Der Osnabrücker Anteil an der neuen bundesweiten Jugendbewegung wird laut
Vergangenen Samstag, den 31.10.2026, fand unsere Kundgebung am Ledenhof statt. Von verschiedenen Personen wurden 120-140 Teilnehmende gezählt. Ich schildere dies aus meiner Sicht als Organisatorin und im Namen unseres Teams. Unter dem Motto “Laut für die Jugend” wurden mehrere in der öffentlichen Diskussion umstrittene Punkte mit insgesamt neun Redebeiträgen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angesprochen. Diese Punkte waren vor allem Kritik an der aktuellen Politik. Mit nicht wenig Leidenschaft und auch etwas aufgestauter Frustration sprachen meine Mitstreiter und ich von maroden Schulen, den immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten, fehlendem Klimaschutz, Kriegstreiberei und der Untätigkeit der Regierungsorgane.
Aber wer sind wir eigentlich?
Wir sind „Laut für die Jugend“, eine in Osnabrück begründete Jugendgruppe. Entstanden sind wir in kleinem Kreis, auf einem kleinen Sofa, mit einer gemeinsamen Überzeugung. Und diese Überzeugung hat uns dazu gebracht, die Kundgebung in weniger als einer Woche auf die Beine zu stellen. Sie hat uns dazu gebracht aufzustehen und für unsere Zukunft einzustehen. An einem Wochenende, dazu an einem Feiertag, gibt es weit weniger Anreize eine solche Versammlung zu besuchen, noch weniger sie zu planen. Und trotzdem haben wir es getan, weil uns das Thema wichtig ist.
Angefangen haben wir natürlich mit einer Begrüßung, die meiner Ansicht nach von den Teilnehmenden gut aufgenommen wurde. Der Zuspruch, vor allem in Form von Applaus, begann zwar etwas zaghaft, wurde jedoch mit jedem Beitrag lauter und enthusiastischer. Der erste Redebeitrag richtete sich direkt an unseren Bundestag, dass dort eher gestritten als diskutiert würde und wichtige Entscheidungen aufgeschoben werden. “Einigkeit und Recht und Freiheit sind der Regierung scheißegal” ist das wohl prägnanteste Zitat aus der Rede.
Danach erzählte Maluna von steigenden Kosten und finanziellen Problemen. Sie machte sich stark, indem sie von ihren eigenen Erfahrungen erzählte. Der dritte Beitrag kam von Larina, die von den Bedingungen in den Schulen berichtete. “Trotzdem wird bei schlechten Noten oft zuerst gefragt, was die Schülerinnen und Schüler falsch gemacht haben. Viel zu selten wird gefragt, ob das System überhaupt die Voraussetzungen schafft, damit alle eine faire Chance haben.“ beklagt sie.
Und nach diesem Beitrag folgte eine kleine Pause und wir stellten ein Konzept für die Kundgebung vor: Ein Kollektiv an Kreidebildern. Mit bereitgestellter Kreide haben wir den Teilnehmenden angeboten, ihre Wünsche und Forderungen auf den Asphalt zu schreiben, um, wenn auch temporär, ein friedliches Zeichen zu setzen. Und tatsächlich: Es haben weit mehr Leute mitgemacht, als wir zuerst erwartet haben, was uns natürlich unheimlich gefreut hat. ”Kein Blut für Öl”, “Kapitalfreie Gesellschaft” und schlichtweg “Frieden”, um ein paar Beispiele zu nennen. Gerade diese Idee scheint sehr gut bei den Anwesenden angekommen zu sein.
Es folgte ein weiterer Beitrag über die Lebenshaltungskosten und die Erwartungen an die junge Generation. “Aber warum sollten wir schuften für ein System, das uns nichts zurückgibt?” War der Hauptkritikpunkt. Warum sich für einen Staat einsetzen, der sich nicht für uns einsetzt? Ein weiterer Punkt, für den sich nicht genug eingesetzt wird, ist der Klimaschutz. Und genau darum ging es in den zwei folgenden Reden. “Wir wollen dieses Leben auf einem bewohnbaren Planeten verbringen, nicht in einer Welt, die kollabiert, weil die Generationen vor uns weggeschaut haben.” Die Rednerin spricht über Zukunftsängste und darüber, dass uns die Zeit davonläuft. Der darauffolgende Beitrag von Fridays For Future bestärkte die Wichtigkeit des Themas noch mehr.
Der letzte offizielle Redebeitrag handelte von Kriegen und Wehrpflicht. “Wir wollen lernen, studieren, reisen, und unser Leben selbst gestalten. […] Und nicht überlegen müssen, ob wir irgendwann gezwungen werden, eine Waffe in die Hand zu nehmen,“ führt die Rednerin aus. Sicherheit sei kein Thema, das mit Soldaten geregelt werden müsse. Als Beispiel kam der Bezug auf Osnabrück selbst. Dass in der Friedensstadt Teile für ein Raketenabwehrsystem gebaut werden soll ist ein heikles Thema, das wir nicht auslassen wollten.
Zum Abschluss kam der Punkt, um den wir uns wohl am meisten Gedanken gemacht haben. Das gemeinsame Singen eines Protestsongs. Dieser war “Hanging Tree”, bekannt aus dem Film ‘Tribute von Panem’. Und entgegen unserer Befürchtungen haben sich auch hier viele Menschen unserem kleinen Chor angeschlossen. Es ist eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit entstanden in diesen paar Minuten, die sicherlich nicht nur uns etwas Gänsehaut beschert hat. Mit dem Abschluss des Liedes endete dann auch die Veranstaltung.

Wir sind der Meinung, dass sie ein voller Erfolg war, auch wenn für eine ‘Jugend’-Kundgebung erstaunlich wenig Jugendliche vor Ort waren. Es blieb friedlich, und das konstant. Auch wenn die Polizei vor Ort war, musste sie nicht ein einziges Mal eingreifen. Umso mehr freut uns natürlich die Anwesenheit aller, die dort waren. Denn das zeigt Solidarität und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, die nicht auf Altersgruppen begrenzt, sondern von gemeinsamem Interesse geleitet ist.
Unser Ziel ist eine bessere Zukunft für alle. Eine lebenswerte Welt zu schaffen. Wir wollen, dass in der Politik endlich Entscheidungen getroffen werden, die wirklich etwas bewirken anstatt welche, die nur von eigentlichen Problemen ablenken. Wir wollen friedlich sein, aber so beharrlich und so viele, dass wir nicht mehr ignoriert werden können. Am Samstag haben wir das metaphorische Feuer entzündet, jetzt müssen wir es am Brennen halten. Denn das war keine einmalige Aktion, wir werden weitermachen, bis man uns zuhört. Daher bauen wir uns auch gerade eine Social Media-Präsenz auf.
Zwei Anmerkungen der Redaktion:
- Die Jugendlichen haben am Samstag ihre Anliegen in beeindruckender Weise vorgebracht. Eins ist, wie oben erwähnt, die Forderung nach Gehör. Was liegt also näher, als die Jugendlichen selbst zu Wort kommen zu lassen? Das soll hiermit geschehen, auch wenn nicht alles im Beitrag Erwähnte den Überzeugungen der Redaktion entspricht.
- Die Gastautorin zog es vor, nicht namentlich genannt zu werden. Ihr Name ist der Redaktion jedoch bekannt.












