„Wenn die Sterne fallen“ – Schauspielpremiere im Theater am Domhof

Ein Blick zu den Sternen – Hoffnung, Sehnsucht, Fernweh, was eröffnet sich da nicht alles an Emotionen! Was aber, wenn das Leben nicht die erhoffte Zukunft bereit hält?

Das Stück aus der Feder der gefeierten britischen Theater- und Drehbuchautorin Beth Steel wurde 2024 in London uraufgeführt und wird nun als Deutschland-Premiere in einer Übersetzung von Jessica Higgins im Theater am Domhof in Osnabrück gezeigt.

In der englischen Urfassung wird die Stimmung der Hochzeitsgesellschaft, alle familiär miteinander verbunden, immer wieder durch aufflammende Bemerkungen über die Nachwirkungen des Endes des Kohlebergbaus in England (Arbeitslosigkeit, Geldmangel) getrübt.

Übertragen werden kann das beispielsweise auf die Situation in Deutschland im Ruhrgebiet während und nach den Zechenschließungen oder den vielen Fabrikschließungen nach der Wende in den neuen Bundesländern und der damit verbundenen Arbeits- und Trostlosigkeit.

Aber wie zum Trotz haben sich einige Familienmitglieder, insbesondere Hazel, eine der drei Schwestern, um die es in der Hauptsache geht, einen schrägen Galgenhumor bewahrt oder zugelegt (herrlich schräg und prollig: Monika Vivell).

Dieser Humor wird so manches Mal auf die Spitze getrieben und gleitet hin und wieder ab ins Zotige, besonders am Morgen, als die Schwestern (Lua Mariell Barros Heckmanns, Verena Maria Bauer und Monika Vivell) mit ihrer Tante Carol (Sascha Maria Icks) bei der Morgentoilette zum Fest zusammensitzen, sorgt aber für reichlich Lacher im Publikum.
Und wie es sich gehört, wird hier schon das erste Sektchen genossen („ist ja noch Orangensaft drin“).

Zum Mittagessen im gemieteten Saal kommt dann die ganze Familie zusammen, unter anderem der Vater der Braut Tony und sein Bruder Pete (Ehemann von Tante Carol), die seit vier Jahrzenten nicht miteinander gesprochen haben, John (Ehemann von Hazel, arbeitslos) und endlich auch Marek (Bräutigam von Sylvia, selbstständig, gut verdienend und polnischer Staatsbürger).

Da werden erst einmal Tischkarten vertauscht, hin und wieder ein paar spitze Bemerkungen fallen gelassen und je mehr Alkohol fließt, desto lockerer die Partystimmung anschließend, aber auch das Mundwerk.

Bis zum frühen Morgen begleitet das Publikum die Familienmitglieder bei ihren Eskapaden, Zwiegesprächen in stillen Ecken, ausgeplauderten Geheimnissen und es wundert letztlich niemanden mehr, wenn die Stimmung schließlich kippt.

Das Osnabrücker Ensemble unter Regie von Christian Schlüter spielt auf, als hätten sie tatsächlich all die Leben dieser Familie gelebt, gefeiert, gehasst, geschuftet, geträumt, gehofft und dann doch viel zu oft verloren.

Ein tolles Stück zum Lachen und Weinen, zum Hoffen und Zweifeln. Dem Premierenpublikum hat’s gut gefallen – es bedankt sich beim Ensemble mit minutenlangem Applaus.

Weitere Infos und Tickets gibt’s hier: https://www.theater-osnabrueck.de/

spot_img
ab sofort erhältlichspot_img
April 2026spot_img
Oktober 2023spot_img
Oktober 2025spot_img
August 2024spot_img
Juni 2025spot_img
2015spot_img
November 2020spot_img
August 2024spot_img
erscheint Oktober 2026spot_img