Donnerstag, 22. Februar 2024

Migrantischer Widerstand – damals, heute, morgen!

Vier Jahre Hanauer Morde: gewerkschaftliche Kundgebung und Ausstellung ab 19. Februar

Demokratischer Widerstand gegen menschenverachtende Politik und deren brutale Handlungen besitzt eine langjährige Tradition. Zugleich bleibt ein solcher Widerstand eine nachhaltige Aufgabe für Gegenwart und Zukunft. Denn der Hintergrund ist erschreckend: Die Bundesregierung hat bis Dezember 2020 insgesamt 113 Opfer rechter Gewalt anerkannt. Unabhängige Recherchen gehen jedoch von bis zu 311 Todesopfern aus. Außerdem gibt es eine hohe Dunkelziffer von möglichen rechtsextremen Tötungen, die nicht als solche erkannt oder gemeldet wurden. In besonders hohem Maße waren Menschen mit Migrationshintergrund das Opfer dieser rechten Gewalt.


Rechts bedroht Menschenleben

Die genannten Zahlen zeigen, wie gefährlich der Rechtsextremismus für die Gesellschaft ist und wie wichtig es ist, sich dagegen aktiv zu wehren. Denn wir alle wissen: Menschen mit Migrationshintergrund sind ein wichtiger Teil von Deutschland. Sie alle haben das Recht, hier sicher und friedlich zu leben. Die meisten der bisherigen Opfer starben beispielsweise bei den Anschlägen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der zehn Menschen ermordete, neun davon mit türkischen oder griechischen Wurzeln. Weitere Todesopfer gab es bei rassistisch motivierten Angriffen beispielsweise in Hanau, Halle, Kassel und Chemnitz. Opfer rechtsextremistischer Gewalt gibt es seit Jahrzehnten damit bereits so viele, dass durchaus reale Vergleiche mit dem mörderischen Treiben von Faschisten und Nationalisten in der Weimarer Republik angesagt sind, die bereits vor der Machtübergabe 1933 stattgefunden haben. Damals waren es Kommunisten und Sozialdemokraten, die den Morden der Faschisten zum Opfer fielen. Heute sind es vor allem Menschen aus anderen Nationen, Kulturen und Religionen.

Ortseingangsschild von Hanau: Vor vier Jahren Wegweisung für rechte Morde

Hanau bleibt unvergessen

Vier Jahre sind inzwischen seit den Hanau-Morden vergangen. In der Tat ist es an der Zeit, an dieses furchterregende Ereignis zu erinnern. Was war damals geschehen?

In knapp fünfzehn Minuten gab es zehn Tode. In der Nacht des 19. Februar 2020 erschoss Tobias R. in der hessischen Stadt neun Menschen in und vor zwei Shishabars sowie bei der Fahrt zu den Tatorten. Seelenruhig hatte der 43-Jährige Männer und Frauen hingerichtet, die er für „nicht-weiß“ und „nicht-deutsch“ hielt. Sechs weitere Menschen verletzte er. Eine Stunde später, so wurde berichtet, drang ein Spezialkommando der Polizei in die Wohnung der Eltern ein, fand die Mutter von R. und ihn selbst tot vor. Ein Blick ins Netz hatte Pamphlete und Videos auf Englisch und Deutsch dokumentiert. Allesamt waren es Dokumente zwischen Rechtsextremismus und Rassismus, Verfolgungs- und Größenwahn. In seinem Manifest „Botschaft an das gesamte deutsche Volk“ hatte der rechte Mörder von einem Krieg geschrieben, der „als Doppelschlag zu verstehen“ sei gegen die „Geheimdienstorganisation und gegen die Degeneration unseres Volkes! Menschen kommen und gehen. Das was bleibt ist das Volk!“. Hass auf Israel und verächtliche Äußerungen gegenüber dem Islam folgten.


Selbstorganisation nimmt zu. 19. Februar als Datum zum Vormerken

Dass die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund nicht tatenlos hingenommen werden darf, unterstreicht eine aktuelle Ausstellung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dargestellt werden dabei „Protest und Selbstorganisation unserer Kolleg*innen und Mitstreiter*innen“, wie es im entsprechenden Ankündigungsflyer heißt. Vom 19. Februar bis zum 15. März lädt das Foyer des Gewerkschaftshauses am August-Bebel-Platz dazu ein, die eindrucksvolle Präsentation anzuschauen.

Vorzumerken ist zunächst der 19. Februar. Nicht im Gewerkschaftshaus, sondern vor dem benachbarten Hauptbahnhof findet die Auftaktveranstaltung mit dem Titel „Hanau mahnt“ statt.

„Der Ruf nach Konsequenzen wird erneuert! Zum 4. Jahrestag des rassistischen Mordens erinnern wir an die Opfer“, heißt es in der Ankündigung. Die Kundgebung wird wieder von einem Bündnis vorbereitet und steht in Beziehung zu der Hanauer Initiative 19. Februar. Aktive Unterstützung bekommt der DGB bislang von der Universität Osnabrück, vom dort ansässigen Institute for Migration Research and Intercultural Studies sowie von der niedersächsischen Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Eine Stunde Auftaktveranstaltung auf dem Bahnhofsgelände, um 18:00 Uhr, geht es gemeinsam zur Ausstellungseröffnung ins Gewerkschaftshaus. Die Präsentation wird von da an täglich zwischen 09:00 und 17:00 Uhr zu sehen sein, freitags bis 13:00 Uhr. Naturgemäß ist der Zugang kostenfrei.

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