Wenn Trumps Lakaien die Rechnung bekommen
Die Demokraten erobern republikanische Hochburgen, Elon Musk versenkt ein Vermögen und Donald Trump entdeckt nach einer krachenden Wahlnacht, dass er mit alldem eigentlich gar nichts zu tun hat.
Ich habe die vergangene Nacht größtenteils im Bett verbracht, allerdings nicht schlafend, sondern streamend. Schließlich wollte ich mir nicht entgehen lassen, wie das amerikanische Wahlvolk Donald Trump und seinen republikanischen Hofstaat mit den Unannehmlichkeiten der Demokratie konfrontiert.
Zunächst versuchte ich es mit Phoenix. Die Berichterstattung fand ich allerdings derart dürftig und streckenweise so steif übersetzt, als müssten amerikanische Wahlergebnisse erst von einer deutschen Amtsstube beglaubigt werden. Also wechselte ich zu CNN und zur NY Times. Dort konnte ich wenigstens verfolgen, wie sich die republikanischen Gesichter mit jeder neuen Hochrechnung verlängerten.
Und das hatte durchaus großen Unterhaltungswert. Sobald alles in trockenen Tüchern ist, werde ich die Überschrift in „Make America Democratic Again“ ändern.
Willkommen bei Make America Lose Again!
Ich muss gestehen, dass ich Donald Trump selten so schnell habe denken sehen wie in dieser Wahlnacht. Kaum zeichneten sich die drastischen Niederlagen seiner Republikaner ab, fiel ihm plötzlich ein, dass er ja selbst gar nicht zur Wahl gestanden habe. Zuvor hatte er seine Fanbase aufgefordert, so zu wählen, als stünde er persönlich auf dem Stimmzettel. Vor der Wahl war er der Mittelpunkt des Universums, danach nicht einmal mehr Teilnehmer der Veranstaltung.
Die Demokraten haben inzwischen den Senat zurückerobert und auch das Repräsentantenhaus, wo sie deutliche Zugewinne erzielt haben. Selbst republikanische Hochburgen wie Texas, South Carolina und Kansas erlebten politische Machtwechsel.
In Michigan musste sich der muslimische Demokrat Abdul El-Sayed eine widerwärtige Hetzkampagne gefallen lassen. Trump bezeichnete ihn als „Dschihadisten“, seine Gefolgsleute rückten ihn ohne Belege in die Nähe des Terrorismus. So sieht offenbar christliche Nächstenliebe aus. Nun, was soll ich sagen? Der Terrorist, also Trump, hat verloren.
Historisch ist der Triumph von Keisha Lance Bottoms in Georgia. Als erste schwarze Frau überhaupt wird sie Gouverneurin eines US-Bundesstaates. Ihr republikanischer Gegenkandidat hatte ein Vermögen in den Wahlkampf gesteckt. Geld weg, Amt weg! Und ausgerechnet eine schwarze Demokratin übernimmt in Georgia die Regierung. Herrlich …
Elon Musk – Millionen für die Katz
Elon Musk pumpte bis Mitte Oktober bereits 366 Millionen Dollar in den Wahlkampf. Genützt hat es den Republikanern herzlich wenig.
Vielleicht sollte Musk sein Geld künftig direkt auf den Mars schießen. Dort gibt es wenigstens keine Wähler:innen, die seine Investitionen durchkreuzen.
Ein Präsident, der alles weiß … außer Bescheid
Was mich bei Trump immer wieder fasziniert, ist die geradezu unerschütterliche Selbstgewissheit, mit der er sein politisches Halbwissen zur Weltweisheit erhebt.
Sein öffentliches Vokabular scheint aus einer Handvoll Superlativen, einem ekligen Fäkalienwortschatz, primitivsten Beschimpfungen und seinem eigenen Namen zu bestehen. Was er nicht weiß, erklärt er zur Lüge. Was er nicht versteht, zur Verschwörung. Und was er selbst sagt, ist selbstverständlich genial.
Bei diesem Präsidenten kann man gelegentlich den Eindruck gewinnen, Bildung sei eine gefährliche linke Ideologie, gegen die dringend neue Strafzölle verhängt werden müssten.
Und seine Gefolgschaft? JD Vance, Mike Johnson, Stephen Miller und die übrigen Hofschranzen haben aus politischer Unterwürfigkeit eine Karriere gemacht. Vance hat seine einstige Trump-Kritik entsorgt, Johnson verteidigt dessen politische Agenda, und Miller liefert die passenden Feindbilder. Von Trumps widerlicher Mischpoke gar nicht zu reden.
Ein Präsident, der seine eigene Großartigkeit verkündet, umgeben von Leuten, die ihm bestätigen, dass er damit noch maßlos untertreibt. Ein Perpetuum mobile narzisstischer Selbstbeweihräucherung eines Präsidenten mit histrionischer Persönlichkeitsstörung.
Der verbrecherische Präsident als Sittenwächter
Besonders grotesk wird es allerdings, wenn Trump und seine frömmelnden Gefolgsleute scheinheilige Moral predigen. Der Mann wurde in New York in 34 Straftatbeständen der Fälschung von Geschäftsunterlagen schuldig gesprochen. In einem Zivilprozess wurde er zudem wegen sexuellen Missbrauchs an E. Jean Carroll haftbar gemacht. Hinzu kommen seine dokumentierten Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und schwere Missbrauchsvorwürfe gegenüber minderjährigen Mädchen, die Trump bestreitet.
Ausgerechnet dieser Mann möchte anderen Menschen erklären, wie sie zu leben, zu lieben und ihre Kinder zu erziehen haben. Bei seinen Gegner:innen genügt ein falsches Wort für einen moralischen Weltuntergang.
Während Millionen Amerikaner:innen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, beschäftigt sich Trump mit goldener Selbstdarstellung, großspurigen Versprechungen und der nächsten vermeintlichen Verschwörung.
Der teuerste Denkzettel der Welt
Was mich an dieser Wahlnacht besonders amüsiert, ist die Erkenntnis, dass sich eben doch nicht alles kaufen lässt. Man kann Milliarden in Wahlkämpfe pumpen, soziale Netzwerke besitzen, politische Gegner beschimpfen und sich mit einer ganzen Armee professioneller Speichellecker umgeben.
Dummerweise gibt es in einer Demokratie gelegentlich einen Tag, an dem das Volk selbst gefragt wird. Trump bleibt Präsident, Musk bleibt märchenhaft reich, und die amerikanische Demokratie ist damit noch lange nicht gerettet. Leider.
Vielleicht sollten Trump, Musk und ihre Lakaien tatsächlich gemeinsam auf den Mars auswandern. Keine kritische Presse, keine Opposition und vor allem kein lästiges Volk. Und sollte Trump selbst dort irgendwann eine Wahl verlieren, würde er vermutlich behaupten, er sei überhaupt nie auf dem Mars gewesen.
Ich gehe nun ins Bett und werde vorsichtshalber nicht vom Weltall träumen. Und falls mir Trump doch erscheint, schalte ich sofort auf CNN um. Dort verliert er wenigstens im Minutentakt …












