Mittwoch, 12. Juni 2024

15 Jahre Kunsthaus 57 – Sonderausstellung mit Martin Metzdorf noch bis 30.01.2022

Das „Kunsthaus 57“ ist eine private Galerie in einem Reihenhaus auf dem Gelände der ehemaligen General-Martini-Kaserne und erstreckt sich über sage und schreibe 3 Etagen – vom Erdgeschoss bis unter das Dach Bilder, Bilder, Bilder und ein paar Skulpturen, nämlich die von Martin Metzdorf.

Anlässlich des 15jährigen Jubiläums des Kunsthauses 57 habe ich Sabine Witt vor Ort besucht, die mich zusammen mit Martin Metzdorf durch die Ausstellung und das Haus geführt hat – einfach beeindruckend!

Wir haben vorab ein kleines schriftliches Interview geführt, dass ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Kerstin Broszat, Osnabrücker Rundschau: Dieses Jubiläum feiern Sie mit einer Sonderausstellung mit Skulpturen von Martin Metzdorf. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und warum gerade Martin Metzdorf?

Sabine Witt: Wir stellen zu unserem Tag der offenen Tür meistens einen Maler / eine Malerin und Skulpturenkunst aus. Die Maler*innen haben dann in der Regel einen eigenen Raum in unserem Haus, damit sie sich klarer von der ständigen Ausstellung absetzen. Denn das Kunsthaus 57 ist immer bestückt mit Werken verschiedener Künstler*innen aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Etwa 350 bis 400 Kunstobjekte sind zu sehen. Neben der Malerei ist es natürlich auch immer schön, plastische Arbeiten zu präsentieren. Und ich gebe zu, das ist bei Weitem die größere Herausforderung, bezahlbare gute Skulpturen zu finden. Und das ist letztlich der Anspruch des Kunsthauses: Kunst, die man sich (noch) leisten kann. Kunst, die qualitativ wertvoll ist. Kunst, die in den Handel geht. Denn Kunst / Künstler*innen leben vom Verkauf.

Foto: Kerstin Broszat

Da das Kunsthaus in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag hat, und wir auch coronabedingt sehr unsicher waren, ob ein Fest überhaupt möglich ist, haben wir uns ganz bewusst auf unsere eigene „Bilderflut“ beschränkt. Denn Kunst zu sammeln ist eine große Leidenschaft, die man auch nur schwer erklären kann. Ich werde oft gefragt, warum ich denn nicht aufhöre damit. Steht doch schon alles voll! „Ja“, denke ich. „Schluss jetzt. Genug Bilder!“ Und dann laufe ich doch wieder einem Künstler / einer Künstlerin oder einem Kunstwerk über den Weg und lasse mich auf’s Neue begeistern.

Die Zusammenarbeit mit Martin Metzdorf hat sich schon seit Längerem ergeben. Wir haben Kunstprojekte mit inklusiv beschulten Kindern durchgeführt. Nebenbei habe ich Martin Metzdorfs eigenen künstlerischen Werdegang erlebt. Er hat in den letzten Jahren viele Bildhauerkurse besucht, u.a. bei Franz Greife und Bernd Obernüfemann.

Skulpturen: Martin Metzdorf, Foto: Kerstin Broszat

Er experimentiert mit verschiedenen Materialien und lässt sich insbesondere von ausrangierten Hölzern und Steinen, die man eher als 2. Wahl bezeichnen würde, inspirieren. Metzdorf hat eine sehr schlichte, einfache Formensprache entwickelt, seine Figuren sind angedeutet. Astlöcher, Risse, Absplitterungen werden in diese Formensprache integriert und geben den  meist weiblichen Figuren einen besonderen Reiz. Hinzu kommt, dass er sie sehr fein schleift, so dass die Damen einen unwiderstehlichen Reiz ausüben, sie anfassen zu wollen. Und das ist hier durchaus erwünscht.

OR: Die Skulptur-Ausstellung präsentieren Sie in welchem der Räume Ihres Kunsthauses, und wie viele Ausstellungsstücke von Herrn Metzdorf sind zu sehen?

Sabine Witt: Die Skulpturen erstrecken sich über alle Etagen. Ich glaube zu Beginn der Ausstellung waren es etwa 25 Skulpturen.

OR: Wie oft führen Sie gesonderte Ausstellungen durch? Immer für eine Künstlerin / einen Künstler oder auch mal themenbezogen, z.B. „Landschaft“?

