Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.
Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.
Vorschau auf das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern
mit persönlichen Einschätzungen von Janis Weber, Lars Mosel und David Mosel
Am 11. Spieltag treffen am Samstag, dem 7. November 2026, um 13 Uhr mit dem VfL Osnabrück und dem 1. FC Kaiserslautern zwei Traditionsklubs aufeinander, deren Tabellensituation einiges an Brisanz verspricht. Der FCK belegt derzeit den vierten Platz, musste aber am vergangenen Spieltag beim 0:3 zu Hause gegen Hertha BSC einen herben Dämpfer hinnehmen. Der VfL steht auf Platz zehn und musste in Wolfsburg eine nicht unerwartete 0:2-Niederlage hinnehmen. Am Samstag droht Kaiserslautern bei einer weiteren Niederlage, den Anschluss an die Aufstiegsplätze zu verlieren, während die Lila-Weißen im ungünstigsten Fall sogar auf den 18. Platz abrutschen könnten. Die zweite Niederlage in Folge gilt es für beide Mannschaften also dringend zu vermeiden. Selbstverständlich eine Floskel, aber halt wahr.
Bemerkenswert an der bisherigen Saison der Roten Teufel ist, dass der starke Torwart Julian Krahl erst sieben Gegentore kassiert hat. Und die verteilen sich auf nur drei Spiele. Ausschließlich beim Sieg auf St. Pauli (2:1) und bei den Niederlagen in Magdeburg (0:3) und gegen Hertha (0:3) musste Krahl hinter sich greifen. In Wolfsburg (0:0), gegen Karlsruhe (0:0), gegen Darmstadt (3:0), gegen Braunschweig (1:0), in Heidenheim (0:0), gegen Bochum (2:0) und in Nürnberg (1:0) blieben die Pfälzer ohne Gegentor. Sieben „weiße Westen“ nach zehn Spielen sind schon beeindruckend. Bei einem Torverhältnis von 9:7 wird allerdings auch deutlich, dass der FCK bislang keinen Fußball bietet, der viel Spektakel verspricht.
Dagegen lässt sogar das Osnabrücker Torverhältnis von 14:17 auf spektakulären Fußball schließen: Mit insgesamt 31 Treffern fallen in VfL-Spielen fast doppelt so viele Tore wie in denen des FCK (16). Dass wir Fans uns über zu viel Spektakel auf dem Platz beschweren, wäre allerdings auch neu. Dafür ist die Grundeinstellung zu defensiv, die den VfL zum Klassenerhalt führen soll.
Wenig überraschend steht bei keinem der beiden Teams ein Spieler in der Spitzengruppe der Torjäger. Während Robin Meißner für den VfL bereits vier Treffer erzielen konnte, ist Erencan Yardımcı mit drei Toren der erfolgreichste Lauterer Torschütze. Beide Mannschaften kommen sozusagen über die mannschaftliche Geschlossenheit.
Diese ergibt sich allerdings nicht gerade aus dem Willen, den Ball selbst zu haben: Kaiserslautern steht mit 46 % Ballbesitz auf dem 15. Platz, der VfL mit 41 % weiterhin auf dem 18. Platz. Auch die Passquote ist bei beiden Teams erstaunlich schlecht: Mit jeweils 77,7 % teilen sie sich den letzten Tabellenplatz. Deutlich stärker ist der VfL dagegen bei der Laufdistanz. Mit 1.222,5 Kilometern belegt er den dritten Platz, während der FCK mit gerade einmal 1.164,6 gelaufenen Kilometern nur auf Rang 14 steht.
Da beide Mannschaften auch bei den Torschüssen mit 129 (VfL) und 139 (FCK) auf dem 14. beziehungsweise 13. Platz nah beieinanderliegen, ist zumindest statistisch kaum auszumachen, warum Kaiserslautern als Aufstiegsanwärter gilt und der VfL den Klassenerhalt anpeilt.
In den bisherigen elf Duellen konnte der VfL erst drei Siege einfahren, spielte einmal unentschieden und verlor gleich siebenmal. In den vergangenen zehn Jahren sieht die Bilanz aber etwas freundlicher aus. In der 3. Liga gewannen die Osnabrücker in der Saison 2018/19 unter Daniel Thioune beide Spiele und legten den Grundstein für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Insbesondere der 3:1-Sieg auf dem Betzenberg am 24. März 2019 mit Doppeltorschütze Sankt Tigges ließ die Mannschaft unverwüstlich erscheinen. Alle Osnabrücker glaubten an den Aufstieg.
Das genau gegenteilige Bild ergab sich dann in der Saison 2021/22 nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga: Beide Spiele gingen ohne eigenes Tor verloren (0:2 in Lautern, 0:1 zu Hause).
Danach begegnete man sich noch zweimal in der 2. Bundesliga: am 1. Oktober 2023 an der Bremer Brücke, wo Lennart Grill zwar zwei Elfmeter hielt, der VfL den Ausgleich aber durch ein unglückliches Eigentor von Diakhité hinnehmen musste, der verletzt war und den Arm in einer Schlinge trug. Im Rückspiel auf dem Betzenberg ging der VfL zwar zweimal in Führung, aber das 2:3 passte irgendwie zur Abstiegssaison der Osnabrücker.
