Pohlmann statt Baerbock?
Links-grün versiffte Anklageschrift gegen schlafraubende Hasspost-Attacken
Wie oft habe ich mir als längst in die Jahre gekommener Rundschau-Igel vorgenommen, keine einzige Sekunde meines Lebens mehr auf die niveaulose Hasepost und ihren „Chefredakteur“ Heiko Pohlmann zu verschwenden! Gerade Igel riskieren bei jäh unterbrochenem Winterschlaf hohen Blutdruck und somit unnötige Aufregung und verballerte Lebenszeit.
Weil es aber, zumindest rein theoretisch und wider aller Vernunft, irgendwo im Universum versprengte Zweibeiner mit messbarem Verstand geben könnte, die Pohlmanns stereotype Hasstiraden auf woke Gutmenschen ernsthaft lesen, komme ich tatsächlich nicht umhin, die als Wärmefutter virtuell entsorgte Hasepost trotzdem wieder auseinanderzufalten und dadurch freiwillig zu frösteln. Schaurig!
Keine Winterschlafpause verdient hätte eigentlich …
… Pohlmanns Kommentar „Die Osnabrücker Schuldenuhr dreht sich 2026 immer schneller“. Aber da ich schon mal wach bin: Seine gewohnt primitiven Wutausbrüche gegen den „‚Wahlbetrug‘ des ‚Noch-Bundeskanzlers‘ Friedrich Merz“ ermüden nur noch.
Was auch immer Trump-Fanboy Pohlmann dazu bewogen haben mag, mit seiner alten CDU-Liebe gebrochen zu haben, um mittlerweile sämtliche Brandmauern einzureißen, bleibt sein Geheimnis und soll es auch bleiben.
Seine Realitätswahrnehmung ist längst dermaßen eingeblaut, dass der aktuelle Kanzler in Pohlmanns Welt sogar „mit Unterstützung der radikalen Linken ins Kanzleramt“ gewählt worden sei. Bundestagsprotokollanten und Medienberichterstatter raufen sich nur noch die Haare. Haben sie etwas verpasst? Was macht Pohlmann, wenn er seine geliebten Privatsender guckt oder rechte Social-Media-Plattformen und Online-Hetzportale wie NIUS in sich aufsaugt?
Zumal der Hasspostler seiner Ex-Liebschaft auch noch eine Frage andichtet, die dermaßen dämlich ist, dass man sie hier kommentarlos stehen lassen könnte. So tönt es im blauen Kanal: „Wieso sollten konservative Wähler noch CDU wählen, wenn sie dann doch linke Politik und womöglich sogar Kooperationen mit der SED-Nachfolgepartei bekommen?“
Merz also als Garant linker Politik? Man möge mal verzweifelte SPD-Koalitionspartner*innen, Gewerkschaften, NGOs oder Sozialverbände fragen, wo zum Teufel sie so etwas auch nur ansatzweise wahrnehmen. Selbst in der OR-Redaktion wagt man es nicht einmal, davon auch nur zart zu träumen. In der Tat: Es gibt sie also womöglich doch, diese obskuren Parallelwelten, in denen sich Pohlmänner wie freie Radikale in der Trotzphase ohne Sinn und Verstand austoben können.
Kurzum: Liebhaber alter Schallplatten können sich bestimmt noch daran erinnern, wenn die LP einen Sprung hatte und ständig ein und dieselbe Sequenz wiederholt wurde. Bis man aufsprang und spätestens nach dem zweiten oder dritten Mal die Platte auf Nimmerwiedersehen im Müll landete.
