Freitag, 19. April 2024

Kultur steht stark gegen Rechts

Kundgebung vor dem Theater am Internationalen Tag gegen Rassismus

Was eignet sich idealer für eine Manifestation gegen Rechts als der gestrige „Internationale Tag gegen Rassismus“? Nicht nur in Osnabrück, sondern weltweit ertönte am 21. März ein deutliches Signal gegen Diskriminierung, Populismus und Hetze von Rechts. Das Aufstehen dagegen ist aus einer Vielzahl von Beweggründen angesagt: Massiv bedroht sind nicht nur sozial Benachteiligte, Menschen mit Migrationshintergrund oder solche, die frei nach ihrer sexuellen Orientierung leben möchten. Auch für die freie Kultur bedeutet das Engagement gegen Rechts nichts weniger als ein nackter Existenzkampf. Grund genug, dass Osnabrücks Kulturschaffende gestern zu einer ganz besonderen Kundgebung gegen Rechts aufgerufen hatten.

Foto: Anne Reinert
Foto: Anne Reinert

Über dreißig Träger*innen der Osnabrücker Kulturlandschaft hatten den Aufruf zur Zusammenkunft unterzeichnet. Viele Hunderte waren der Einladung, zusammenzukommen, gefolgt. Unter der engagierten Moderation von Joanna Willenbrink – musikalisch wiederholt untermalt durch Musik Ubuntu – entwickelte sich vor dem Osnabrücker Theater ein vielfältiges Programm.

Die Kundgebung begann mit den Worten: „Wir nehmen hier ein Grundrecht wahr!“ Jener selbstverständlich klingende Satz, dies sei vorangeschickt, droht für viele außerhalb des aktuellen Engagements keineswegs mehr selbstverständlich zu sein. „Vielleicht ist es manchen entfallen, wie bedeutend die Aussage ist“, räumte DGB-Sekretär Olaf Cramm am Rande der Kundgebung ein. „Dieser Tage werden von so vielen Seiten Grundrechte – unabänderliche übrigens – infrage gestellt. Ein guter Tag, auf die Wahrnehmung von Grundrechten hinzuweisen.“

Das Statement der „Osnabrücker Kultur für Vielfalt und Demokratie“, verlesen von Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums sowie von Sophia Grüdelbach, Theatervermittlerin Transkulturelles am Theater Osnabrück, machte schnell mit gut gesetzten Worten klar, worum es thematisch ging. Der Verlauf der Zusammenkunft machte außerdem sehr deutlich: Wenn Kulturschaffende sich erklären, geht es etwas anders zu als bei Demonstrationen und Kundgebungen, in denen vor allem programmatische Willenserklärungen im Vordergrund stehen.


Wirkungsvolle Einzelbeiträge

Die jeweils sehr einfühlsame Musik von Musik Ubuntu,  Balkan Rock Duo und Jaikoru hatten allesamt die Würde der Menschen im Blick. Ein Gedicht von Sadaf Zahedi, professionell rezitiert von Mitgliedern des örtlichen Theaters, Textbeiträge von Slam Sulaiman Masomi sowie May Ayim und Lua Mariell Barros Heckmanns warfen einen treffenden Blick auf jene rechtsextremen Menschenfeinde, die sich derzeit an wachsenden Umfragewerten der AfD erfreuen. Alles waren Worte, die, von Könner*innen gesprochen, der Vielfalt der Kundgebung einen besonderen Ausdruck verliehen. Eine Schweigeminute für die Opfer von Rassismus bereicherte alles durch einen Moment des Innehaltens. Am Schluss sang die Versammlung dreistimmig den Aufruf zum Widerstand – passend intoniert von Linda Efferts und ihrer Band.

Foto: Olaf Cramm, DGB Osnabrück
Dieses und folgende Fotos: Olaf Cramm, DGB Osnabrück

Foto: Olaf Cramm/DGB Osnabrück

Wünsche für die Zukunft

Mit Kind und Kegel, Kostüm und Plakat, waren viele derer dabei, denen der Sinn nach öffentlichem Protest stand. „Abgrenzen und Bekennen ist das eine. Es wäre an der Zeit, den nächsten Schritt zu wagen. Erinnert und gemahnt wurde oft. Die Zukunft zu gestalten, gern demokratisch, ist nun angesagt. Eine Aufgabe, die niemand besser als wir zusammen erstreiten, gestalten können. Einige Anregungen dazu sind gegeben“, fasste Olaf Cramm den Eindruck vieler gegenüber der OR-Redaktion zusammen.

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