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Montag, 2. Februar 2026

„Hinsehen lässt sich üben, Ignorieren ist fatal“

Workshop und Gründung eines Netzwerks zum Umgang mit demokratiefeindlichen Einstellungen an Schulen in Osnabrück

Hinsehen! – Dies war eine der wichtigen Botschaften eines Workshops für Schul-Sozialpädagog*innen und Lehrkräfte an Osnabrücker Schulen. Die Fortbildung fand am 22.01.2026 im Graf-Stauffenberg-Gymnasium statt und wurde vom Bündnis „Osnabrück – bunt und solidarisch!“ und dem Fachdienst Bildung der Stadt organisiert. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit demokratiefeindlichen Einstellungen im schulischen Bereich.

Als Referenten eingeladen waren Prof. Rico Behrens und Stefan Breuer, zwei ausgewiesene Experten für Didaktik der politischen Bildung an der Katholischen Hochschule Eichstätt-Ingolstadt bzw. der TU Dresden. Beide berichteten aus eigener Biographie von den „Baseballschlägerjahren“ in ostdeutschen Kleinstädten und was es bedeutete, wenn Lehrer*innen und sogar Polizei wegschauten bei Bedrohungen und Angriffen durch extrem rechte Gewalttäter.

Einstieg des Workshops war eine Übung zum Umgang mit Toleranzgrenzen. Wo liegen diese? Wann müssen wir intervenieren? Die Teilnehmenden notierten auf Zettel Situationen, die sie in ihrem Schulalltag als demokratiefeindlich erlebt hatten. Diese Stichworte wurden dann auf den Boden gelegt, diesseits oder jenseits einer „Grenze der Tolerierbarkeit“.

Anschließend konnten alle Teilnehmenden sie, zunächst stillschweigend, nach eigener Einschätzung verschieben und damit als sehr schlimm oder eher unproblematisch kennzeichnen. Mehrere Zettel wanderten erstaunlich weit hin und her im Laufe der Zeit. Dies machte sehr neugierig auf den dann folgenden, regen Austausch über unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen.

Sinn der Übung war zu vermitteln: Es ist so wichtig, dass jedes Kollegium sich genügend Zeit nimmt, die unterschiedlichen Positionen in den eigenen Reihen zu erkennen, um dann den besten Umgang mit dem Problem zu finden. Im folgenden Vortrag ging es um Fragen der Intervention: Wie klar in ihrer Position gegen demokratiefeindliche Einstellungen dürfen und müssen Lehrkräfte bzw. Schul-sozialpädagog*innen sein? Und vor allem: Wie sollen sie vorgehen, wenn „etwas passiert“ ist? Vorgestellt wurde ein hilfreiches Modell, demokratiefeindliche Vorfälle im Schulalltag anhand von vier verschiedenen Dimensionen zu verstehen: auf der pädagogische und der rechtlich-administrativen Ebene, in der systemischen und der politischen Perspektive.

Die Referenten betonten: Ganz entscheidend dafür, dass das pädagogische Eintreten für die Gleichwertigkeit aller Menschen bei den Schüler*innen ankommt, ist die Erfahrung, dass Lehrer*innen und Schul-Sozialpädagog*innen ihnen tatsächlich wertschätzend und respektvoll begegnen. Um politische „Neutralität“ geht es dagegen nicht. Schließlich gründeten die Teilnehmenden ein Netzwerk zur Weiterarbeit: Maike Kaufmann von der Domschule und Alex König vom GSG plädierten stark dafür, gemeinsam weiter am Thema zu bleiben und die neu entstandenen Kontakte auszubauen zu einem Netzwerk, das sich antidemokratischen Tendenzen an Schulen entgegenstellt.

Mittels digitaler Abfrage konnte schnell erfasst werden, welche Themen und Ideen für ein Netzwerk bereits bestehen. Das erste Netzwerktreffen wird am 03.03.2026 um 19:00 Uhr in der Domschule (H6) stattfinden.

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