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Freitag, 20. Februar 2026

Heißer Clasenkampf aus sozialer Tiefkühltruhe

„Chef vom Dienst“ betritt zum ersten Mal seine kritikbefreite Zone

Es war zu befürchten: Nur kurze Zeit, nachdem die Neue OZ bekanntgab, fortan keine Kommentare unter ihrer Online-Ausgabe mehr zu dulden, schwappte postwendend ein typischer Clasen-Kommentar im widerspruchsbefreiten Whirl-Pool über den Beckenrand.

Frisch versehen war er mit den redaktionellen Hinweisen auf wegfallende Kommentarmöglichkeiten und auf das angeblich neue Debattierformat, welches Chefredakteurin Riepe kürzlich ankündigte  – und das die MOZPOST ausgiebig kommentierte.

Der Furor des Clasenkampfes schlug dann, eigentlich gähnend langweilig, in gewohnter, nun aber völlig widerspruchsfreier Form zu.
„21 Prozent Mehrwertsteuer? Wie Ideologie unseren Wohlstand frisst“ überschreibt der Kämpfer gegen alles Linksverdächtige seinen neuen Wutausbruch.

Gleich in der Überschrift knallt er zwei völlig unterschiedliche Punkte zusammen: die vom Ökonomen Marcel Fratscher in einem Extra-Bericht befürchtete Mehrwertsteuererhöhung und eine Generalabrechnung mit rot-grüner „Ideologie“, die Clasen bis heute den Schlaf zu rauben scheint. Im Originalfuror ist die aktuelle Misere in Clasens Welt kein …

… Schicksalsschlag, sondern die direkte Folge einer verfehlten Wirtschaftspolitik. Im Namen von Klimaschutz und sozialer Umverteilung wurde unter der Vorgängerregierung ein „grünes Wirtschaftswunder“ versprochen.

Wenn es nicht so traurig wäre und nicht ständig von ultra-neoliberalen wie AfD-nahen Ideologen wiederholt würde, könnte man Clasens Dauerschleifen gegen alles Sozialökologische als lachhafte Petitessen stehen lassen. Aber er meint es ja wie seine Vorbeter im Weißen Haus, bei der AfD oder in bundesdeutschen Talkshows der Marke Lanz tatsächlich ernst.

Wie der von Clasen oft angehimmelte Trump immer wieder feststellt, soll Klimaschutz also an allem Übel schuld sein. Dass der wissenschaftlich nahezu völlig unbestrittene Klimawandel jeden Wohlstand auf der Welt bedroht, zählt auf Clasens Globus anscheinend zu einem anderen Universum.

Und „Umverteilung“, die der Chef vom Dienst ebenfalls irgendwo sichtet? Wir fragen uns: Wo zum Teufel sieht der Clasenkampf Umverteilung von Reichtum in einem real existierenden Deutschland, in dem Reiche nachweislich (!) immer reicher und Arme nachweislich (!) immer ärmer werden?

Kurze Erinnerung an faktisch Nachlesbares:  Laut dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands stieg die deutsche Armutsquote auf 16,6 %, das sind etwa 13,8 Millionen Menschen. Schulmaterial und Klassenausflüge sind für etliche Mütter und Väter nicht mehr finanzierbar. Mietwohnungen fressen selbst mittlere Einkommen auf. Toastbrot, Marmelade und Nudeln sind in armen Familien Hauptnahrungsmittel. Wenn es hochkommt, noch Pommes mit Mayo als Luxuskrone. Immer mehr prekär lebende Rentner sammeln Pfandflaschen aus Mülleimern. Das reichste Zehntel der Bevölkerung besitzt dagegen inzwischen mehr als zwei Drittel des gesamten Nettovermögens. Und das obere 1,5 (!) Prozent der Erwachsenen besitzt ein Vermögen von mindestens einer Million Euro. Unbestrittene Studien zeigen, dass das oberste Prozent sogar 35,3 % des Gesamtvermögens besitzt. Und die untere Hälfte, also 50% der Deutschen? Jene besitzen nur etwa 1,4 % (!) jenes Gesamtvermögens.

