„Wo ich hinhaue, wächst kein Gras mehr“, Spitzname „Bulldogge“
Der gebürtige Osnabrücker Friedrich Wilhelm Buntrock war im „Theresienstädter Familienlager“ Rapportführer und Lagerleiter. Aufgrund seines brutalen Auftretens wurde Buntrock „Bulldogge“ genannt. Von ihm selbst stammt der Ausspruch: „Wo ich hinhaue, wächst kein Gras mehr.“ Buntrock wurde im Krakauer Auschwitzprozess zum Tode durch den Strang verurteilt und in Krakau hingerichtet.
Buntrock wurde am 8. März 1909 in Osnabrück geboren und war von Beruf Fabrikschmied. Seit 1935 war er SS-Mitglied (Nr. 259831), seit Dezember 1941 SS-Sturmmann, am 20. April 1942 SS-Rottenführer, 1. September 1943 SS-Unterscharführer, ab 1937 NSDAP-Mitglied (Nr. 4.435.972).
Block- u. Rapportführer in Auschwitz – Theresienstädter Familienlager, genannt „Bulldogge“
Von Juli 1942 bis August 1944 war der Osnabrücker als Wachmann, Block- und Rapportführer in Auschwitz tätig, ab Herbst 1943 im Familienlager, wo er von den Häftlingen „Bulldogge“ genannt wurde. Das „Theresienstädter Familienlager“ mit Juden aus Theresienstadt begann am 8. September 1943 mit der Einlieferung von 5.006 Männern, Frauen und Kindern im Birkenauer Lagerabschnitt BIIb; es existierte bis Juli 1944; das Lager war rechteckig, die Seiten ungefähr 600 x 130 mtr. lang, der ganze Teil war von einem Stacheldrahtzaun und einem Entwässerungsgraben umgeben. Das Lager wurde von SS-Posten auf Wachtürmen beaufsichtigt.
Buntrock beteiligt an Massenmorden, individuellen Totschlägen und Misshandlungen
Vor dem Lagertor war ein hölzernes Wachhaus, die Blockführerstube. Von hier herrschte über das Lager der Rapportführer Fritz Wilhelm Buntrock, ein brutaler und hinterhältiger Mörder. Aus seiner Kanzlei beobachtete er das Lager durch sein Feldglas und niemand konnte vor seinen Torturen sicher sein. Buntrock wurde wegen seines Anteils an Massenmorden, individuellen Totschlägen und wegen Misshandelns der Häftlinge zum Tode verurteilt und hingerichtet.
„Das Theresienstädter Familienlager“
Anders als der Name suggeriert, lebten im Familienlager Frauen und Männer getrennt. Die Häftlinge hatten aus propagandistischen Gründen einige wenige Privilegien; Sie trugen Häftlingskleidung, aber nicht die gestreiften KZ-Anzüge, durften die Haare lang lassen und gelegentlich zensierte Briefe schreiben. Die Kinder hatten eine Schule, es gab einen Kindergarten. Alle bekamen jedoch eine Häftlingsnummer tätowiert. Als Wohnraum dienten Pferdestallbaracken. Die Sterblichkeit war hoch.
Miroslav Karny zur Hygiene (Auszug): „Jede der drei Lagerlatrinen bestand aus drei Betonplatten, mit jeweils 132 runden Löchern in zwei Reihen, wo man an beiden Seiten, Rücken an Rücken, saß, Männer und Frauen gemeinsam.“ Der Überlebende Ludek Klacer zum Lageralltag (HvA 20): „Um fünf ist Weckruf mit üblichem Lärmen und Schimpfen und unumgänglichen Stockhieben, die auf die von Hunger und Qual ausgezehrten Körper fallen. In einer halben Stunde musst du angezogen sein, zum Wachraum gehen, um ein paar Wassertropfen zum Waschen aus den halbleeren Röhren aufzufangen, die Pritsche und um die Schlafstelle herum alles in Ordnung bringen, ein paar Schlucke des bitteren, lauen Getränkes ohne Geschmack zu dir nehmen und um Viertel vor sechs am Platz in der Reihe stehen – vorbereitet zum Appellzählen. Endlich ist es sechs Uhr, wir Lebendigen stehen einer neben dem anderen in Fünferreihen. Die Körper derjenigen, die in der Nacht verstorben waren, liegen hinter uns auf der Erde, vor dem Eingang in den Block.“

Liquidierung des Lagers, Buntrock an Vergasungen beteiligt
Der Osnabrücker Buntrock war an der Liquidierung des Lagers beteiligt. Von insgesamt 17.517 Häftlingen überlebten nur 1.167. In der Nacht vom 8. und 9. März 1944 kamen 3791 der Theresienstädter „ins Gas“, in den Nächsten vom 10. zum 11. und vom 11. zum 12. Juli 1944 etwa 6.500. Als arbeitsfähig eingestufte Juden waren zuvor in andere Lager geschickt worden. 70 Zwillinge wurden auf Anordnung Mengeles zu Versuchen zurückgestellt. Damit endete das „Theresienstädter Familienlager“. Quelle: Karny.
