Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …
Als Chefredakteurin Louisa Riepe – ansonsten eher bekannt für ebenso freundlich-moderate wie oft belanglose Töne – auf NOZ-online am 13. Februar eine Meldung in eigener Sache produzierte, waren wir von der MOZPOST, wir geben es reumütig zu, einige Tage lang ziemlich baff.
Schon in der Foto-Unterzeile heißt es bei Riepe: „Gute Debatten entstehen nicht zufällig, sie brauchen einen klaren Rahmen: Deshalb verändern wir unser Dialogangebot.“
A watt …
Zur Erinnerung: Die Kommentarspalten unserer örtlichen Monopolzeitung hatten wir bis dato durchaus geschätzt. Als Privatpersonen haben wir uns zuweilen auch aktiv daran beteiligt. Virtuelle Kommentarspalten haben wir ebenso gewürdigt wie viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, deren Berichte wir – im krassen Gegensatz zu Ewert- oder Ebert-Kommentaren – vor allem als Kontrapunkte zum Clasenkampf-Furor gegen alles Linksverdächtige immer gern gelesen haben.
Rechtsausleger bekamen ihr Fett weg
Die virtuellen, zumeist kritischen Kommentare waren für uns auch deshalb so erfreulich zu konsumieren, weil insbesondere das zwischen Trumpverehrung, AfD-Verharmlosung und links-grünem Bashing taumelnde Triumvirat Ewert, Clasen, Ebert ebenso „sein Fett wegbekam“ wie ultraneoliberale oder ultrakonservative andere Stimmen. Immerhin dürfen bis heute auch andersdenkende Redaktionskolleg*innen schreiben, die sich ehrlich und authentisch gegen rechts, für Demokratie und Sozialstaat engagieren. Auch die durfte man bislang ebenso virtuell kritisieren. Okay.
Man durfte sich zuweilen sogar ehrlich freuen. Wie oft haben wir uns vor allem vergnügt die Hände gerieben, wenn beispielsweise Rechtsaußen und Haudrauf Clasen für ein erneutes Hochjubeln Donald Trumps ein massives Contra aus etlichen Ecken bekam, sehr oft mit rund 60 oder noch mehr Likes. Für uns waren es Sternstunden einer selbst bei der NOZ vorhandenen Debattenkultur. Vorbei, oder?
Schreitet die Rechtswende fort?
Ernsthafter denn je müssen wir seit dem 13. Februar befürchten, dass die vom Deutschlandfunk bis hin zur TAZ thematisierte Rechtswende der Neuen OZ massiv fortschreitet. Ist da Rechtsaußen-Verleger Jan Dirk Elstermann persönlich am Werk? Natürlich stochern wir noch mit der Stange im Nebel – auf die Gefahr hin, uns korrigieren zu müssen. Das wäre im Interesse der Sache sogar prima! Ehrlich jetzt.
Aber soll es uns etwa Mut machen, wenn Louisa Riebe über von ihr wahrgenommene Probleme analysiert, welche die MOZPOST nie gesehen hat? Originalton:
„Offene Kommentarspalten unter allen Artikeln werden unserem Anspruch nicht immer gerecht, Debatten so zu gestalten, dass sie verständlich, respektvoll und erkenntnisfördernd sind. Deshalb verändern wir unser Dialogangebot.“
Vor allem das, was angekündigt wird, produziert bei uns, die wir seit Jahren unter Kommentaren der Marken Ewert, Clasen, Ebert leiden, wie eine von offener Intoleranz durchtränkte Kampfansage. Riepe verkündet nämlich:
„Stattdessen starten wir ab März 2026 ein neues Format. Dabei stellen wir einen ausgewählten Meinungsbeitrag gezielt zur Diskussion. Nach dem Erscheinen wird der Autor im Austausch mit Ihnen stehen – moderiert und begleitet von unserer Redaktion. Fragen, Kritik, Gegenargumente sind ausdrücklich erwünscht. Im Anschluss fassen wir die wichtigsten Argumente journalistisch zusammen – digital und in Print. Auch künftig sollen Sie uns jederzeit direkt erreichen können. Unter jedem Artikel finden Sie eine E-Mail-Adresse, über die Sie uns auf Fehler aufmerksam machen oder uns Hinweise geben können. Außerdem können Sie unseren Autoren auch direkt schreiben.“
MOZ-Fiktion aus der Glaskugel
Wir stellen uns gerade einen üblichen Clasen-Haudrauf pro Trump und gegen alles Woke wie Linksverdächtige vor, auf den wir, offiziell großzügig, als NOZ-Leserinnen oder -Leser antworten dürfen. Clasen wird uns beim neuen Format großmütig antworten, massiv bestärkt durch die streng selektierte Kolleg*innenschaft aus der Restredaktion. Im Anschluss obliege es allein Clasen und jener Restredaktion, wie es heißt, „die wichtigsten Argumente journalistisch zusammenzufassen.“
Vielleicht ähnlich wie im ARD-Presseclub, bei dem ein anrufender Mensch nach seinen wenigen Sätzen kollektiv von mehreren „Expert*innen“ belehrt wird? Oder gar gemäß der Methode Markus Lanz, bei der ein auf dem Grillstuhl weilender Mensch nach wenigen Sätzen vom Rest der Runde zusammengestaucht wird? Wobei wir hier nur eher negative Beispiele der sonst von uns geschätzten öffentlich-rechtlichen Medien nennen wollen.
Zurück zur NOZ-Welt kann man es auch böse ausdrücken: Statt etlicher Beiträge, die wir bislang privat kommentieren durften, wird nur noch ein einzelner, völlig selektiv, zu einer Debatten-Variante gemacht. Eine kritische Stimme erfährt den Orkan von – in diesem Fall – Clasen wie den eines hinter ihm weilenden Kollegiums. Panikmache oder reale Fiktion?
Formal dürften im assistierenden Kollegium sogar eine oder gar mehr zart verstehende Personen sein, um den Schein zu wahren. Am Ende folgt aber ein – völlig unabhängig jedweder Kritik – formuliertes Gesamtresümee. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Dass der „Chef vom Dienst“ Michael Clasen bei diesem Fallbeispiel deutlich glimpflicher davonkommen wird als bisher und nicht – wie das etliche Male bislang passiert ist – sogar offene Abo-Kündigungen wegen rechter Schieflage angedroht bekommt, versteht sich wohl von selbst. Oder?
Ein hellbunter Trost für die düstere Zukunft
Bei alledem bleibt uns ein tiefer, aufseufzender Trost: Unsere MOZPOST wird bleiben. Gern bauen wir sie, falls dies passt, ausdrücklich auch für andere Kommentierende aus. Mail an die OR genügt. redaktion@os-rundschau.de.
Ist das nicht schön? Vielleicht darf auch bei der angekündigten Runde der Initiative „NOZ kritisch“ über mehr Beiträge zu einer pluralen Debatte debattiert werden.