Skulptur: Martin Metzdorf, Foto: Kerstin Broszat

Sabine Witt: Wir machen immer zum 1. Advent einen Tag der offenen Tür mit anschließender Sonderausstellung bis in den Januar.

Da wir in dem Haus wohnen, nehmen wir nur Kunst, die uns gefällt, mit der wir gut leben können. Natürlich ist das Kunsthaus eine subjektive Auswahl moderner Kunst. Gebrauchter Kunst. Also keine Kunst von Grossisten. Sondern von den Künstlern selbst erstanden, aus Nachlässen, aus unserer unermüdlichen Suche. Die ausstellenden Künstler*innen treffen aber ihre ureigene Auswahl, wenn sie bei uns ausstellen. Und das ist gar nicht so einfach, denn sie stehen immer in Konkurrenz mit vielen anderen Künstlern.

OR: Wann ist das Kunsthaus geöffnet?

Sabine Witt: Das Kunsthaus 57 ist das ganze Jahr über nach Vereinbarung geöffnet. Regelmäßige Öffnungszeiten haben wir nur während der Sonderausstellungen: Sa. bis So. 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

OR: Kommen wir zum Kunsthaus selbst. Es ist ja höchst ungewöhnlich, denn Ihre Galerie und Sammlung von Gemälden und Kunstgegenständen ist ja über Ihr gesamtes, privates Reihenhaus verteilt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen und vor allem: wie lebt es sich darin? Bewegt man sich vielleicht umsichtiger, als in einem „normalen“ Wohnhaus?

Sabine Witt: Als Schülerin habe ich in Wuppertal den Künstler Gerd Hanebeck kennen gelernt. Sein Haus war über und über voll mit afrikanischen Skulpturen und Kunst. Ich glaube, das hat mich sehr geprägt. Es sah aus wie in einem alten Volkskundemuseum, voller Überraschungen und Entdeckungen. Später habe ich im Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler in Halle / Westf. gearbeitet. Auch hier ein Sammelsurium unterschiedlichster Werke, dicht gehängt. Kunst ist Leben. Ist Austausch. Treffpunkt. Phantasie. Und so allmählich wuchs mein eigener Fundus an Bildern und die Idee, Kunst in persönlicher Atmosphäre zu zeigen und zu vermitteln.

OR: Die Kunstwerke verkaufen Sie ja auch. Was passiert dann mit der freien Stelle zum Beispiel an der Wand? Hängen Sie um oder haben Sie nach kurzer Zeit einen passenden Ersatz gefunden?

Kunsthaus57, Foto: Kerstin Broszat

Sabine Witt: Ja, ein Bildertausch ist oft mit viel Arbeit verbunden. Leider lässt sich ein Bild nicht so einfach ersetzen. Manchmal müssen für 1 Bild 15 umgehängt werden, damit die Harmonie wieder hergestellt ist. Aber das macht eben auch Spaß. Deswegen sieht das Kunsthaus immer anders aus. Aber leerer wird es deswegen nicht.

OR: Gibt es Stücke, die Sie niemals verkaufen würden? Welche Künstlerinnen / Künstler schätzen Sie persönlich?

Sabine Witt: Die wenigen Stücke, die unverkäuflich sind, hängen nicht im Kunsthaus. Das Erlebnis, dass man sich in ein Bild verliebt und es dann nicht erwerben kann, wollen wir unseren Besuchern ersparen. Was wir persönlich schätzen, ist  Kunst aus dem 20. und 21. Jh. Aber tatsächlich möchte ich mich gar nicht festlegen. Manchmal bevorzuge ich schwarz-weiße Grafiken, mal expressive Kunst. Das wechselt.

OR: Sind Sie selbst auch künstlerisch tätig? Sabine Witt: Nein.

OR: Haben Sie besondere Pläne für die Zukunft des Kunsthauses? Was kommt nach Metzdorf?

Sabine Witt: Die Entscheidung, wen wir als nächstes ausstellen, fällt oft spontan. Im Augenblick haben wir noch keinen Plan. Irgendwie haben sich Kunsthaus und Kunst immer gefunden.

Hier noch ein paar Infos für Ihren Besuch im Kunsthaus 57:
Ernst-Weber-Str. 57, 49080 Osnabrück, 0541-99879506, info@kunsthaus57.de
Internet: www.kunsthaus57.de/
Weitere Infos zu Martin Metzdorf gibt’s hier: www.martin-metzdorf.de/

spot_img
spot_img
spot_img
spot_img
spot_img
Follow by Email
Facebook
Youtube
Youtube
Instagram
Spotify