Amtsgerichtsrat in Melle und NSDAP-Schulungsredner, SA-Mitglied
Er war bis 1945 Amtsgerichtsrat in Melle, SA-Scharführer, Schulungsleiter, Truppführer, NSDAP-Kreisschulungsredner und Zugführer im Volkssturm. Sein brutaler Werdegang offenbart zweifelhafte Urteile in Strafsachen gegen Polen.
Friedrich Karl Avenarius wurde am 6. Januar 1900 in Abterode, Kreis Eschwege, als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Adolf Avenarius, geboren und besuchte von 1906 bis 1909 die Städt. Volksschule in Kassel und machte sein Abitur am Staatl. Gymnasium Celle an Ostern 1918. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er Jura in Marburg und Göttingen. Das Referendarexamen bestand er 1921 in Celle und das Staatsexamen (Gerichtsassessor) 1925 in Berlin. Ab 1926 war er ununterbrochen als Hilfsrichter bei Amts- und Landgerichten beschäftigt.
Von 1928 bis 1945 beim Amtsgericht Melle als Richter bzw. Hilfsrichter, Zugführer beim Volkssturm und Truppführer
Vom 1. Oktober 1928 bis 1. April 1932 war er dann als Hilfsrichter beim Amtsgericht Melle angestellt und ab dem 1. April 1932 bis zum 8. September 1945 als Richter beim Amtsgericht Melle beschäftigt, bevor er durch die Militärregierung entlassen wurde. Avenarius war von 1932 bis 1945 Kreisdeputierter bzw. stellvertretender Vorsitzender im Kreisverwaltungsgericht im Kreis Melle. Ab 1939 bis 1943 unterrichtete er als Hilfslehrer in der Landwirtschaftsschule in Melle und von 1943 bis 1944 war er Hilfslehrer in der Kreisberufsschule Melle. Ab Oktober 1944 bis 1945 war Avenarius Zugführer beim Volkssturm und Truppführer zur Bergung und zum Aufräumen nach Luftangriffen.
NSDAP-Mitglied, SA-Reserve, Scharführer und Sturmschulungsleiter, Kreisschulungsredner
Avenarius war NSDAP-Mitglied (Mitglieds-Nr. 2846000) seit dem 1. Mai 1933 und bei der SA-Reserve von 1933 bis 1945. Er war Scharführer und Sturmschulungsleiter sowie Mitglied des NSRB (NS.-Rechtswahrerbund) seit April 1933. Sein Amt: Stützpunktleiter, später Leiter des Gemeinschaftswerkes, NSV(Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) seit dem 1. April 1934, RDB (Reichsbund der deutschen Beamten) seit dem 1. April 1936 und VDA (Volksbund für das Deutschtum im Ausland) seit dem 1. Januar 1938, Amt: Bezirksleiter für die Kreise Melle und Wittlage seit dem 10. März 1938. In einem Schreiben an den Landgerichtspräsidenten in Osnabrück vom 28. Februar 1937 versuchte er seine Mitgliedschaft bei der NSV und im Luftschutzbund möglichst weit zurückzudatieren. Seine Ehefrau gehörte der Frauenschaft seit dem 31. Mai 1933 an.
Avenarius war NSDAP-Kreisschulungsredner und SA-Schulungsleiter ab dem 1. Mai 1933. Außerdem ist er aus der Kirche ausgetreten. Laut dem Berufungsausschuss für die Entnazifizierung im Regierungsbezirk Osnabrück am 19. Januar 1949 war er durch seinen Kirchenaustritt und die innegehabten Ämter als eifriger Unterstützer des Nationalsozialismus anzusprechen. 1939 erhielt er Urlaub zur Teilnahme am Rechtswahrertag in Leipzig. Ein im gleichen Jahre erteilter Urlaub zur Teilnahme am Stapellauf des Panzerkreuzers I in Bremen wurde widerrufen. Im Jahre 1941 bekam er Urlaub zur Teilnahme an einem Lehrgang der SA-Gruppenschule in Etelsen.
Nach Kriegsende Kabellegen und Hilfsarbeiter (Bau- und Erdarbeiten), Büroarbeiten
Ab dem 3. Juni 1945 bis 15. Juli 1945 wurde er von der Militärregierung zum Kabellegen eingesetzt und danach war er bis zum 31. Dezember 1945 bei der Fa. Becker in Melle als Hilfsarbeiter mit Bau- und Erdarbeiten beschäftigt. Seit dem 1. Juni 1946 erledigte er Büroarbeiten bei der Fa. Gebr. Frye, Melle.
Zweifelhafte Urteile in Strafsachen gegen Polen
Der Entnazifizierungsausschuss im Regierungsbezirk Osnabrück hatte am 15. Oktober 1946 nach eingehender Prüfung der Unterlagen empfohlen, dass Avenarius aus dem Justizdienst entfernt werden sollte. Bereits der Landgerichtspräsident in Osnabrück erwähnte in einem Beurteilungsbericht vom 10. Juli 1942 einmal, dass Avenarius in Strafsachen gegen Polen Urteile gesprochen habe, die zu beanstanden waren. Der Entnazifizierungsausschuss Osnabrück hat dann jedoch am 5. November 1948 festgestellt, dass Avenarius entlastet sei und in die Kategorie V eingestuft wurde.
Spielleiter Waldbühne Melle und Förderer des Schützenvereins
Nach dem Krieg lebte Avenarius mit Ehefrau Eugenie, geborene Müller-Kasanenko, und 3 Kindern in Melle, Plettenbergerstr. 23, war viele Jahre Spielleiter der Waldbühne Melle und Förderer des Schützenvereins. Als Richter und Laiendarsteller war der Schützenkönig von 1932/33 geradezu prädestiniert für die Verhandlungen der Spaßveranstaltung „Schützengericht“.
Richter in Aurich und Oldenburg, später Schöffen- und Jungschöffengericht in Osnabrück
Avenarius war ab 1949 wieder in seinem Beruf zunächst in Aurich und Oldenburg tätig, bis er beim Schöffen- und Jugendschöffengericht in Osnabrück 6 Jahr tätig wurde. Im September 1955 konnte er als Amtsgerichtsrat wieder nach Melle zurück. Er setzte sich besonders für Umbau und Renovierung des Sitzungssaales ein, der nicht mehr den Anforderungen genügte. Das „Meller Kreisblatt“ war von dem Ergebnis schier begeistert und titelte befremdlich, es sei nun „beinahe eine Lust, auf der Anklagebank zu sitzen“. Avenarius ist am 9. September 1956 nach einer Leistenbruch-Operation unerwartet infolge einer Lungenembolie in Melle verstorben. Aufgebahrt wurde er im neuen Sitzungssaal des Amtsgerichts. Zahlreiche Meller säumten den Trauerzug zum Friedhof.
Ausgewählte Quellen:
- NLA Osnabrück, Rep 980, Nr. 24280.
- Neue Osnabrücker Zeitung vom 05.06.2020, Autor: Uwe Plaß „Der Meller Jurist Avenarius: Schauspieler, Schützenkönig, Nazi“













