Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.
Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.
Vorschau auf das Auswärtsspiel in Wolfsburg
mit persönlichen Einschätzungen von Lars Mosel, Janis Weber und Sven Dirkes
Am Samstag um 13 Uhr steht für den VfL Osnabrück das erste Auswärtsspiel in Wolfsburg seit 33 Jahren an, klammert man die Zweitvertretung aus. Auch damals traf man in der 2. Bundesliga aufeinander. Die Wölfe konnten sowohl ihr Heimspiel als auch das Spiel an der Bremer Brücke für sich entscheiden. Von den 1950er-Jahren bis in die 70er hinein traf man sehr regelmäßig aufeinander, meistens mit dem besseren Ende für den lila-weißen VfL.
Auf’m Platz
Paul Simonis, Daniel Bauer, Dieter Hecking. Diese drei Trainer haben sich die letzte Wolfsburg-Saison ziemlich genau zu je einem Drittel aufgeteilt, was die jeweilige Zeit an der Seitenlinie betrifft. Den Negativtrend konnte keiner der Genannten stoppen. Am Ende der Saison hieß es, nach verlorener Relegation gegen den SC Paderborn, Abstieg in die 2. Bundesliga. Es war der erste Abstieg des VfL aus der Bundesliga. Seit 1997 gehörte man zum festen Inventar des Oberhauses.
So ein Abstieg geht natürlich mit einem größeren Umbruch einher. Für 66 Millionen Euro wurden Spieler verkauft, für 28 Millionen Euro neue Spieler verpflichtet. Wirklich experimentierfreudig sah das auf der Zugangsseite dabei nicht aus. Es wurden Spieler verpflichtet, die in den letzten Jahren gut bis sehr gut in der 2. Bundesliga performt haben: Robert Glatzel, Fabian Reese, Hauke Wahl, Fraser Hornby, Alexander Bernhardsson. Alles Namen, die der geneigte Zweitligafan zur Genüge kennt.
Einen Namen kannte man bis dato vermutlich eher weniger im Unterhaus: Als neuer Trainer wurde Tobias Strobl vom SC Verl verpflichtet. Und der hat aus Ostwestfalen nicht nur Offensivallrounder Alessio Besio mitgebracht, der als Einwechselspieler immerhin schon auf drei Scorerpunkte kommt, sondern auch seine Vorliebe für die Viererkette. Hauke Wahl ist Kapitän und in der Innenverteidigung gesetzt. Neben ihm wechseln sich bislang die Talente Cleiton und Angély ab. Links in der Viererkette ist Maehle, 63-facher dänischer Nationalspieler, gesetzt, rechts teilen sich Kumbedi und Fischer die Aufgabe.
Das sind interessante Namen. Allein für defensive Stabilität hat diese Viererkette bislang in dieser Saison eher weniger gesorgt. In den ersten beiden Spielen stand noch hinten die Null, seitdem nicht mehr. Gegen Cottbus und in Nürnberg setzte es jeweils vier Gegentore. Unter den ersten fünf Mannschaften in der Tabelle hat keine mehr Gegentore kassiert. Bekommt der VfL die Defensivprobleme nicht in den Griff, wird es schwer mit dem (eigentlich fest eingeplanten) Aufstieg.
Wer hinten die Bude nicht dicht hält, muss vorne umso mehr für Furore sorgen. Und das gelingt den Wölfen bislang ausgesprochen gut. 23 Tore nach neun Spielen sind Liga-Bestwert. Mit Fabian Reese (10), Robert Glatzel (8) und Alexander Bernhardsson (7) befinden sich drei Offensivspieler unter den Top-Scorern der Liga. Für die Pässe vor den Assists zeigt sich meistens Muhammed Damar verantwortlich, der in Wolfsburg das für Strobl auf der 10er-Position ist, was Berkan Taz für ihn in Verl war. Der 22-Jährige, für den man über 5 Millionen Euro an die TSG Hoffenheim überwies, kommt auch selbst schon auf vier Scorerpunkte.
Man merkt: Vorne läuft’s. Strobl steht weiter für Ballbesitz und Offensivfußball. Zuletzt stotterte die Offensive gegen gut verteidigende Bochumer etwas. Zu Hause wird man wieder um Verbesserung bemüht sein. Da kommt auf die Dreierkette um Jannik Müller einiges an Arbeit zu.
