Samstag, 22. Juni 2024

Lettische Faschisten und ihre Beteiligung am Holocaust

„Ein Leben ohne Juden“: Neue Ausstellung lädt am 16. Juni, 15:00 Uhr in den Augustaschacht ein

Oftmals wird vergessen, dass der deutsche Faschismus – auf überaus makabre Weise durchaus „international“ aufgestellt gewesen ist. Unter die mordenden SS-, Wehrmachts- und Sicherheitskräfte mischten sich zahllose Angehöriger anderer Nationalitäten. Das Spektrum reichte von Niederländern, Belgiern, Spaniern, Italienern, Skandinaviern, Kroaten, Ukrainern, Bulgaren, Rumänen – bis hin zu Bürgern baltischer Staaten, die sich allesamt an Massenmorden beteiligten. Am Sonntag, 16. Juni, wird in der Gedenkstätte Augustaschacht ein Vortrag zu hören sein, der sich mit der furchtbaren Rolle der lettischen Faschisten am Holocaust befasst. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr – und der Eintritt ist frei.

Ein Blick zurück in die Geschichte: Die unabhängige Republik Lettland wurde 1918 ausgerufen. Die Verfassung garantierte einen großen Fortschritt: Gleichberechtigung für die jüdische Minderheit, die seit Jahrhunderten in der Region angesiedelt war und sich am gesellschaftlichen Leben beteiligte. Gleichzeitig formierte sich unter Einfluss des Faschismus in Europa und intensiviert durch wirtschaftspolitische Krisen auch in Lettland eine völkische Bewegung. Deren wichtigster Vertreter war seit Anfang der 1930er Jahre die Partei Pērkonkrusts (Donnerkreuz), die Gewalt gegen Juden propagierte und ausübte.

Faschistische Invasoren besaßen so einen zentralen Bündnispartner: Als deutsche Truppen im Sommer 1941 Lettland besetzten, kooperierten Pērkonkrusts-Mitglieder auf verschiedenen Ebenen mit den Besatzern. Sie hatten Positionen in Verwaltung und Medien inne und waren direkt an Mord- und Raubaktionen beteiligt. Dass das lettische Staatsgefüge mit seiner Verwaltung „funktionierte“, verdankte es vor allem den Pērkonkrusts-Anhängern.

Interessanter Vortrag in den Räumen des Augustaschachts: Paula Oppermann (Foto rechts). Foto: Oppermann/Gedenkstätte Augustaschacht
Interessanter Vortrag in den Räumen des Augustaschachts: Paula Oppermann (Foto rechts). Foto: Oppermann/Gedenkstätte Augustaschacht

Paula Oppermann als kompetente Referentin

Mehr ist jetzt im Rahmen einer erhellenden Informationsveranstaltung mit Paula Oppermann zu erfahren. Basierend auf einer Analyse der Ursprünge des Faschismus in Lettland untersucht sie am Sonntag, den 16. Juni 2024, um 15 Uhr in der Gedenkstätte Augustaschacht, Zur Hüggelschlucht 4, in Hasbergen-Ohrbeck die Rolle lettischer Faschisten beim Mord an den Jüdinnen und Juden und ermittelt Handlungsspielräume lokaler Bevölkerungen unter deutscher Besatzung.

Paula Oppermann gilt als überaus kompetent für dieses Thema. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Historischen Kommission zu Berlin e.V. und erarbeitet eine Edition der Lageberichte der Geheimen Staatspolizei über die Reichshauptstadt Berlin. Sie studierte Geschichte und Baltistik in Greifwald und Holocaust- und Genozidstudien in Uppsala. 2022 wurde sie an der University of Glasgow mit einer Arbeit über Lettlands faschistische Partei Pērkonkrusts promoviert. Die Arbeit wurde mit dem Fritz T. Epstein Preis ausgezeichnet. Von 2022 bis 2023 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität. Zuvor war sie u.a. in der Stiftung Topographie des Terrors als Kuratorin im Team der Ausstellung „Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944“ und in der Wiener Holocaust Library London tätig.

Über das Rahmenprogramm des Vortrags hatte die OR bereits mehrfach berichtet. Der Vortrag findet im Kontext zur Ausstellung „Der Tod ist ständig unter uns. Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland“ in der Gedenkstätte Augustaschacht statt. Dank der Förderung durch die Stiftung der Sparkasse Osnabrück, die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und die Stadt Osnabrück ist der Eintritt frei.

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