsen ausgesprochen, drei Jahre zuvor bereits Kanada.


Abwegige Halbzeitgedanken:

Mit Dresden verbinde ich vor allem als Auftrittsorte die Herkuleskeule und das Dresdner Brettl, heute Theaterkahn.
Wir, mein ehemaliger Kabarettpartner Claus Dethleff und ich, sind damals unter dem Namen Spvg. Turn & Taxis direkt nach dem Mauerfall zwei Wochen lang im Dresdner Brettl mit dem Programm Sind Sie frei? aufgetreten. Alle Vorstellungen waren ausverkauft.

Der Intendant des Hauses, der Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge, begrüßte jeden Abend das Publikum mit den Worten: “Liebe Gäste, das, was Sie heute Abend sehen werden, hat nichts mit dem ehemaligen Kabarett der DDR zu tun. Zwar findet bei den beiden Hamburger Jungs (er meinte Claus und mich ) auch einiges zwischen den Zeilen statt, aber, und das ist neu, wirkliche Arschlöcher werden auch als solche bezeichnet. Das ist wohl das, woran Sie sich heute Abend gewöhnen sollten. Und ich kann Ihnen verraten: Es hat eine sehr befreiende Wirkung, Arschlöcher als Arschlöcher zu bezeichnen. Und nun viel Vergnügen …”

An einem der Abende war Friedrich nicht dabei, weil er selbst ein Gastspiel hatte. Also fehlte diese kurze Begrüßung und einigen Leuten im Publikum waren die großen Fragezeichen über den Köpfen regelrecht anzusehen. Nach ein paar Szenen übernahm ich irgendwann Friedrichs Ansage und die Erleichterung war förmlich zu spüren und zu hören: Es durfte also gelacht werden, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.


Dynamo geht unverändert in die zweite Hälfte …

… was kaum erstaunlich ist, beim VfL hingegen kommt Leon Flach für Fridolin Wagner.

beginnt deutlich ausgeglichener. Beide Mannschaften suchen den Weg nach vorne, wobei die Dresdner zunächst die gefährlicheren Abschlüsse verbuchen. In der 49. Minute zieht Wagner aus 18 Metern wuchtig ab, verfehlt das VfL-Tor aber knapp.

Sechs Minuten später versucht es Torschütze Hauptmann aus der Distanz, befördert den Ball allerdings deutlich über den linken Torwinkel ins Fangnetz.

Dresden hat weiterhin mehr Ballbesitz, kommt aber nur selten gefährlich in den Strafraum. In der 59. Minute versucht es Bobzien von links, doch sein Schuss wird geblockt.

Der VfL hält inzwischen besser dagegen, doch nach vorne fehlt weiterhin die entscheidende Durchschlagskraft. Die Dresdner verwalten ihren knappen Vorsprung mit reichlich Ballbesitz, während die Osnabrücker offensiv eine Zurückhaltung an den Tag legen, die man andernorts als vornehme Bescheidenheit bezeichnen würde. Auf dem Fußballplatz ist sie allerdings eher hinderlich.


Nach 60 Minuten …

… reagiert Timo Schultz mit einem Dreifachwechsel. Für Gomez, Riesselmann und Kammerbauer kommen Badjie, Kyereh und Faber ins Spiel. Offenbar soll nun endlich etwas mehr Schwung in die Osnabrücker Offensive kommen, die sich bislang überwiegend durch vornehme Zurückhaltung ausgezeichnet hat.

Immerhin zeigt Badjie gleich nach seiner Einwechslung, wie es gehen könnte. Seine gefährliche Flanke von links segelt durch den Strafraum, findet allerdings keinen Abnehmer. Der gute Wille ist also vorhanden, jetzt müsste sich nur noch jemand finden, der ihn in ein Tor verwandelt.

Nach 75 Minuten ist der VfL nach den drei Auswechslungen deutlich aktiver und erhöht allmählich die Schlagzahl. Besonders Badjie sorgt auf der linken Seite für Bewegung und kann in der 72. Minute von Sterner nur durch eine Grätsche gestoppt werden, für die der Dresdner zu Recht Gelb sieht.

Allerdings bleibt die Osnabrücker Offensive trotz aller Bemühungen erschreckend harmlos. Dresden hält weiterhin dagegen und verteidigt den knappen Vorsprung, ohne ernsthaft in Bedrängnis zu geraten.

In der Schlussphase wird der VfL endlich gefährlicher. In der 83. Minute scheitert Meißner nach Vorarbeit von Badjie und Faber an Torhüter Grill. Zwei Minuten später prüft Badjie den Dresdner Schlussmann mit einem Aufsetzer aus 25 Metern. Kurz darauf vergibt Beck einen vielversprechenden Konter durch einen reichlich schlampigen Pass auf Faber. Da möchte man gelegentlich auf den Platz laufen und die Sache selbst erledigen.

