Samstag, 20. Juli 2024

Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933: Warum wurden eigentlich die Autorinnen vergessen?

 

DGB-Frauen: Auch bei Erinnerungstafeln muss  Gleichberechtigung gelten!

Am 10. Mai jährte sich zum 91. Mal jener Tag, an dem die Nationalsozialisten im Rahmen ihrer „Bücherverbrennung“ die Werke deutscher Autor*innen vernichtet haben. Zur Erinnerung an dieses Ereignis fordern die DGB-Frauen aktuell ein gleichberechtigtes Erinnern: Autorinnen, deren Werke dem Feuer zum Opfer gefallen sind, müssen danach nachträglich der Gedenktafel über „Verbrannter Bücher“ hinzugefügt werden. Offenbar findet die Initiative positive Resonanz.

Blicken wir zurück: In Deutschland war die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 ein markantes Ereignis. Tausende von Büchern wurden verbrannt, die von Nationalsozialisten als „undeutsch“ oder „entartet“ angesehen wurden. Was oft weniger bekannt ist: Unter den verbrannten Büchern waren auch Werke von Autorinnen, deren Schriften als nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar betrachtet wurden.

Mit einer Folgeerscheinung huchten die Nazis, aus ihrer Sicht, einen ganz besonderen Erfolg: Die zahlreichen Autorinnen gerieten besonders in Vergessenheit. Die Forderung nach Gleichberechtigung aller Menschen, die nach dem Faschismus erhoben wurde, wurde deshalb weiterhin jahrzehntelang vorangetrieben. Auf der Osnabrücker Gedenktafel für die Bücherverbrennungenisher wurde allerings bislang keine einzige Frau ergänzt. Seit 2018 erinnert der DGB auf der Sommerbühne an der Lerchenstraße an diesem Tag – und nimmt das aktuelle Jahr zum Anlass, an das genannte Defizit zu erinnern.

In ihrer Vorrede sagte die DGB-Geschäftsführerin der Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Nicole Verlage, dass man zum Tag des freien Buches zum Nachdenken anregen wolle und Gleichberechtigung für alle Autorinnen einfordert, deren Werke nie in Vergessenheit geraten dürften. „Geschichte sollte nicht einseitig geschrieben werden. Vielfalt ist eine Bereicherung für uns alle“, betonte Verlage.

Dank des Engagements von Gabriele Uthmann hatte man sich zuvor in akribischer Kleinarbeit mit Frauen beschäftigt, deren Werke 1933 in Flammen aufgingen. Bei den Schriften handelt es sich nicht nur um Romane oder Gedichte, sondern auch um Bücher zur Geschichte, zur Kunst, zur Politik, Staatswissenschaft, Literaturgeschichte, Religion, Philosophie oder Pädagogik.

Ein Blick auf die Werksbestände offenbart: Es waren viele Autorinnen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland zum Opfer von Zensur und Verfolgung wurden. Die Lebensläufe der Literatinnen wurden von Nicole Verlage, Sigrun Müller und fünf weiteren DGB-Frauen auf der Sommerbühne an der Lerchenstraße vorgestellt. Dabei handelte es sich beispielsweise um Nelly Sachs, Else Ury, Dr. Gertrud Woker, Anna Seghers, Dr. Anna Siemsen, Bertha von Suttner und Vicki Baum. Die DGB-Frauen hatten zu jeder vorgestellten Schriftstellerin eine Karte mit Bild, Zitat und Lebenslauf erstellt, die von den Zuhörer*innen mit nach Hause genommen werden konnten. Die sieben Karten sind auch beim DGB erhältlich.

Nachdem alle Biografien der genannten Autorinnen verlesen wurden, gingen die Teilnehmenden der Veranstaltung gemeinsam mit den DGB-Frauen und den OMAS GEGEN RECHTS zur Gedenktafel und zum Mahnmal, das zwischen Haster Weg und Reinhold- Schneider-Straße im Stadtteil Dodesheide steht und seit Jahren an die verfemten Menschen aus der Literatur erinnert.

Vor Ort präsentierten die Frauen den Vorschlag einer von ihnen überarbeiteten Gedenktafel. Gaby Uthmann von der GEW berichtete, dass nach verschiedenen Gesprächen mit Mitarbeiter*innen des Kulturamtes tatsächlich eine Erweiterung und Modernisierung der Informationstafel beim Mahnmal der verbrannten Bücher ermöglicht werden könnte.

Vorgeschlagener neuer Tafeltext mit markierten Ergänzungen. Foto: OR
Vorgeschlagener neuer Tafeltext mit markierten Ergänzungen. Foto: OR

Es sollen demnächst fünf Namen von Frauen, deren Werke 1933 verbrannt und nach denen in Osnabrück zum Teil bereits Straßen benannt wurden, in die neue Informationstafel eingefügt werden. Es handelt sich hierbei um Marieluise Fleißer, Claire Goll, Nelly Sachs, Anna Siemsen und Bertha von Suttner. Ferner soll die neue Tafel auch mit Brailleschrift und QR-Codes versehen werden. Zum Schluss wurde angeregt, Rat und Verwaltung weitere Frauen vorzuschlagen, nach denen in Osnabrück jeweils eine Straße benannt werden soll.

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