Grüne: Dobrindts Integrationskursboykott trifft Osnabrück hart

Besuch bei der VHS

Der Zulassungsstopp von Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) zu Sprach- und Integrationskursen hat auch in der Region Osnabrück gravierende Folgen – nicht nur für die Menschen, sondern auch für Kursträger wie die VHS. Aus diesem Anlass haben Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete aus Bramsche, und Dr.in Tanja Meyer, Vorsitzende des Landesverbandes der Volkshochschulen, gemeinsam mit ihren Kolleginnen Dr. Diana Häs und Mareen Guth aus Stadt und Landkreis Osnabrück die VHS besucht und sich mit Geschäftsführer Dr. Tobias Pischel de Ascensão und Programmbereichsleiterin Dr. Anna Kamaha ausgetauscht.

„Der heutige Besuch und der Austausch mit Teilnehmerinnen eines Integrationskurses hat uns wieder einmal eindrücklich gezeigt, dass Sprache der entscheidende Schlüssel für Teilhabe und Integration ist. Das gilt sowohl für das soziale Miteinander wie auch für ein zügiges Ankommen im deutschen Arbeitsmarkt. Mit seiner Entscheidung für einen Sprach- und Integrationskursstopp trifft Dobrindt die Menschen, die Träger und Arbeitgeber*innen gleichermaßen“, beklagte Filiz Polat im Anschluss an den Austausch.

Dr. Tobias Pischel de Ascensao, Geschäftsführer der vhs|os warnte: „Kürzungen bei Integrationsmaßnahmen sind gesellschafts- und arbeitsmarktpolitisch kurzsichtig und aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Folgekosten mangelnder Sprachkenntnisse den Spareffekt um ein Vielfaches übersteigen.“

Dr.in Tanja Meyer: „Die Teilnehmerinnen schilderten uns, wie sie vor dem Spracherwerb während der Geburt des Kindes nicht mit dem medizinischen Personal kommunizieren konnten, einsam zu Hause waren oder auch frustriert sind, weil sie nicht in ihren Jobs arbeiten können oder dürfen. Alle wollen Teil unserer Gesellschaft sein, wollen bei uns in ihrem gelernten Beruf als Data Analystin, als Krankenpflegerin oder Lehrerin arbeiten, wollen, dass ihre Kinder mit den anderen Kindern im Kindergarten und in der Schule spielen können.

Keine dieser Teilnehmerinnen hätte diesen Kurs selbst bezahlen können. Alle diese Menschen, die hier bei uns leben und Teil unserer Gesellschaft sein wollen, verlieren und isolieren wir, wenn die Bundesregierung ihnen die Möglichkeit des Spracherwerbs und der Integration verwehrt. Und das obwohl sie nicht nur notwendige Fachkräfte für uns sind, sondern auch vielfach nicht mehr in ihren Heimatländern leben können. Ich kann wirklich kaum ausdrücken, wie fassungslos und wütend mich das macht.“

Mareen Guth, Fraktionsvorstand von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Osnabrück, ergänzte: „Es wurde sehr deutlich, dass Integrationskurse weit mehr als Sprachkurse sind – sie sind das Fundament für gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland. Bei unserem Besuch haben mich insbesondere die Frauen nachhaltig bewegt, die trotz oft schwieriger Biografien mit enormer Disziplin und Zuversicht lernen. Ihre Entschlossenheit zeigt deutlich: Wenn wir weiter in diese Angebote investieren, investieren wir direkt in die Zukunft unserer Kommunen.“

Aus der Antwort von Landrätin Anna Kebschull auf eine Anfrage der GRÜNEN-Kreistagsfraktion ging bereits im März hervor, dass die Entscheidung Dobrindts auch den Landkreis Osnabrück hart treffen würde. Die Volkshochschule im Landkreis Osnabrück rechnet mit bis zu 40 Prozent weniger zugelassenen Teilnehmer*innen, was nicht nur deutlich weniger Kursangebote, sondern damit verbunden auch wesentlich längere Wartezeiten und Wege bedeuten würde.

Dr. Diana Häs, Sprecherin für Frauen und Gleichstellung von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Osnabrück, bedankte sich ausdrücklich bei der VHS als Träger der Sprach- und Integrationskurse: „Die Arbeit, die hier für die einzelnen Menschen, aber auch für uns als Gesellschaft insgesamt geleistet wird, ist wirklich großartig. Diese Strukturen, das hat das Gespräch gezeigt, sind jetzt aber akut gefährdet, da die bundespolitisch bestehende Finanzierung nicht mehr ausgezahlt werden soll. Das ist ein Desaster.“

Polat verwies abschließend darauf, dass im Bundeshaushalt genügend Mittel eingestellt seien, die Sprach- und Integrationskurse in ausreichendem Umfang weiterzuführen. Sie fordert von Minister Dobrindt, seine Entscheidung zurückzunehmen und ruft die Unternehmen in der Region auf, sich dem Appell „Sprachförderung sichern heißt Zukunft sichern“ des Unternehmernetzwerk „Vielfalt ist Zukunft“ anzuschließen. Das Netzwerk setzt sich bereits seit 2024 für eine umfassende Förderung der Sprach- und Integrationskurse ein und hatte zuletzt im März 2026 gefordert, den Zugang zu freiwilligen Integrationskursen wieder vollständig zu öffnen.

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