Doch dann ist es in der 87. Minute endlich so weit: 1:1! Nach einer zunächst geklärten Ecke bringt Faber den Ball erneut vors Tor, Wiemann verpasst knapp, doch am zweiten Pfosten steht Fabinski goldrichtig und köpft aus kurzer Distanz zum inzwischen verdienten Ausgleich ein.

Die Bremer Brücke jubelt, und ich darf erleichtert feststellen, dass der VfL tatsächlich noch weiß, wo das gegnerische Tor steht. Jetzt bloß nicht wieder in jene vornehme Zurückhaltung verfallen, die uns schon die erste Halbzeit vermiest hat!

Die Schlussminuten haben es noch einmal in sich. In der 90. Minute trifft Raimund nach einem Angriff über links den Außenpfosten, steht allerdings im Abseits. Anschließend handeln sich Flach und Beck innerhalb weniger Sekunden zwei Gelbe Karten ein. Offenbar möchte der VfL auch in dieser Disziplin noch etwas für die Statistik tun.

In der dreiminütigen Nachspielzeit liefern sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch, weil sich weder Dresden noch Osnabrück mit einem Punkt zufriedengeben wollen. Am Ende bleibt es jedoch beim 1:1.


Fazit

Dynamo Dresden war in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft und führte verdient. Nach der Pause zeigte sich der VfL deutlich verbessert, brauchte allerdings bis zur Schlussphase, um auch vor dem gegnerischen Tor wirklich gefährlich zu werden. Fabinskis später Ausgleich belohnt schließlich eine engagierte zweite Halbzeit und sorgt für eine insgesamt gerechte Punkteteilung.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits darf man sich nach diesem Spielverlauf über den späten Ausgleich freuen, andererseits frage ich mich, weshalb der VfL beinahe eine Stunde benötigt, um festzustellen, dass man gegen einen Gegner nicht nur verteidigen, sondern gelegentlich auch Fußball spielen darf. Immerhin hat es am Ende noch gereicht, um die Dresdner für ihren ausgiebigen Ballbesitz mit einem einzigen Punkt nach Hause zu schicken.

Für den VfL geht es am Sonntag, dem 18. Oktober, um 13.30 Uhr bei Arminia Bielefeld weiter. Eine Woche später, am Sonntag, dem 25. Oktober, gastiert die SpVgg Greuther Fürth ebenfalls um 13.30 Uhr an der Bremer Brücke. Zwei weitere Gelegenheiten, möglichst schon vor der Schlussviertelstunde mit dem Toreschießen anzufangen.


Zahlen, Daten & Fakten

 

Zuschauer*innen: 15.741, davon 1.400 aus Dresden

Tore:
0:1 Hauptmann (38.)
1:1 Fabinski (87.)

Gelbe Karten:
(45.) Meißner
(68.) Rapp
(72.) Sterner
(75.) Fabinski
(81.) Covic
(82.) Straudi
(84.) Faber
(90.+1.) Flach und Beck

Gelb-Rote Karten:
(.)

Rote Karten:
(.)

VfL Osnabrück:
Krumrey – Fabinski, Müller, Wiemann – Kammerbauer, F. Wagner, Jacobsen, Gomez – Beck, Meißner, Riesselmann
Trainer: Timo Schultz

SG Dynamo Dresden:
Grill – Straudi, Müller, Rapp, Sterner – R. Wagner, Raschl, Hauptmann – Covic, Vermeij, Bobzien
Trainer: Thomas Stamm

Schiedsrichter: Dr. Florian Exner (36) aus Münster 




Statistik:
Seit dem 28.09.2002 trafen die beiden Clubs 20-mal aufeinander. Die fast ausgeglichene Bilanz lautet 6-6-8.
Hier geht es zur Statistik von weltfussball.de..

Tabellarisches:
In der Kicker-Formtabelle steht der VfL mit einem Notendurchschnitt von 3,19 auf Platz 3 und die SGD (3,61) auf Platz 14. Tatsächlich spielt der VfL als 11. der 2. Bundesliga gegen den 17. des 6. Spieltags.


Ergebnisse und Tabelle der 2. Bundesliga

spot_img
Oktober 2026spot_img
Oktober 2026spot_img
Oktober 2026spot_img
Oktober 2026spot_img
Oktober 2023spot_img
Oktober 2025spot_img
August 2024spot_img
August 2024spot_img
Juni 2025spot_img
2015spot_img