Feinmechanik der Kunst

Kathrin Borg-Tiburcy präsentiert Fotografien einer Schreibmaschine – nur einer Schreibmaschine?

In beeindruckendem Schwarz-Weiß hängen sie an den Wänden im Shock Records – Café: Fotografien, die die BetrachterInnen zum Nachdenken bringen. Noch bis zum 12. November können sie angeschaut und auch erworben werden.

Bereits vor vielen Jahren ergatterte Borg-Tiburcy eine alte Schreibmaschine, die sie faszinierte und die mithilfe einer Rahmennummern-Liste auf das Entstehungsjahr 1939 datiert werden konnte. Ohnehin begeistert von analogen und mechanischen Dingen, sah Borg-Tiburcy in der Maschine der Firma Torpedo, Frankfurt/Main*, etwas Besonderes, das sie bereits im Jahr 2013 fotografisch erforschte. Die Bilder sind jetzt neu bearbeitet und in feinster, sozusagen feinmechanischer Qualität gedruckt.

Eine kleine Kompakt-Digitalkamera (die übrigens im Gegensatz zur Schreibmaschine schon nicht mehr existiert) und natürliches Licht reichten aus, um die Schreibmaschine bildlich in ihre Einzelteile zu zerlegen und so zu präsentieren, dass sie über ihre bl0ße Funktion hinausweist. Fremdheit stellt sich ein, wo (zumindest unter älteren BesucherInnen der Ausstellung) Vertrautheit mit dem alltäglichen Werkzeug „Scheibmaschine“ vorherrschen sollte. Die „Fotografien lösen die Schreibmaschine aus dem gewohnten Nutzungskontext heraus und unterbrechen die automatische Verknüpfung von Objekt und Handlung,“ so Judith von der Heyde in einer in die Ausstellung einleitenden analysierenden Ansprache. Der Typenkorb der Maschine, von oben aufgenommen, erinnert an ein Gitter, das Ende der Walze zusammen mit dem Transporthebel an einen Stierkopf. Ein Besucher der Ausstellung erkennt im Sockel der Farbbandspule in Verbindung mit dem Anpressarm einen Plattenspieler. Das alles ist auch spielerisch, aber jedenfalls in seiner assoziativen Kraft begeisternd.

Judith von der Heyde. Foto: Toni Theilmeier

Borg-Tiburcy, die Bildhauerei bei Rainer Hagl studierte, gelingt es, diese Effekte in allen BetrachterInnen hervorzurufen. Die große Klarheit der kontrastreichen Bilder, verstärkt von der Abwesenheit von Passepartouts und der schlichten, schwarzen Rahmung, fokussiert die Aufmerksamkeit.

*Angehängt ein kleines Stück historischer Hintergrund: Der Name „Torpedo“ wurde vor ca. 125 Jahren vielerseits benutzt, von Sportvereinen bis hin zu Fahrradteilen, stand er doch zu Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts für Modernität und Geschwindigkeit, die sich damals noch problemlos von der noch recht neuen, mit vernichtender Kraft ausgestatteten Seekriegswaffe gleichen Namens ableiten ließ.

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