Ein Großmeister im stumpfsinnigen Wiederholen abgedroschener Phrasen ist natürlich auch Ex-BOB-Pressesprecher Wolfgang Niemeyer, wenn er in „Mösers Meinung: Über Dönersteuern“ zum hunderttausendsten Mal mit ungebremstrem Schaum vorm Mund gegen Rot-Grün geifert. Die wollen doch tatsächlich die tonnenweise Mülleimer überfüllenden Mc-Donald-Verpackungen besteuern und darüber hinaus fatalerweise mehr Radwege als Autospuren bauen. Auch diese stupide Dauerschleife aus der niveaulosen Echo-Kammer rechtspopulistischer Medien hätte im Igelleben niemals eine Unterbrechung des Winterschlafs nötig gemacht. Einfach einrollen, Kopf schüttteln und gut ist’s …
Pohlmann als Völkerrechts- und Lateinamerika-Experte
Was mir allerdings meinen Winterschlaf endgültig zunichtegemacht hat, war der Hasepost-Kommentar „¡Libertad! statt Völkerrecht – Venezuela feiert!“. Nicht ganz neu, aber nun offen zutage tretend, ist Pohlmanns Heldenverehrung für Donald Trump.
Denn der ist mit Armee- und CIA-Unterstützung einfach mal so in ein unabhängiges Land wie Venezuela eingefallen, hat den Regierungschef samt Gattin entführt und der Welt danach verkündet, den Staat an Stelle der beiden Knackis demnächst persönlich regieren zu wollen. Wer sich hier pohlmännisch quälen will, darf gern das Originalpamphlet studieren.
Pohlmanns Tirade gegen alles Linke dieser Welt beginnt übrigens mit einem Gedankensprung, der absolut nichts mit dem weiteren Thema zu tun hat. Offenbar ist der Medienexperte eben auch nur ein Mensch und muss täglich lange aufgestauten Frust rauslassen. Denn die Hasepost-Einleitung wiederholt im schnellen Abklatsch Pohlmanns Dauerwut gegen Deutschlands Ex-Außenministerin Annalena Baerbock. Bekanntlich ist sie aktuell immerhin Präsidentin der UN-Vollversammlung in New York, schlimmer noch: Sie ist eine Frau. Originalton des Hasepost-Ideologen:
„Das ‚Völkerrecht‘ erweist sich als erstaunlich zugängliche Disziplin – zumindest für manche, wie die überschaubare Vita Annalena Baerbocks zeigt. Die hat es mit Vordiplom der Uni Hamburg und einem einjährigen Abstecher an die gebührenintensive London School of Economics immerhin bis ins Außenministerium und später in die UN-Zentrale geschafft.“
Zum tausendfach widerlegten Male wiederholt Pohlmann damit die vor allem in gesichert rechtsextremen Kreisen weitererzählte Sage über die unqualifizierte Annalena Baerbock. Zur Wahrheit: Annalena Baerbock hat in Hamburg und London studiert und ihr Studium an der London School of Economics mit einem Master of Laws in Public International Law abgeschlossen. Die herausragenden Studienleistungen in Hamburg waren zuvor eine Voraussetzung für die Aufnahme an der Londoner Elite-Ausbildungsstätte gewesen, wo sie bis 2013 den Abschluss im Master of Law LL.M. machte.
Aber wie sollen Hasepost-Ideologen mit kiloweise Wutschaum vor den Augen so etwas sehen und dann auch noch verstehen? Üben wir deshalb Nachsicht! Ob Möchtegernbildungsbürger Pohlmann insgeheim einen weit höherwertigen Abschluss als irgendwas mit Medien besitzt, bleibt dahingestellt.
Wer begrenzte Wahrnehmungsmöglichkeiten wie der Hasepost-Frontkämpfer besitzt, für den reicht es offenbar sogar aus, auf einen – verschämterweise ungenannten – Chefredakteur der Osnabrücker Rundschau einzudreschen, weil sich dieser tatsächlich erdreistet hat, bei Trumps Militärschlag von völkerrechtswidrigem Verhalten zu sprechen, und das obwohl er doch nur den Hamburger Taxischein aus jungen Jahren vorzuweisen hat. Gemeint ist übrigens Kalla Wefel, da in der Igelpost und OR stets Klarnamen genannt werden. Wir haben nichts zu verschweigen.

Aber dennoch danke, Pohlmann, für diese Ehrerbietung gegenüber der OR als seriöser Instanz für das Völkerrecht. Wären wir selbst nie drauf gekommen. Echt jetzt.
