Vorstellung des Mahnmals für die KZ-Gefangenen der 5. SS-Eisenbahnbaubrigade und des zugehörigen Audiowalks

Nichts ist geblieben von der 5. SS-Eisenbahnbaubrigade, einem KZ-Außenlager in Osnabrück. Lange Zeit war es nahezu vergessen: Vor 78 Jahren, von Oktober 1944 bis April 1945, standen Viehwaggons auf den Gleisen des Betriebsbahnhofes Osnabrück-Hörne an der Grenze zwischen den Stadtteilen Wüste und Kalkhügel. KZ-Häftlinge aus den Lagern Buchenwald, Mittelbau und Neuengamme waren hier untergebracht. Unter den Schikanen von SS-Wachleuten mussten sie Bahnstrecken rund um den Eisenbahnknotenpunkt Osnabrück reparieren.

Diese große Lücke in der Osnabrücker Erinnerungskultur soll am kommenden Sonntag, dem 78. Jahrestag des Eintreffens der KZ-Gefangenen in Osnabrück, durch ein Mahnmal und einen Audiowalk geschlossen werden,“ betonte Dr. Michael Gander, Geschäftsführer der das Projekt tragenden Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht, bei der Vorstellung der neuen Gedenk- und Bildungsmöglichkeiten, die von der Stadt Osnabrück und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten gefördert wurden.

Der Historiker Karl Kassenbrock hat die Geschichte der 5. SS-Eisenbahnbaubrigade erforscht. Er erklärte, dass es sich um das erste Außenkommando eines Konzentrationslager dieser Art gehandelt habe, und deshalb die Verhältnisse für die insgesamt mindestens 700 Gefangenen besonders schlecht waren. Die genaue Zahl der Todesopfer läßt sich nicht mehr ermitteln, aber Karl Kassenbrock geht von mindestens 40 getöteten Gefangenen aus.

Der Künstler Volker-Johannes Trieb schuf das Mahnmal, das mit Unterstützung der Klosterkammer Hannover, der Kath. Kirchengemeinde St. Joseph, des Bauunternehmens Dieckmann, der Stadtwerke Osnabrück und von Auszubildenden der Georgsmarienhütte GmbH errichtet wurde. Der Künstler versteht das Mahnmal als eine „Gedankensperre“, die auf die damaligen, kaum abzubildenden Verhältnisse verweist und zum Fragenstellen anregen soll.

Ausgehend vom Standort des KZ-Außenlagers erzählt ein Audiowalk der Radiojournalistin Birgit Schütte die Geschichte der Gefangenen und ihrer Begegnungen mit der Osnabrücker Stadtbevölkerung. Auf dem ca. drei Kilometer langen Rundweg folgt der Audiowalk den Spuren und Erinnerungen der Gefangenen, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache. Für Birgit Schütte war es ein Anliegen, das Geschehen, von dem fast nichts mehr zu sehen ist, zu Gehör zu bringen, da es ausführliche Berichte von polnischen und dänischen Überlebenden gibt.

Diese Augenzeugenberichte sprachen neben weiteren Beteiligten insbesondere Lernende des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums nach. Begleitet von ihrer Lehrerin Dr. Charlotte Heymel, die das ungewöhnlich große Engagement der Lerngruppe lobte, arbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Karl Kassenbrock und Birgit Schütte intensiv in die Geschichte der KZ-Gefangenen ein. Ennio Boller fand es „krass“ zu erfahren, dass es „hier“ ein KZ gegeben hatte und für Sophia Cambrie ist es „ein eigenartiges Gefühl“ daran zu denken, dass sie als Kind – ohne es zu wissen – dieselben Wege gefahren ist. Der 18-jährige Diamant Jaku sprach die Erinnerungen des damaligen dänischen Schülers Holger Hansen, der mit 16 Jahren einer der jüngsten Gefangenen war, und mußte bei der Einarbeitung in seine Rolle an den geringen Altersunterschied zwischen Holger Hansen und ihm denken. Seva Stalcuks ist es wichtig, dass die Menschen nicht vergessen werden.


Die Einweihung des Mahnmals für die KZ-Gefangenen der 5. SS-Eisenbahnbaubrigade und zur Eröffnung eines Audiowalks, der an sie und die Geschichte dieses „Konzentrationslagers auf Schienen“ erinnert, findet am Sonntag, den 16. Oktober 2022, um 15 Uhr an der Feldstraße in 49080 Osnabrück statt.

Die Zufahrt erfolgt über Rehmstraße, Vogelerstraße und Limberger Straße, durch die Unterführung „Musikexpress“, dann rechts ca. 100 m. Die GPS-Koordinaten sind: 52,257664/8,024006.

Zur Eröffnung sprechen die Osnabrücker Bürgermeisterin Birgit Strangmann ein Grußwort, der Historiker Karl Kassenbrock zur Geschichte des KZ auf Schienen, Sandra Pollum, die Enkelin eines ehemaligen polnischen Gefangenen des KZ, und Gerda Fricke, die als Kind das KZ von ihrem damaligen Wohnort in der Limbergerstraße sah. Die Radiojournalistin Birgit Schütte sowie Schülerinnen und Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums Osnabrück stellen den Audiowalk vor. Willem Schulz begleitet die Veranstaltung musikalisch.

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