Erlebnisbericht nach einer aufgezwungenen Begegnung
Dass sich die AfD in der Friedensstadt Osnabrück nicht nur im „Parkhaus Rink“ breit macht, belegen zunehmend mehr Berichte, die uns von Beobachtenden der rechtsextremen Szene zugehen. Ein ganz besonderer Report erreichte uns mit dem folgenden Text.
Zumal sehr nachvollziehbare Gründe dafür sprechen, den Beitrag des uns bekannten Autoren ohne Namensnennung widerzugeben, präsentieren wir dessen persönlich gehaltenen Erlebnisbericht ausnahmsweise als Redaktionsbeitrag. Die Informationen vermitteln vortreffliche Einblicke in das Innenleben der ultrarechten Front inmitten der Friedensstadt – und wie sich deren Streiter für Rechte Ordnung mittlerweile beinahe ungezwungen herumtreiben.Mittlerweile hat ja auch schon die Hasepost verlässlich dafür gesorgt, dass die AfD finster-fröhlich Gesicht zeigt.
Nun aber endlich zum Wortlaut des uns zugegangenen Beitrags:
Es war ein Wochenende, an dem man bei Familienfeiern und Partys mehr oder minder stark hoffen musste, dass das „Wetter hält“, doch die Sonne schien, es war nicht zu heiß und man tendierte irgendwo zwischen Übergangsjacke und kurzer Hose. Wer am vergangenen Sonntag den Biergarten des griechischen Restaurants „bei Maki“ besuchte oder einen Spaziergang im Kleingartenverein „Natrupertor e.V.“ machte, bemerkte recht schnell eine Gruppe von zirka 35 Menschen, verteilt auf Biergarten und Rasenfläche hinter Vereinsheim und Gastro. Irgendwo zwischen lachsfarbenen Poloshirt und schimmernd blauen Anzug mit blinkendem Parteiabzeichen am Revers tummelten sich papptellertragend und mit Pilsbier bewaffnet das Who-is–who der Partei, die als rechtsradikales Verdachtsobjekt durch den hiesigen Verfassungsschutz beobachtet wird.

Anwesend neben Florian Meyer, Vorsitzender der AfD Osnabrück-Stadt, Thomas Spohn, Vize-Vorsitzender, sowie allerhand Osnabrücker Afd´lern wie Thorsten Wassermann, ehemals Bund Osnabrücker Bürger, heute Beisitzer unter Meyer, war auch Prominenz. Queckemeyer, Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Osnabrück und Stargast Danny Hermes, Abgeordneter aus Meppen und Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, lieferten sich ein gemütliches „Stelldichein“. Stadt- und Landkreis-AfD. Auch Adrian Maxhuni, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Osnabrück-Land, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Rat der Samtgemeinde Bersenbrück und Mitglied im Rat der Gemeinde Gehrde, war anwesend. Sie alle brachten eben auch nur jene Personenanzahl zusammen.
Pünktlich zur Öffnung der Gastro musste allerdings der Biergarten geräumt werden: Die unvermeidliche räumliche Nähe zwischen griechischem Restaurant und Vereinsheim führte zu regem Verkehr. Lediglich das ausgegangene, selbst mitgebrachte Flaschenbier führte zu kurzem Ärger. Essen und Getränke, da war der Wirt der Gastronomie raus, was einen nachdenklich stimmen sollte, so rühmte sich die örtliche verfassungsfeindliche Bestrebung in einigen Pressemitteilungen, mehrere Wirte würden ihre Türen für sie öffnen. Dass man sich dennoch so verstecken musste, muss wohl an der stabilen antifaschistischen Kampagne „den Rechten die Räume nehmen“ liegen. Und „bei Maki“ ist nicht Wolfgang Niemeyers „Parkhaus Rink“. Was der echte Justus Möser wohl dazu gesagt hätte?
Gegen kurz nach 16 Uhr sammelte der Vorsitzende und ehemalige Bundestagsdirektkandidat der AfD seine teils widerspenstigen Parteikollegen für das Highlight der Veranstaltung auf der angrenzenden Wiese ein: Eine Tombola mit Losverkauf stand an, Hauptpreis ein „Candlelightdinner“ im Osnabrücker „Romantik Hotel Walhalla“, tönte es aus dem völlig verdunkelten Vereinsheim über die Lautsprecher. Von außen wirkte die Szenerie absurd, so saß man augenscheinlich bei runter gelassenen Jalousien an einem sonnigen Tag in einem beengten Raum und ließ sich per Mikrofon über die Gewinnmodalitäten aufklären. Die Losverkaufspause nutzten die Anwesenden, um aus dem Raum ins Freie zu stürmen. Die vermeidliche Anonymität war längst aufgehoben, so saßen mittlerweile einige Gäste im Biergarten.
Das Kleingartenidyll war an diesem Tag weniger idyllisch. Zwischen langen Bärten, umgehängten Holzkreuzen und einer grottigen Frauenquote regte man sich über „die Dröge“, gemeint war die grüne Co-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, auf, musste von Papptellern essen und die Getränke wurden knapp. Man mag Hermes, Queckemeyer und Konsorten also nachsehen, dass sie mit Ende der Veranstaltung zügig den Heimweg unter den Blicken der Biergartengäste antraten. Mit Ende der Veranstaltung flog ein mit Helium gefüllter blauer Ballon über dem Vereinsheim, dem man hinterherrief, er solle „viele Wähler“ bringen. Die Nachbarn im angrenzenden Literatenviertel werden das sicherlich anders sehen.