Sonntag, 14. Juli 2024

Émile Bravo im Museumsquartier – „Spirou oder: die Hoffnung“, Lesung und Gespräch

In dem auf vier Bände angelegten Comic erzählt Émile Bravo von den Jahren der deutschen Besatzung in Belgien und baut eine überraschende Begegnung ein: Spirou trifft Felix Nussbaum und Felka Platek und freundet sich mit beiden an.

Zitat aus der Einladung des Museumsquartiers zur vergangenen Lesung: „Mit der bislang ambitioniertesten und längsten Spirou-Geschichte zeigt Bravo auf, wie sich aus dem geistigen Widerstand von Spirou und Fantasio gegen die Nationalsozialisten ein praktischer entwickelt. Der Fokus liegt dabei immer auf dem Menschlichen und nicht auf dem Heldentum. Abenteuer, Humor, historische Fakten und philosophische Reflexionen verbinden sich in „Spirou oder: die Hoffnung“ zu einer ebenso klugen wie mitreißenden Auseinandersetzung mit dem Faschismus.“

Die Lesung selbst wurde von Matthias Wieland abgehalten, der die Geschichte mit auf die Leinwand geworfenen Zeichnungen aus dem Comic und einer wunderbaren Vertonung der Sprechblasen und authentischen Hintergrundgeräuschen zum Leben erweckte. Nach kurzer Zeit des Zuhörens hatte man nicht mehr nur die einzelnen Bilder vor sich, sondern es spielte sich regelrecht ein ganzer Film ab, der die Stimmungen zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen hintergründigem Humor und „das Lachen bleibt im Halse stecken“, zwischen Vertrautheit und Angst hautnah spüren ließ.

Comiczeichner Emile Bravo
Émile Bravo, Foto: Kerstin Broszat

Im Anschluss interviewte Matthias Wieland den Autor, dessen Antworten zwar gestenreich, jedoch auf Französisch erfolgten. Aber Dank des tollen Übersetzers war es für das begeisterte Publikum überhaupt kein Problem zu folgen.

Immer wieder baut Bravo in seinen Comic auch die Bilder von Felix Nussbaum und Felka Platek ein und gibt den beiden ein so menschliches Gesicht, dass man mit ihnen zittert und hofft. Bravo erzählte, dass er Jahre gebraucht hat, um die Geschichte zu entwickeln, zu recherchieren und auch um die Erlaubnis zu bekommen, die Bilder Nussbaums zu verwenden, und noch einmal Jahre, um den Comic letztendlich zu zeichnen. Und nun habe er endlich die Möglichkeit bekommen, die Kunstwerke im Original anzuschauen.

Zustandegekommen ist die Begegnung mit Bravo, weil das Museumsquartier bemüht ist, im Austausch mit Geschichte und im Rahmen der selbstgesteckten Vermittlungstätigkeit in die Öffentlichkeit zu gehen. Daher werden zunehmend auch künstlerische Zugriffe zur Geschichte gesucht, wie zum Beispiel die Verknüpfung der Figuren von „Spirou und Fantasio“ mit der Zeit des Nationalsozialismus.

Foto: Kerstin Broszat
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