Im Fokus
Weiter oben war von Hauke Wahl als Kapitän die Rede. Dass der Neuzugang von St. Pauli bislang die Binde trägt, war nicht unbedingt abzusehen. Nominell ist immer noch Maximilian Arnold VfL-Kapitän. Der 32-Jährige hatte den Sommer über jedoch mit Leistenproblemen zu kämpfen und wurde, zum eigenen Unmut, von Trainer Strobl nur sehr behutsam aufgebaut. In der Länderspielpause verschaffte der erfahrene Mittelfeldspieler sich und seinem Frust dann Luft: „Ich bin mit der Situation einfach nicht zufrieden. Das ist nicht mein Anspruch. Ich habe Mehrwert für die Mannschaft. Und ich hoffe, dass der Trainer das schnellstmöglich auch sieht.“
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Arnold nur beim 4:4 gegen Cottbus in der Startelf gestanden – und wurde dort bereits nach 53 Minuten ausgewechselt. Im defensiven Mittelfeld bekommt weiter Vini Souza den Vorzug. Der Brasilianer interpretiert die Rolle allerdings deutlich offensiver als Maxi Arnold. Gut zu sehen war das am letzten Wochenende beim Remis in Bochum. Souza musste kurz vor der Halbzeit angeschlagen vom Platz. Arnold übernahm seine Rolle und sorgte in Halbzeit 2 für Struktur im Wolfsburger Spiel, hielt seine Position, ließ sich immer wieder zwischen die Innenverteidiger fallen. Der VfL wirkte nach der Einwechslung in der Defensive und im Ballbesitz stabiler; offensiv blieb man jedoch harmlos. Vielleicht setzt Strobl irgendwann auf eine Doppelsechs aus Souza und Arnold, vielleicht macht er es von den Gegnern abhängig. Aber sollte Souza zum Wochenende wieder bei 100 % sein, wird er vermutlich wieder den Vorzug vor Arnold bekommen.
Der hatte sich zwischenzeitlich sogar in der neu geschaffenen U-21-Bundesliga Spielpraxis besorgt, was für lobende Worte von Trainer Strobl und Sportdirektor Schwegler sorgte. Den Ehrgeiz kann man Arnold nicht absprechen. Das konnte man noch nie. Aber ob er im Laufe der Saison noch zu einer festen Säule im Wölfe-Ensemble wird, kann aktuell nur mit einem Fragezeichen beantwortet werden.
Stadion
Als die Osnabrücker zum letzten Mal in der 2. Liga in Wolfsburg antraten, spielten die Wolfsburger noch im Stadion am Elsterweg. Seitdem ist viel Wasser den Mittellandkanal hinab geflossen. Mit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 wurden auch die Planungen für ein neues Stadion vorangetrieben, die 2002 in der Eröffnung der Volkswagen-Arena mündeten. Wer schon mal mit dem ICE von Osnabrück nach Berlin oder per Schiff auf dem Mittellandkanal von Osnabrück nach Magdeburg gereist ist, wird den Glaskasten, der im Grunde unmittelbar neben der Autostadt liegt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon mal erblickt haben.
Wirklich schön ist die Schüssel nicht. Drumherum wirkt alles etwas leblos. Der Gästeblock und seine Zugänge zeichnen sich durch Enge aus. Drinnen gibt es dann grüne Lichtershows und sonstigen Quark, den wahrscheinlich kaum ein Fußballfan braucht. Knapp 29.000 Menschen passen rein, doch nur seltenst kommen auch so viele.
Ursprünglich sollte das Stadion, und das dürfte uns Lila-Weißen doch sehr bekannt vorkommen, „Stadion an der Berliner Brücke“ heißen, aber letztendlich ließ sich der VW-Konzern die Namensrechte natürlich nicht entgehen. Vielleicht war das gar nicht so unclever: Die Berliner Brücke heißt mittlerweile „Carl-Hahn-Brücke“, benannt nach einem ehemaligen VW-Vorstandsvorsitzenden und Ehrenbürger der Stadt Wolfsburg. Apropos VW: Im Stadion wurden auch die Feierlichkeiten anlässlich der Auslieferung von 25 Millionen VW Golf abgehalten. Zudem gaben hier unter anderem schon Elton John und Herbert Grönemeyer Konzerte. Nur beim Fußball ist es weiterhin eher ruhig. Da hilft auch keine Lichtershow…
Geschichten aus der Geschichte
Es war einmal das erste Elfmeterschießen im deutschen Profifußball … Und der VfL Wolfsburg war dabei! Was bei der Weltmeisterschaft erst ab 1982 zur Normalität gehörte und schon in den 50ern und 60ern in unterschiedlichen Formen in unterschiedlichen Wettbewerben ausprobiert wurde, fand in einem offiziellen Profifußballspiel im August 1970 seine Premiere. Im Halbfinale des „Watney Cups“, der lediglich vier Mal ausgetragen wurde, trafen Hull City und Manchester United aufeinander und es kam zum ersten Elfmeterschießen, so wie wir es heute noch kennen. Nach 120 Minuten stand es 1:1, danach wurde George Best von Manchester United die Ehre zuteil, den allerersten Elfmeter treten zu dürfen. Best trifft, sein Mitspieler Denis Law geht kurz danach als erster Fehlschütze in die Geschichte ein, United gewinnt trotzdem 4:3 und K.-o.-Spiele traten in eine neue Ära ein.
