„trotzdem da!“: Ausstellung bringt Licht in fast vergessene Kinderschicksale

Eröffnung am 3. Mai in der Gedenkstätte Augustaschacht 

Vom 3. Mai bis 30. Juni 2026 zeigt die Gedenkstätte Augustaschacht, Zur Hüggelschlucht 4, 49205 Hasbergen, während ihrer Öffnungszeiten die Ausstellung „trotzdem da! – Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen“. Der Eintritt ist frei. Die Eröffnung findet am Sonntag, 3. Mai 2026, um 15 Uhr statt.

Die Wanderausstellung „trotzdem da!“ ist das Ergebnis eines überregionalen Forschungs- und Ausstellungsprojekts, das 2023 und 2024 von der Gedenkstätte Lager Sandbostel umgesetzt wurde. Sie erzählt die Lebensgeschichten von Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs oder in der frühen Nachkriegszeit aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen hervorgingen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus waren freundschaftliche und intime Kontakte zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen unerwünscht. Zum Teil waren sie streng verboten. Doch sie sind „trotzdem da“: Kinder, die aus solchen Beziehungen hervorgegangen sind. Ihre Geschichten wurden lange tabuisiert. Sie sind wissenschaftlich wenig erforscht und in der Erinnerungskultur kaum präsent. Die im Dezember 2024 eröffnete Wanderausstellung ist ihren Lebensgeschichten gewidmet.

Die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht erinnern in der Region Osnabrück an Kinder mit ähnlichen Schicksalen. Im Gestapokeller wird etwa die Geschichte der Deutschen Hilde Reinköster thematisiert, aus deren Verhältnis mit dem polnischen Zwangsarbeiter Joseph Grzeskowiak ein Kind hervorging. Das Mahnmal bei der Gedenkstätte Augustaschacht erinnert u. a. an Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die in den Hüggel-Lagern Ohrbeck I/II verstarben. Seit 2023 erinnert ein Mahnmal am Wilhelm-Mentrup-Weg an das Gemeinschaftslager Süd III, das sog. „Lager Fernblick“: Im dortigen „Entbindungsheim für schwanger gewordene Ausländerinnen“ wurden 312 Kinder geboren, von denen 42 kurz nach der Geburt starben. Auf dem Heger Friedhof erinnert außerdem die „Gedenkstätte der verstorbenen Kinder der Zwangsarbeiterinnen 1942-1946“ an das Schicksal von 108 Kindern.

Bei der Eröffnung am 3. Mai spricht Landrätin Anna Kebschull ein Grußwort. Anschließend führt Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel und verantwortlicher Ausstellungsmachender, in die Ausstellung „trotzdem da“ ein. Zeitzeuge Peter Kurbjuweit, der selbst aus einer solchen „verbotenen“ Beziehung hervorging und ein Buch über seine Lebensgeschichte geschrieben hat, berichtet über seine Mitarbeit an der Ausstellung.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte Augustaschacht wird gefördert von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, dem Landkreis Osnabrück und der Gemeinde Hasbergen.

Auf der Website zur Ausstellung finden sich vertiefende Informationen: Biografien, historische Hintergründe und Wissenswertes zum Projekt. Ergänzend stehen Bildungsmaterialien für Multiplikator*innen zur Verfügung.

Außerdem ist ein Begleitband zur Ausstellung erhältlich. Basierend auf der Ausstellung widmet sich der Katalog den Lebensgeschichten von Kindern aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeiter*innen oder Kriegsgefangenen. Ergänzt werden die Ausstellungsinhalte durch Begleittexte, die einen Einblick in die Projektarbeit und eine Vertiefung der Inhalte bieten. Der Begleitband wird herausgegeben von Lucy Debus uns Andreas Ehresmann und erscheint beim Verlag Assoziation A (24 Euro). Er ist in der Gedenkstätte Augustaschacht käuflich zu erwerben.

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