Vom Hausverkauf bis zum Wühlmauskampf

Wiener Autorin Eva Menasse las bei „Zur Heide“

Die renommierte Wiener Autorin Eva Menasse las am vergangenen 13. Oktober ihren mittlerweile neunten Roman „Alleinruhelage“. In der bis zum letzten Platz ausverkauften Buchhandlung „Zur Heide“ nahm sie das Publikum mit auf eine literarische Reise zwischen melancholischem Hausverkauf, ostdeutscher Nachwende-Historie und dem humoresken Überlebenskampf im heimischen Garten. Von der leisen Melancholie des Abschieds bis hin zum humoresken Kleinkrieg gegen Wühlmäuse spannte sich der Bogen von einem außergewöhnlichen Leseabend in der Friedensstadt.

Bereits lange vor Beginn der Veranstaltung zeichnete sich das große Interesse des Publikums ab: Die Lesung war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Das Publikum erlebte einen ebenso tiefgründigen wie unterhaltsamen Abend, der weit über klassische Lesungen hinausging. Menasse verstand es, mit ihren Textauszügen eine vertraute und zugleich lebendige Atmosphäre zu schaffen. Im Zentrum des Romans stand eine Ich-Erzählerin und deren sprichwörtliches „Haus im Wald“, das als stummer Zeuge eines ganzen Lebensabschnitts fungiert. Menasse nahm das Publikum mit in die vielschichtige Welt ihrer Protagonistin, die vor der Entscheidung stand, dieses symbolträchtige Anwesen endgültig zu verkaufen. In den vorgetragenen Passagen spiegelte sich die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Ort wider – von gescheiterten Ehen über das Aufwachsen der Kinder bis hin zu den alltäglichen Versuchen, dem eigenen Dasein eine feste Struktur zu geben.

Einen besonderen Raum nahmen dabei die prägnant gezeichneten Nebenfiguren ein. Mit viel Gespür für feine Zwischentöne und menschliche Kauzigkeiten schilderte Menasse die Begegnung mit der energischen polnischen Reinigungskraft Anna und deren Mann Bolek, die der Protagonistin nicht nur beim baufälligen Garten halfen, sondern ihr unverhofft Selbstvertrauen und Besitzerstolz zurückgaben. Auch historische Rückblicke auf die turbulenten 1990er-Jahre und die oft von Missverständnissen geprägte Nachwendezeit im ländlichen Osten Deutschlands floch die Autorin geschickt in ihre Schilderungen ein.

Für heitere Reaktionen in der Buchhandlung sorgten insbesondere jene Abschnitte, in denen sich die Autorin den Tücken der Gartenpflege widmete. Der erbitterte Kampf gegen Wühlmäuse, das verzweifelte Mähen des Rasens und die skurrilen Eigenheiten eines Nachbarvereins wurden von Menasse mit feinsinniger Ironie und stilistischer Präzision skizziert. Dass die Lesung bei den Anwesenden hervorragend ankam, zeigte sich nicht zuletzt in den zwischenzeitlichen Gesprächsrunden. Die Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um der Schriftstellerin Fragen zu ihren Figuren, ihrem Schreibprozess und den Hintergründen des Romans zu stellen. Menasse antwortete gewohnt nahbar und ausführlich.

Mit „Alleinruhelage“ ist Eva Menasse ein eindringlicher Roman gelungen, der Fragen nach Heimat, Entfremdung und Neuanfang stellt. Der Abend in der Buchhandlung zur Heide bot einen Einblick in die vielschichtigen Themen des neuen Romans.

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