Der DFB übernahm auch ab 1970 das Konzept des Elfmeterschießens. Im DFB-Pokal sollten so Sieger ermittelt werden, wenn es nach einem Remis auch im Wiederholungsspiel keinen Sieger gab.
In der zweiten Runde der Pokalsaison 1970/71 traf der VfL Wolfsburg auf den FC Schalke. Das Spiel in Wolfsburg endete 2:2, das Wiederholungsspiel in der Glück-Auf-Kampfbahn in Gelsenkirchen endete ebenfalls Unentschieden, sodass Schiedsrichter Günter Linn beide Mannschaften zum Elfmeterschießen beorderte. Sowas hatten die Schalker Fans natürlich noch nie gesehen und dachten sich, dass man das Ganze doch viel besser aus der Nähe betrachten könnte. Viele Schalke-Fans fanden den Weg auf den Platz, umkreisten die Spieler, grölten und johlten – aus heutiger Sicht unfassbare Verhältnisse. Wolfsburg-Trainer Imre Farkasinski sah darin auch den Grund für das Unvermögen seiner Schützlinge vom Elfmeterpunkt. Vier Spieler vom VfL verfehlten. Der FC Schalke zog in die nächste Pokalrunde ein und scheiterte erst im Halbfinale am 1. FC Köln. Ein weiteres Elfmeterschießen gab es in dieser Premierensaison nicht. Der VfL Wolfsburg flog erst 1993 wieder bei einem Elfmeterschießen aus dem Pokal. Zwischen 1993 und 2006 dann allerdings ganze sechs Mal.
2015 stolperte man fast in der ersten Pokalrunde bei Darmstadt 98. Nach 120 Minuten stand es 0:0. Den ersten Elfmeter verschoss Innenverteidiger Naldo. Danach trafen jedoch Dost, Rodríguez, De Bruyne, Olic und Vieirinha. Max Grün hielt zwei Darmstädter Elfmeter und nur wenige Monate später durfte sich der VfL Wolfsburg, der noch 1995 im Finale an Borussia Mönchengladbach gescheitert war, Pokalsieger nennen.
Prognose Lars Mosel (OS-Rundschau)
Nach dem Sieg im Heimspiel gegen Fürth mit mutigerer Spielweise steht der VfL in Wolfsburg zu Beginn wieder tief.
Das funktioniert nur sehr begrenzt und Wolfsburg kommt zu vielen Chancen und einem Tor in den ersten 20 Minuten. Shiogai netzt nach Flanke von Reese ein.
Nach der Pause gelingt dem VfL ein offeneres und mutigeres Spiel. Leider kommt Fabian Reese einmal durch und erzielt das 2:0. Nach dem Anschlusstreffer durch Riesselmann kommt noch einmal Spannung auf. Am Ende reicht es aber nicht mehr.
Deutliche Erkenntnis: Mutiger funktioniert besser!
Janis Weber (Ostkurvenchor)
Ich mach es mal ganz einfach: Bislang hat unser VfL in dieser Saison nur einen Auswärtssieg geholt, und das war beim VfL Bochum. Dann klappt das doch sicherlich auch beim anderen nicht-lila-weißen VfL der Liga.
Klingt wie ne Mischung aus Hokuspokus und Zweckoptimismus, ist es zugegebenermaßen auch, aber hey: Wir können nach dem Sieg gegen Fürth befreit aufspielen und für die Wölfe ist so ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger ein Pflichtsieg, erst recht nachdem man sich gegen Cottbus zu Hause schon die Butter vom Brot hat nehmen lassen. Je länger wir die Null halten, umso ungeduldiger und fahriger werden die Wolfsburger agieren. Also: 2:1-Auswärtssieg. Wie genau, das weiß ich selbst noch nicht …
Sven Dirkes (Ostkurvenchor)
Lila-weiße Invasion – der VfL reist am Samstag nach Wolfsburg, um eines der Highlight-Spiele in dieser Saison zu absolvieren. Hinzu kommt der überzeugende Auftritt gegen die SpVgg Fürth. Man könnte meinen, es sei angerichtet. Wäre da nicht die hohe individuelle Qualität des Gegners. Ich hoffe, unser VfL bleibt auch gegen den Favoriten aus Wolfsburg mutig und aktiv. Lassen wir uns hinten reindrängen und schaffen zu wenig Entlastung, kann es eine Klatsche geben. Daran glaube ich aber nicht. Das Spiel gegen Fürth hat gezeigt, wie es funktioniert. Das verinnerlicht das Team und schafft es sogar trotz zweier Gegentore mit einem Punkt nach Hause zu fahren. Wir spielen also 2:2 und feiern den Punkt am Ende wie einen Sieg. Die Tore kommen von Standard-Bjarke und Isy nach Einwechslung.