Clasen ficht das alles nicht an. Dann lieber Clasenkampf als Klassenkampf, wird er sich denken. Vor alles so etwas dürfte dem Oberchef, Verleger Jan Dirk Elstermann, besonders vorzüglich gefallen. Stramm rechte Ideologen wie Clasen, die Heilsames bei Musk und Milei entdecken, brüllen eine ganz andere Weltsicht aus ihrem antiwoken Bunker. Originalton: „Hochqualifizierte Jobs in der Chemiebranche wandern ab, unter anderem weil die Energiewende zur Kostenfalle mutiert ist.“

Um es klarzustellen: Jeder wegfallende Job ist tragisch und verlangt nach politischen wie unternehmerischen Maßnahmen, um Beschäftigungsmöglichkeiten zu erhalten oder gar auszubauen. Nur: Sind nicht mittlerweile in der Solar- und Windenergie Abertausende an Arbeitsplätzen weggefallen, weil konservativ-liberale Minister wie Rösler, Altmeier bis hin zur aktuellen Lobby-Ministerin Katharina Reiche alle Chancen, Deutschland hier zum Marktführer zu machen, restlos verpennt und auch ganz bewusst boykottiert haben?

Und die Krise in der Autobranche? Trumps Zölle oder die Absatzprobleme in China haben sich keineswegs rot-grüne Ideologen ausgedacht. Und warum haben deutsche Autobauer seit Jahren E-Mobilität verschlafen, deren Kommen alle Spatzen von den Dächern pfiffen? Waren dafür auch Rot-Grüne verantwortlich? Waren es nicht weit eher Manager in Großunternehmen, die pro Jahr zweistellige Millionensummen wie riesige Boni einsacken und lieber luxuriöse SUV-Schlitten verkaufen? In welcher Welt lebt Michael Clasen?

Das Tüpfelchen auf dem I bleiben am Ende die finalen Hinweise. Das erwähnte, von Chefredakteurin Louisa Riepe vorgestellte neue „Dialogformat“ ohne Kommentarfunktion sowie die großzügige Option, der NOZ eine E-Mail zu schreiben. Adresse: feedback@noz.de

Wie heißt es da so schön? „Sie haben einen Fehler entdeckt oder einen Hinweis?“ Man darf also Formales kritisieren oder nette Empfehlungen aussprechen. Kritik, die das Lesepublikum bislang online lesen konnte, ist also nicht mehr gestattet.

Zum Glück kritisieren derartige Praktiken nicht nur „Links-grün Versiffte“ wie wir, sondern auch andere, auf deren Treffen am 24. Februar in der Lagerhalle wir uns alle freuen dürfen. Und gut, dass es die MOZPOST gibt, oder?




Und nun noch ein musikalischer Gruß an die Chefredaktion

Und da sich NOZ-Oberrockstar Ewert darüber mokierte, Herbert Grönemeyer äußere sich in letzter Zeit immer häufiger politisch – natürlich so, wie es dem Herrn nicht behagt -, und das, obwohl er früher doch so schöne Texte geschrieben und gesungen habe, hier noch ein Song aus Herberts Urzeiten, allerdings passend zum Artikel von uns in die Neuzeit übertragen.


Reiche
(nach „Männer“ von Herbert Grönemeyer) 

Reiche nehmen den Armen, Reiche klagen allen ihr Leid.
Reiche prassen nur heimlich, Reiche erblassen höchstens vor Neid.
Oh, Reiche sind so entsetzlich,
Reiche sind auf dieser Welt unersättlich.

Reiche zahlen keine Steuern, Reiche stöhnen ein Leben lang.
Reiche tragen viel Risiko und ’n Koffer voll Geld zur Bank.
Mhm, Reiche sind allzeit bereit.
Reiche bestechen mit Geld und durch Dreistigkeit.

Refrain:
Reiche geben nur schwer, nehmen leicht,
außen hart und innen ganz gleich,
sind als Kind schon aufs Erben geeicht.
Wann ist ein Reicher reich? Wann ist ein …

Reiche leisten sich Luxus, Reiche denken stets global.
Reiche leisten sich alles, leider nur keine Moral.
Mhm, Reiche ha’m für Tiere ’n großes Herz.
Und leisten sich ´n dickes Fell aus echtem Nerz.

Reiche geben nur schwer …

Zwischenteil:
Reiche bauen Raketen, bis der Mond vom Himmel fällt.
Reiche lieben auch Kinder, die arbeiten für wenig Geld.
Reiche lassen sich gern das Fett absaugen und schicken’s dann in die dritteWelt.

Reiche lesen sogar Heine, denn der ist schon lange tot.
Reiche geh’n in die Kirche und spenden den Armen trocken Brot.
Oh, Reiche trinken heimlich Wein,
und predigen Wasser zum heil’gen Schein.

Reiche haben keine Freunde, denn bei Geld hört die Freundschaft auf …




Ähnlich wie Ewert zu Grönemeyer äußert sich heute das Weiße Haus zu Springsteens Ankündigung seiner neuen US-Tour „Land Of Hopes & Dreams – No Kings“, er habe seine beste Zeit längst hinter sich.

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