81 Jahre nach der Befreiung

Gedenken an die Opfer des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck

Am Sonntag, den 12. April 2026 lud die Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen zum Gedenken an die Opfer des Arbeitserziehungslagers (AEL) Ohrbeck ein. Dieses „KZ der Gestapo“ wurde am 1. April 1945 aufgelöst.

Von Januar 1944 bis April 1945 waren über 2.000 Männer und männliche Jugendliche im AEL Ohrbeck inhaftiert. Fast alle von ihnen waren Zwangsarbeiter. Die deutschen Besatzer hatten sie aus 17 verschiedenen Ländern nach Deutschland verschleppt. Sie kamen vor allem aus den Niederlanden, der Sowjetunion, Italien, Polen und Frankreich. Mindestens 100 Gefangene überlebten die Haft nicht.

Georg Hörnschemeyer, Vorsitzender des Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht e.V., begrüßte die über 70 anwesenden Gäste, darunter Vertreter:innen aus Politik und Gesellschaft sowie Nachkommen niederländischer Häftlinge, die im AEL Ohrbeck verstarben. Im Anschluss hielt Anna Kebschull, Landrätin des Landkreises Osnabrück, eine bewegende Rede, in der sie auf die Gefahren von Rechts und den damit verbundenen drohenden Demokratieabbau hinwies. Die aktuellen Umfragewerte und Wahlergebnisse seien überaus besorgniserregend und erinnere sie an die politischen Entwicklungen vor über 80 Jahren. „Ich kann sie nur bitten: Erheben Sie Ihr Wort, erheben Sie Ihre Stimme! (…) Wir müssen den Anfängen ganz deutlich etwas entgegensetzen.“

Hoffnung mache ihr die Arbeit mit jungen Menschen sowie eine lebendige Erinnerungskultur an Orten wie der Gedenkstätte Augustaschacht. Großes beginne im Kleinen, dies sei die Stärke der Demokratie. Jedes Engagement mache einen Unterschied. Sie appellierte an die Zuhörenden: „Sorgen Sie dafür, dass unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Menschenrechte erhalten bleiben.“

Adrian Schäfer, Bürgermeister der Gemeinde Hasbergen, schloss sich ihr in seiner Rede an; Demokratie und Freiheit müssten geschützt werden. Gedenken bedeute auch Verantwortung. Er wies darauf hin, dass es immer weniger Überlebende der NS-Verbrechen gäbe, aber ihre Stimmen gehört blieben.

Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung stand der Vortrag „Allmächtig, allwissend, allgegenwärtig? Was die Osnabrücker Gestapokartei über NS-Herrschaft und Volksgemeinschaft erzählt“ des Historikers Prof. Dr. Christoph Rass. Eine kurze Einführung zu dessen Person gab Dr. Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätten. „Ich danke Herrn Rass für seine langjährige Unterstützung der Gedenkstättenarbeit.“

Prof. Rass hat an der Universität Osnabrück die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung inne und leitete außerdem das mehrjährige Forschungsprojekt „Überwachung. Macht. Ordnung. Personen- und Vorgangskarteien als Herrschaftsinstrument der Gestapo“, das die Osnabrücker Gestapokartei eingehend analysierte. Diese Kartei ist nur eine von fünf oder sechs überlieferten Karteien – die Gestapo vernichtete sie erstaunlicherweise zu Kriegsende nicht – und die bisher einzige maschinenlesbar digitalisierte.

Rass machte in seinem Vortrag unter anderem deutlich, dass ab 1928 die Vorläuferin der Gestapokartei eine Kartei der Politischen Polizei Preußens und damit ein rechtsstaatliches Instrument gewesen war. 1933 änderten sich lediglich die Rahmenbedingungen. Vorhandenes Personal wurde in die Gestapo übernommen und aus einer milden Überwachungspraxis linker und rechter Kräfte wurde nun ein repressives Instrument der politischen Verfolgung und dann der Kontrolle vor allem der Zwangsarbeit. Weitere Aspekte des Vortrages waren das weitverzweigte Verfolgungsnetzwerk der Gestapo Osnabrück sowie ihr Haftstättensystem, das von Polizeigefängnissen bis hin zu Konzentrationslagern reichte.

Zum Abschluss begaben sich die Anwesenden zum Mahnmal bei der Gedenkstätte, welches 1998 von Künstler Volker Johannes Trieb aufgestellt wurde und eine Tafel mit den Namen der Todesopfer enthält. Hier legten sie Blumen nieder und gedachten in Stille der hier im Lager Gefangenen und Verstorbenen.

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