Pohlmanns ganz besondere Weltwahrnehmung

„Kommen dem geneigten Leser die Methoden, mit denen der Sozialist Maduro sich selbst an der Macht und die Opposition klein hielt, vielleicht bekannt vor? Notverordnungen, Aufhebung der Immunität von Oppositionspolitikern und Trickserei bei der Zulassung von Gegenkandidaten? Es klingt wie aus dem Lehrbuch der europäischen Linksparteien – ob daher die Sympathie mit dem Maduro-Regime rührt?“
Aha. In Pohlmanns Wellt wollen also – ganz im Gegensatz zu Trump in den USA, Orban in Ungarn oder Meloni in Italien – ausgerechnet Linke die Demokratie einschränken? Angeblich herrsche dort „Sympathie mit dem Maduro-Regime“. Irre, was man alles fantasieren kann.
Wer soll noch gekidnappt werden?
Folgte man im Ernst dieser kruden Logik, müsste jetzt postwendend Rambo-Sheriff Pohlmann exakt seinem Vorbild Trump folgen und von staatlichen Stellen lauthals fordern, ebenso zu handeln: Entführung und Verhaftung aller Linken, bei uns von Lars Klingbeil bis zu Heidi Reichinnek, in Europa von Pedro Sanchez bis Keir Starmer, in den USA von Bernie Sanders bis zu Barak Obama.
Als müde werdender Igel könnte ich es im Halbschlaf versuchen, Pohlmanns Interpretation des Völkerrechts noch weiter zu spinnen. Werden bald der kubanische Präsident Bermúdez oder gar Brasiliens Lula per Militärschlag entführt? Oder Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo wie ebenso Kolumbiens Staatsoberhaupt Gustavo Petro? Soll jetzt eine US-Invasion in fast ganz Afrika erfolgen, weil dort zweifelhafte Regime an der Macht sind? Von den Fernoststaaten und von Arabien ganz zu schweigen …
Wo überall sind Boote unterwegs, auf denen Trump und Pohlmann Drogenkuriere wittern? Werden Trumps Drohnen als Vorboten des Kidnappings demnächst auf Ungeheuer von Loch Ness, auf Fischerboote in Bensersiel, auf Paddelboote in der Hase oder gar auf Hochzeitsgondeln in Venedig niederprasseln? O Pohle mio!
Wenn Pohlmanns verquaste Gedankenspiele nicht so ernsthaft und demokratiezerstörend wären, könnten selbst Igel dabei lautes Lachen unter den tiefsitzenden Stacheln erlernen, doch bleibt es dort stecken, denn zum Weltkrieg kann es ein recht kurzer Weg sein.
Wenn Pohlmann so richtig Dampf in seiner Vorstellungswelt ablässt, ist das aber beileibe noch nicht alles. Wie traumatisch und schiffbrüchig muss man intellektuell im Dunkeln herumtapsen, um wahnhaft wahrzunehmen, dass angeblich (er schreibt das wirklich!) „Solidarität der politischen Linken für Schurken in Caracas oder Teheran“ bestünde.
Schon mal gehört, Weltexperte ond Kosmopolit Pohlmann, dass auch etliche Linke in Gefängnissen Maduros sitzen und dass iranische Linke schon seit Ayatollah Khomeini von Todeskommandos des Teheraner Mullah-Regimes verfolgt und zu Zigtausenden gefoltert und ermordet wurden?
Auch deshalb will ich mich jetzt auf das Verfasste beschränken und mich nicht unnötig kirre machen. Tippen ist für Igelpfoten eh eine anstrengende Sache. Dringend brauche ich angesichts der aktuellen Schneefälle dagegen meinen Winterschlaf. Wirklich ernsthaft kann sich eh niemand, der die Welt real analysiert und demokratische Gepflogenheiten ernst nimmt, in Pohlmanns hassdurchzogene und substanzlose Gedankenwelt verirren.
Zum Glück gibt es noch seriöse Medien, aus denen man sich über die wirkliche Welt informieren kann. Das beruhigt mich. Und nun gucke ich erstmal die Tagesschau.