Danach war Buntrock im „Zigeunerlager“ tätig. Vor der Vergasung der Insassen des Zigeunerlagers meldete sich der Rapportführer dieses Lagers, der Volksdeutsche Paul Bonigut aus Kroatien, krank; er wollte nicht mitmachen. Buntrock hat an seiner Stelle den Abtransport der Zigeuner zur Gaskammer geleitet. Wie sich der Schreiber des Zigeunerlagers, Tadeusz Joachimowski, erinnert, soll Bonigut vorher die Liquidierung dieses Lagers hinausgezögert und damit viele gerettet haben, die vor der endgültigen Vernichtung noch verlegt wurden. Die Insassen der Zigeunerlager hatten sich mit Werkzeugen und Knüppeln bewaffnet, verbarrikadierten sich und kündigten einen blutigen Kampf an. Sie hatten sich vorher bis zum äußersten gegen die Vergasung gewehrt.
Babys gegen Ofen geschleudert und Kinder an Barackenwand geworfen
Laut Zeugenaussage: „Wir hörten ein furchtbares Geschrei. Die Zigeuner wussten, dass sie in den Tod geschickt werden sollten und sie schrien die ganze Nacht.“ Wir brutal die SS-Männer vorgegangen sind, verdeutlicht auch eine Zeugenaussage: „Eine Zigeunerin, die Zwillinge hatte, wollte ihren Kinderwagen nicht hergeben. Sie wehrte sich verzweifelt. Da griff der SS-Mann Willi Boger die beiden Babys an den Beinen und schleuderte sie gegen den Ofen. Ebenso sadistisch mordete er, als die Insassen ins Gas getrieben wurden: Sieben Kinder, im Alter von vier bis sieben Jahren, packte Boger und warf sie an die Barackenwand. Sie waren sofort tot.“
Ermordungen in Krematorien
In den Krematorien wurden die Opfer in einzelnen Gruppen unter Anwesenheit von Schutzhaftlagerführer Johann Schwarzhuber und des Leiters des Sonderkommandos Otto Moll ermordet. Am Morgen des 3. August 1944 wurden schließlich auch jene, die sich zunächst im Lager verbergen konnten, von SS-Angehörigen erschlagen oder erschossen. In den Baracken (Blocks) und auch später in den Krematorien müssen sich erschütternde Szenen abgespielt haben, die durch Augenzeugen belegt und dadurch dokumentiert sind.
Buntrock wollte Akt einer Schönheit
Nach Aussage des ehemaligen Häftlings, der Malerin Dina Babbitt, wollte Buntrock von ihr die Vergrößerung des Miniaturaktes einer Schönheit mit roten Schamhaaren haben. Gegen Zigaretten. Die tauschte sie wiederum gegen Brot. Der Osnabrücker kam später noch mal, weil das Bild ein Loch hatte an der Stelle der Schamhaare.
Buntrock hat das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern erhalten.
Verurteilung und Hinrichtung in Krakau
Am 22. Dezember 1947 wurde Buntrock im Krakauer Auschwitzprozess vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens zum Tode durch den Strang verurteilt und am 24. Januar 1948 im Krakauer Gefängnis Montelupich hingerichtet.
Ausgewählte Quellen
- „Auschwitz: Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde.“ HG.: Klee, Ernst. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 73-74.
- „Hefte von Auschwitz 20“, HG.: Verlag staatliches Auschwitz-Museum 1997. Text von Kárný, Miroslav, Seiten 138, 154.
- „Menschen in Auschwitz“, HG.: Langbein, Hermann. Seite 623.
- „Über den Widerstand der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Mai-August 1944“, Vortrag 11. Mai 2021, von Prof. Dr. Benjamin Ortme
Vorhergehende Folgen und weitere Veröffentlichungen des ILEX-Kreises
Redaktioneller Hinweis
Dieser und auch andere Beiträge unserer Serie werden vor einer geplanten Buchveröffentlichung noch ausführlicher bearbeitet und mit entsprechenden Literatur- und Quellenhinweisen versehen.












