Montag, 27. Juni 2022

Das Genie unter den Rockmusikern, das nie gesurft hat – Brian Wilson zum Achtzigsten

Der Sieg der Kunst über den Kommerz

Brian Wilson war der Chef und Komponist der Beach Boys. Er ist heute 80 geworden. Einst wurde er von seinem Vater als Kind auf einem Ohr taub geprügelt, verfiel mit Anfang 20 jahrzehntelang in tiefste Depressionen und feierte Anfang dieses Jahrtausends seine erst nur allmähliche , dann aber triumphale Wiederauferstehung. Heute tourt er im hohen Alter von 80 Jahren mit seinem alten Beach-Boy-Mitstreiter Alan Jardine durch die Welt, begleitet von der begnadetsten Band, die ich jemals live erlebt habe und ich habe viele gesehen.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb vor einigen Jahren nach einem Konzert von Brian Wilson, wenn Michael Jackson der King of Pop sei. dann sei Brian Wilson der God of Pop. Und selbst das scheint untertrieben, denn Brian Wilson hat einst im Alter von nicht einmal 25 Jahren mit seinem Konzeptalbum ‚Pet Sounds‘ die Pop- und Rockmusik in nie geahnte Dimensionen katapultiert. So wird es heute weltweit von fast allen Kritiker*innen als das beste oder zumindest als das wichtigste Album aller Zeiten eingestuft, denn es hat sämtliche Hörgewohnheiten umgekrempelt. Bis dahin hatte Wilson einen Welthit nach dem anderen für seine Beach Boys komponiert und produziert. Songs wie California Girls, Surfin USA, Sloop John B., Fun, Fun, Fun, God Only Knows, Wouldn’t It Be Nice?, Barbara Ann, Good Vibrations und zig andere sind längst Evergreens, deren Nachklang bis heute in vielen Rock- und Popsongs wahrzunehmen ist.

‚Pet Sounds‘ aber war etwas ganz anderes: Es war der Sieg über den Kommerz und veränderte die Musikwelt mehr als jedes andere Album. Dieser wunderbare Artikel im Rolling Stone von heute erklärt dazu alles Wesentliche.

Parallel arbeitete Brian Wilson an etwas, das noch vielschichtiger als Pet Sounds werden sollte, nämlich an dem erst vor wenigen Jahren in seiner Gänze erschienenen Album ‚Smile‘, das damals nur als verstümmelte ‚Smiley Smile‘-Version veröffentlicht worden war. ‚Smile‘ erschien nach 45 Jahren zum ersten Mal in der kompletten Version und der alte Brian Wilson feiert damit bis heute weltweit die Triumphe, die ihm einst mit diesem bahnbrechenden Album verwehrt worden waren.

Ich kann nur allen empfehlen, sich seine vor einigen Jahren umwerfend einfühlsam verfilmte Biografie ‚Love & Mercy‘ anzusehen, die hin und wieder auf arte wiederholt wird, aber auch als DVD und Blue-Ray erschienen ist und sogar in allen möglichen Kategorien als absolut oskarverdächtig galt. Danach sieht und hört man nicht nur Brian Wilson und die Beach Boys, sondern die ganze Musikwelt mit anderen Augen und Ohren.

Eigentlich wollte ich nur den Song ‚Surf’s Up‘ verlinken, aber damit würde man dem Ausnahmegenie Brian Wilsons nicht gerecht. Lasst euch mal auf dieses Livekonzert in London ein, am besten unter Kopfhörern. So, wie das noch vor RTL2 und ständigem Handyalarm üblich war. Allein, was dort an Instrumenten, Gegenständen und Geräuschen eingesetzt wird, ist atemberaubend verrückt, von den Stimmen ganz zu schweigen. Also noch mal: Das Ganze mit 25 Jahren komponiert und erst mit 70 Jahren mit absoluter Perfektion LIVE endlich eingespielt. Smile live in London

 

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