4. Juni 1844: Aufstand der Weber im schlesischen Eulengebirge

Der Weberaufstand ist eine der Initialzündungen für die 1848er Revolution

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch …

Und es ist auch der Anlass für Heinrich Heines Gedicht „Die armen Weber“, das am 10. Juli 1844 im „Vorwärts!“ von Karl Marx (siehe ganz unten) zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

1847 erschien dann die von Heinrich Heine persönlich revidierte und erweiterte Fassung „Die schlesischen Weber“.

Hier nun beide Versionen und am Ende eine großartige, mitreißende Vertonung der 1847er Fassung durch die ehemalige Wiener Folkrock-Band „Die Schmetterlinge“, die man sich unbedingt anhören sollte! Unvergessen dabei Willi Resetarits‘ einmalige Stimme, der vor einem Jahr tödlich verunglückte.


Die armen Weber (1844)

Im düstern Auge keine Thräne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch!
Wir weben! Wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, dem blinden, dem tauben,
Zu dem wir gebetet mit kindlichem Glauben;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt.

Wir weben! Wir weben!

Ein Fluch dem König’, dem König’ der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der uns den letzten Groschen erpreßt,
Und uns wie Hunde erschießen läßt!
Wir weben! Wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Lüg’ und Schande,
Wo nur Verwesung und Todtengeruch –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch!
Wir weben! Wir weben!


Die schlesischen Weber (1847)

Im düstern Auge keine Träne
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt –
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen
Der den letzten Groschen von uns erpresst
Und uns wie Hunde erschießen lässt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!

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