Der Blick auf die Marktwerte beider Mannschaften zeigt wie jede Woche deutliche Unterschiede. Während der VfL mit 13 Mio. Euro weiterhin auf dem letzten Platz verweilt, liegt der FCK mit 35,15 Mio. Euro auf Rang fünf. Im Vergleich zum letzten Gegner Wolfsburg ist das allerdings fast nichts. Der hatte immerhin einen Kaderwert von 94,80 Mio. Euro.
Auf’m Platz
Kaiserslautern spielt unter Trainer Torsten Lieberknecht aus einer stabilen Defensive mit Fünferkette und dem unumstrittenen Abwehrchef Maxwell Gyamfi. Gyamfi, in Osnabrück noch als einer der Protagonisten von „90+6“ bekannt, ist in dieser Saison in bestechender Form. In Osnabrück wird er allerdings gelbgesperrt fehlen. Es wird interessant sein, wie die Roten Teufel spielen, wenn ihr Abwehrchef erstmals in dieser Saison nicht dabei ist.
Die Fünferkette dürfte im Zentrum mit Elvedi, Murphy und Robinson sowie auf den Außenbahnen mit Haas und Joly besetzt sein. Davor werden wohl Şahin und Sauer als Sechser auflaufen.
In der Offensive soll Luković von Tazemeta und Skyttä in Szene gesetzt werden. Für Luković könnte aber auch der bisher treffsicherste Stürmer Yardımcı auflaufen, während der umtriebige Kanaté unsere Verteidiger vor Probleme stellen könnte.
Und dann wäre da natürlich noch Marlon Ritter, der derzeit allerdings nicht über eine Jokerrolle hinauskommt. Ritter ist als Aggressive Leader und Dauerprovokateur bei gegnerischen Fans verhasst. Seine Provokationen dürften bei den VfL-Spielern jedoch wenig Wirkung zeigen. Auch fußballerisch ist der nur 1,74 Meter große Mittelfeldspieler in dieser Saison nicht wirklich aufgefallen.
Gästeanhang
Kaiserslautern verfügt über eine große Anhängerschaft, die nicht nur den Gästeblock komplett füllen, sondern ihre Mannschaft auch konsequent und lautstark nach vorne peitschen wird. Probleme gab es an der Bremer Brücke mit den Fans der Roten Teufel bislang nicht, und auch in diesem Jahr ist das nicht zu erwarten. Vielmehr darf man sich auf ein stimmungsvolles Spiel freuen, zumindest was die Fankurven angeht. Wenn die Spieler dann noch den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen lassen, steht einem Fußballfest eigentlich nichts mehr im Wege.
Prognose Lars Mosel (Osnabrücker Rundschau)
Der VfL ist unter Timo Schultz nicht gerade für Spektakel bekannt, und die Roten Teufel kassieren wenige Gegentore, liefern nach vorne aber auch nicht viel ab. Eigentlich spricht fast alles für ein langweiliges 0:0.
Es kommt aber zumindest ergebnistechnisch anders, da der FCK den Ausfall von Abwehrchef Gyamfi nicht verkraften kann. Nach einem Steckpass von Beck auf Meißner umkurvt dieser nach eher langweiligen 60 Minuten Torhüter Krahl und schiebt direkt vor der Ostkurve ein. Da Kaiserslautern mit Rückständen nicht umgehen kann, laufen die Gäste planlos an. Fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit kommt Riesselmann endlich zu seinem ersten Zweitligator. Der VfL belohnt sich zum zweiten Mal nacheinander in einem Heimspiel für seinen neu entdeckten Mut und baut den Abstand zu den Abstiegsrängen aus.
Prognose Janis Weber (Podcast Ostkurvenchor)
Stärken, Schwächen und Spielweise beider Mannschaften versprechen für Samstag nicht gerade Zauberfußball. Daran ist das Osnabrücker Publikum glücklicherweise schon gewöhnt: Nach einer wirklich schwachen ersten Halbzeit ertönen keine Pfiffe, die Fans bleiben geduldig. Und das wird belohnt: Der VfL entscheidet das hart umkämpfte Spiel am Ende durch einen Treffer von Ismail Badjie knapp mit 1:0 für sich.
Prognose David Mosel (Podcast Osnabrücker Rundschau)
Nach der Niederlage in Wolfsburg steht dem VfL am Samstag eine echte Abwehrschlacht bevor. Mit Kaiserslautern kommt die aktuell beste Abwehr der Liga an die Bremer Brücke. Trotz des jüngsten 0:3 gegen Hertha und der Sperre unseres Exspielers Maxwell Gyamfi erwarte ich ein sehr diszipliniertes Defensivspiel mit wenigen Tormöglichkeiten auf beiden Seiten.
Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir die Punkte an der Brücke behalten werden. Wiemann wird nicht nur durch sein Siegtor nach einer Ecke von Konrad Faber in der 68. Minute zum Matchwinner, sondern auch durch sein starkes Zweikampfverhalten während des gesamten Spiels.
Auch Krumrey muss man hervorheben: Er pariert mehrfach stark und zeigt damit, dass er nach kleinen Startschwierigkeiten endgültig in Osnabrück angekommen ist.
Kein fußballerischer Leckerbissen, dafür ein leidenschaftlicher Auftritt und drei ganz wichtige Punkte an der Bremer Brücke. 1:0-Heimsieg!












