7. Oktober 2023: drei Jahre nach den Anschlägen

Osnabrück setzt starkes Zeichen für Solidarität und Menschlichkeit

Am 7. Oktober versammelten sich circa 150 Bürgerinnen und Bürger unter den Arkaden der Stadtbibliothek Osnabrück bei der Gedenktafel für die im Nationalsozialismus ermordeten Jüdinnen und Juden. Anlass war der dritte Jahrestag der Terrorangriffe der Hamas auf Israel. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück und die Assoziation gegen Antisemitismus Osnabrück hatten gemeinsam zu der Gedenkveranstaltung und Mahnwache aufgerufen, um der Opfer zu gedenken und ein Zeichen gegen wachsenden Antisemitismus zu setzen.

Der globale und regionale Konflikt datiert auf den 7. Oktober 2023, als die islamistische Terrororganisation Hamas und andere bewaffnete Gruppen vom Gazastreifen aus überraschend Israel angriffen. Bei dem Massaker wurden auf israelischem Boden etwa 1.200 Menschen, überwiegend Zivilistinnen und Zivilisten, getötet und mehr als 240 Personen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Dieser schwerste Angriff auf den Staat Israel seit seiner Gründung führte zu einer militärischen Intervention Israels im Gazastreifen. Der Konflikt breitete sich in der Folge auf die gesamte Region aus, woraufhin weltweite Debatten und Demonstrationen sowie ein spürbarer Anstieg antisemitischer Vorfälle dokumentiert wurden.

Lisa Böhne vom Mahnmal gegen Homophobie und für Zivilcourage beleuchtete in ihrem Beitrag den globalen Antisemitismus und kritisierte postkoloniale Theorien, die den Staat Israel delegitimieren. Sie führte aus, dass der spezifische Charakter des NS-Antisemitismus in seiner qualitativ beispiellosen Vernichtungsideologie liege und nicht mit Rassismus gleichgesetzt werden könne. Böhne wandte sich gegen Begriffe wie „Siedlerkolonialismus“ oder „Apartheidsregime“ im Kontext Israels und betonte, dass der Staat Israel historisch legitimiert sei sowie als Vielvölkergemeinschaft Schutz biete. Zudem verwies sie auf historische Sicherheitserfordernisse im Westjordanland und forderte als ersten Schritt zu einem Friedensprozess die Entwaffnung der Hamas.

Jana Rottermann, evangelische Sozialarbeiterin, schilderte persönliche Erfahrungen aus den drei Jahren seit den Angriffen. Sie beschrieb das Spannungsfeld zwischen Verunsicherung im Alltag und dem bewussten Festhalten an Hoffnung und Menschlichkeit. Rottermann hob hervor, dass Zivilcourage, Hinsehen und das Benennen von antisemitischen Anfeindungen notwendig seien. Durch das emotionale wie praktische Knüpfen von sozialen Verbindungen und solidarischen Netzwerken können Schutz und Sicherheit für alle Betroffenen in der Demokratie wiederhergestellt werden.

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter unterstrich in ihrer Ansprache die klare Haltung der Stadt Osnabrück gegen jede Form von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Sie erinnerte an die Opfer sowie die Geiseln der Anschläge und betonte, dass das jüdische Leben unzweifelhaft in die Mitte der Friedensstadt Osnabrück gehöre. Pötter rief die Bürgerinnen und Bürger zur Zivilcourage im Alltag auf und mahnte, dass Frieden den kontinuierlichen Dialog und das aktive Eintreten für die Menschenwürde erfordere.

Als letzte Rednerin sprach Ruth de Vries von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit aus der Perspektive einer Nachkommin einer Holocaust-Überlebenden und schilderte, wie extremistische Tendenzen das gesellschaftliche Miteinander nach dem 7. Oktober belastet haben. Sie warnte davor, Bevölkerungsgruppen pauschal für politische Verhältnisse oder Taten von Extremisten verantwortlich zu machen. Abschließend betonte sie die Gemeinsamkeiten von Familien über religiöse Grenzen hinweg und formulierte den Wunsch nach einer Zukunft, in der das Wohl der Kinder und der Wunsch nach einem friedlichen Leben über Hass und Ideologie siegen.

Die Veranstaltung ordnet sich in eine Reihe bundesweiter Gedenkaktionen ein, die drei Jahre nach den Anschlägen ein Signal für den Schutz jüdischer Einrichtungen und das friedliche Zusammenleben in Deutschland setzen.

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