Welt-Impfwoche: Osnabrücker STIKO-Ärztin Dr. Anja Kwetkat klärt über Impfungen auf

Wie können wir bei schwerden Viruserkrankungen vorbeugen?

Früher fürchteten wir gefährliche Viruserkrankungen – heute diskutieren wir darüber, ob Impfungen überhaupt nötig sind. Hat sich unsere Wahrnehmung so stark verändert? Dr. Anja Kwetkat, Chefärztin der Klinik für Geriatrie und Palliativmedizin am Klinikum Osnabrück und Mitglied der Ständige Impfkommission (STIKO) des Bundesministeriums für Gesundheit klärt über Impfungen auf.

Das Piepen der Krankenhausgeräte wird schneller. Schritte hallen über den Flur. Ärzte sprechen hektisch durcheinander. Das alles wegen einer Infektion, die eigentlich vermeidbar gewesen wäre. Zwar ist die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten aufgrund impfpräventabler, also durch Impfung vermeidbarer Erkrankungen in Deutschland zurückgegangen, dennoch bleibt sie bei bestimmten Personengruppen relevant.


Osnabrücker STIKO-Ärztin: Impfbereitschaft bei Erwachsenen sinkt

Impfen ist eine zu wenig beachtete Säule der Prävention, bestätigt Dr. Anja Kwetkat. Die Osnabrücker Chefärztin, seit 2024 Mitglied der STIKO, stellt fest: „Die Impfbereitschaft war bereits vor der Corona-Pandemie unzureichend, vor allem bei Erwachsenen. Sie ist durch die Pandemie nicht besser, aber auch nicht dramatisch schlechter geworden. Allerdings setzt sich der Abwärtstrend aus der Prä-Pandemie Zeit weiter fort.“ Die Impfquote der Grippe-Impfung, die bei den 60-Jährigen in der Saison 24/25 bei 34 Prozent lag, sei auf dem niedrigsten Stand seit 17 Jahren, betont die Medizinerin.


STIKO-Impfkalender enthält die empfohlenen Standardimpfungen

Doch welche Impfungen sind nun wirklich sinnvoll – bei Erwachsenen und bei Kindern? Kwetkat verweist auf die von der STIKO empfohlenen und regelmäßig aktualisierten Empfehlungen. Die sind im Impfkalender 2026 online zugänglich und spezifisch aufgelistet: für das jeweilige Alter, aber auch für Risikogruppen wie Menschen mit bestimmten Erkrankungen, besonderen Lebensumständen oder beruflicher Exposition.

“Im höheren Lebensalter und bei Menschen mit Vorerkrankungen erscheinen vor allem Impfungen gegen Grippeviren, Pneumokokken und RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) besonders wichtig.“ Kwetkat weist darauf hin, dass die Impfung nicht nur die eigentliche Infektionskrankheit und daraus resultierende Krankenhausaufenthalte, sondern darüber hinaus auch das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkte in der Folge solcher Krankheiten reduziere.


Gürtelrose-Impfung: Dr. Anja Kwetkat sieht hohe Wirksamkeit

Und wie steht die Osnabrücker Ärztin zu der aktuell vielbeworbenen Gürtelrose-Impfung für Menschen ab 60 Jahren? „Ich halte von der Impfung sehr viel, weil sie gut wirksam ist und das Auftreten einer Gürtelrose sowie den damit verbundenen Komplikationen deutlich reduziert. Eine Gürtelrose kann zu schweren Schmerzen führen, die teilweise nur sehr schlecht auf die Therapien ansprechen.“ Obwohl die Impfung bereits seit 2018 empfohlen wird, zeigt eine Impfquote von derzeit 24% bei den über 60-Jährigen, dass die Mehrheit damit nicht geschützt ist. „Mit der Kampagne hat der Hersteller als Wirtschaftsunternehmen sicher auch ein wirtschaftliches Interesse, das ändert aber nichts an dem Nutzen der von der STIKO empfohlenen Impfung“, bestätigt Kwetkat.


Reiseimpfungen: Alter, Ziel und Reiseart zählen

Bleibt noch die Frage nach Reiseimpfungen. Pro Jahr verreisen immerhin 62 Mio. Deutsche. Braucht eine Reiseimpfung wirklich jeder – oder macht es einen Unterschied ob man im First Class Hotel oder mit dem Rucksack im Landesinnern unterwegs ist? „Es kommt immer auf Details an: wer reist, also Alter, Vorerkrankungen, Impfanamnese. Dann spielen Reiseziel und Reisezeit eine Rolle, die Reiseart und Dauer.“ Kwetkat empfiehlt eine reisemedizinische Impfberatung beim Arzt. Auch die STIKO, sagt sie, veröffentliche gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit erarbeitete reisemedizinische Impfempfehlungen.


Impfstatus prüfen – Klinikum Osnabrück betont Schutzwirkung

Impfungen, so die Chefärztin des Osnabrücker Klinikums, gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin und verhindern jährlich zahlreiche Krankenhausaufenthalte und auch Todesfälle. Dass sie oft hocheffektiv sind und im besten Fall Krankheiten ausrotten können, sieht man an den Pocken. Anlässlich der Welt-Impfwoche ruft auch das Klinikum Osnabrück alle Menschen auf, ihren Impfstatus zu überprüfen und bestehende Impflücken zu schließen.

 

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