Sonntag, 14. Juli 2024

90 Jahre Bücherverbrennung: Impulse von der Sommerbühne

Bündnis freut sich über große Resonanz

Am 10. Mai hat sich zum 90. Mal jener verhängnisvolle Tag deutscher Geschichte gejährt, an dem Nationalsozialisten im Feuer die Bücher solcher Autorinnen und Autoren verbrannten, die für die damaligen Machthaber als jüdisch, sozialistisch, demokratisch, generell als „undeutsch“ galten. Dass man aus einer historisch anmutenden Gedenkveranstaltung eine brandaktuelle Nachdenkveranstaltung machen kann, bewies einmal mehr ein erprobtes Bündnis. Zusammengesetzt war es aus den OMAS GEGEN RECHTS, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) sowie dem örtlichen Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Bewährter Schauplatz des Geschehens war wie im Vorjahr die Dodesheider Sommerbühne nahe dem Mehrgenerationanspielplatz an der Lerchenstraße. Gut 150 Besuchende bildeten unter blauem Himmel bis zum Ende ein gut mitgehendes Publikum.

„Mit solchen Angeboten wollen wir Lehren aus der Vergangenheit ziehen, konsequent Demokratie für das Heute einfordern und alles tun, damit auch für unsere Zukunft Toleranz und Meinungsfreiheit gesichert werden“, erläuterte Heike Tennstädt, aktives Mitglied der OMAS GEGEN RECHTS, die wichtigsten Ziele der Veranstaltung. Dankbar wies sie eingangs darauf hin, dass die finanzielle Unterstützung durch das städtische „Nette Quartier“ überaus wichtig gewesen sei, um das Gesamtprogramm zu realisieren.


Theaterstück und
Literaten im Garten“

Den Auftakt bidete Operngesang aus Werken von Brecht und Weil. Viel Zuspruch fand danach der Beitrag einer Schüler*innengruppe der Kooperativen Gesamtschule Schinkel. Mit ihrem selbst entwickeltem Stück schlug das Team einen Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Was mit eindrucksvollen Zitationen ehemals verfolgter Literat*innen begann, endete mit Verweisen auf verfolgte Menschen aus Literatur und Journalismus, die heutzutage, beispielsweise im Iran, zu Opfern staatlicher Unterdrückung werden.

Omas gegen Rechts präsentieren „Literatur im Garten“Omas gegen Rechts präsentieren „Literatur im Garten“

Ortstermine unter nach verfemten Autoren benannten Straßenschildern im Dodesheider Literatenviertel bildeten das Zwischenprogramm. In der auch als „Siedlung Hof Hanesch“ bekannten Örtlichkeit sind Straßen nach seinerzeit verfolgten Schriftstellern wie Reinhold-Schneider, Kurt Tucholsky, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Stefan Zweig und Lion Feuchtwanger benannt. Zum Auftakt des Rundgangs stellte Künstler Dominikus Witte das von ihm anno 1986 geschaffenen Mahnmal zur Bücherverbrennung vor. Zu finden ist es seitdem am Teich hinter dem Haster Weg. Viel Zuspruch fand ein symbolisches „Gespräch der Literaten im Garten“, dass die OMAS GEGEN RECHTS ideenreich zusammengestellt hatten. Zwischen Pflanzen und Gartenhäuschen präsentierten die engagierten Frauen Antworten auf die Frage „Was geben uns die Literaten von damals für das Heute mit auf den Weg?“

Die Rückkehr zur Sommerbühne lockte mit zahllosen Wiedersehenstreffen, spannenden Gesprächen und Planungen neuer Aktivitäten. Für den musikalischen Background sorgte die Gruppe „King π and the SKAYARDS“, die als „Cable Street Beat-Band“ antifaschistisches Liedgut präsentierten. Am Rande sorgten das Druckfahrrad mit live erstellten Plakaten des Künstlers Manfred Blieffert sowie Büchertische der Buchhandlung Zur Heide sowie des Dodesheider Autors Heiko Schulze für ein künstlerisch-literarisches Begleitangebot. Ebenso präsent zeigten sich Einrichtungen wie der benachbarte Friedensgarten, Exil e.V., das Nette Quartier, der DGB, VVN BdA sowie das Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße mit jeweils eigenen Informationen und Mitmachangeboten.

Viel Austausch an den Info-StändenViel Austausch an den Info-Ständen

Vielfalt im nachbarschaftlichen Miteinander

Heike Tennstädt zog gegenüber der OR am Ende ein optimistisch anmutendes Resümee: „Wir haben gemeinsam gezeigt, dass sich hier alle Generationen gemeinsam für Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit stark gemacht haben. Dazu hat sich eine großartige Vielfalt im nachbarschaftlichen Miteinander zusammengefunden, um Demokratie lebendig zu gestalten. Eine derartige Vielfalt ist die ideale Voraussetzung dafür, ein komplexes Thema wie die historische Bücherverbrennung so zu präsentieren, dass wir den Wert unserer heutigen Demokratie und den zeitlosen Kampf gegen rechts umso besser unterstreichen können.“

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