Mittwoch, 26. Januar 2022

Das neue Bilderrätsel gegen Diktatur und Lügenpresse

Kär, Kär, Kär!

Mit Bilderrätseln demonstrierten gestern etwa 1.000 Leute (laut Polizeibericht) aus wenig nah und ganz viel fern – die Parkplätze bei REWE und hinter der Schlosswallhalle waren nach statistischen Erhebungen zu 95,7 % von auswärtigen Fahrzeugen mit ländlichen Kennzeichen und hochgesetzten Bremsleuchten belegt. Einige Hutablagen outeten ihre Herkunft mutig mit Arminia-Bielefeld-Fanschals.

Diese skurrile Mischpoke mit einer Geisteshaltungsmelange aus homöopathischer Schwurbelei und rechtsradikaler Bauernschläue traf sich zunächst im Schlossgarten, um dann über den Johannistorwall zu der Lügenpresse-Zentrale schlechthin, nämlich dem NOZ-Mediengebäude, und wieder zurückzulaufen. Was für eine vertane Chance: Beim nächsten Mal unbedingt ein Impfzentrum unten im Saal des Mediengebäudes einrichten.

Die Frage, wo sich solche Leute ihre geheimen Informationen herholen, habe ich vorgestern in diesem Artikel ausführlich belegt. Coronaleugner*innen sind vor allem Wahrheits- und Wissenschaftsleugner*innen, wie man schon an der Parole „Wir sind viele … und werden immer mehr“ feststellen kann. Sie verweigern sich schlichtweg die Realität: Was mit 2.300 Teilnehmer*innen im vergangenen Jahr begann, wurde von Mal zu Mal weniger und landete nun gestern bei nur noch rund 1.000 Demonstrant*innen, von denen die meisten als Tagestourist*innen nach Osnabrück gekommen waren.

Bevor die Spritpreise weiter steigen, sollte sich das Tourismusbüro der Stadt möglichst bald um diese neue, sehr spezielle und reisefreudige Klientel kümmern. Für die esoterische Fraktion wären Wochenendkurse wie „Selber Atmen“ oder „Gemeinsam nach rechts Pendeln“ angesagt. Rechtsradikale hingegen wollen eher Action wie „Betreutes Saufen“  oder „Asylanten Klatschen“. Um diese schlichten Gemüter geistig nicht zu überfordern, wären ein „Björn Höcke“-Starschnitt oder ein Randgruppenkurs „Wie male ich als Linkshänder ein Hakenkreuz richtig herum?“ angebracht.

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Als ich einige Umstehende im Schlossgarten auf diese beiden Herren (Foto oben) ansprach und sagte: „Ach, Rechtsradikale sind wieder mal nicht dabei?“ zuckten diese nur mit den Achseln, was nichts anderes als „na und?“ heißt, andere winkten genervt ab – genervt von mir, nicht von den Nordmännern. Daraus lässt sich nur schließen, dass solche Neonazis ganz einfach dazugehören. Liest man in den Telegram-Gruppen, dann gehören sie nicht nur dazu, dann sind sie sogar die entscheidenden Antreiber. Wer sich seine Informationen bei RT Deutsch oder Tichys Einblick besorgt, dem ist eigentlich ohnehin nicht mehr zu helfen. Reichsbürger, die sich durch das Tragen verkehrt herum getragener Deutschlandfahnen untereinander identifizieren, waren auch dabei. Aber woher sollen anständige Menschen so etwas auch wissen?

Darüber hinaus gaben die Demonstrierenden auch gestern neutralen Beobachter*innen – zu denen der Autor dieser Zeilen überhaupt nicht gehört – einige Rätsel auf.

Frage 1: Was steht auf der Jacke des netten Mannes mit der Glatze? (Foto oben)
1. Nordmänner – Sons of Odin
2. Doofmänner – Samsung Odin

Frage2: Was trägt der Herr bei sich?
1. Ein Gewehr
2. Ein Transparent, wie unten im Bild mit der bei Neonazis so beliebten Frakturschrift (die übrigens laut nationalsozialistischem Erlass vom 3. Januar 1941 verboten wurde).

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Frage 3 (linkes Foto unten)
1. Die Parole auf dem linken Bild ist unwissenschaftlicher Unsinn
2. Die Parole auf dem linken Bild ist unwissenschaftlicher Irrsinn

Frage 4 (rechts Foto unten)
1. Wähnt sich der Herr auf dem rechten Bild kurz vor dem Faschismus?
2. Wähnt sich der Herr auf dem rechten Bild bereits im Faschismus?

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Und hier mein Lieblingstransparent von letzter Woche, dass auch gestern über den Wall getragen wurde. Bislang ist es niemandem gelungen, die verschlüsselte Botschaft aufzulösen, selbst meiner ersten Frau nicht, die immerhin als Archäologin arbeitet und ägyptische Hieroglyphen fließend lesen kann.

Frage 5: Was soll uns dieses Protestplakat sagen?
1. ???
2. ???

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Lösungsvorschläge werden wie immer bis zum Ende des Monats – welcher auch immer – angenommen. Das Schlusswort aus den fünf Anfangsbuchstaben der zu erratenden Begriffe ergibt übrigens „Stuss“.

Und hier die Auflösung von letzter Woche:
Der sympathische Herr auf dem Foto (unten) mit dem netten Barett ist Mitglied der „Freien Patrioten“, einer rechtsradikalen Gang mit Schwerpunkt in Thürigen und Sachsen – wo auch sonst?

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Als Preis winkt wieder einmal eine Nichtteilnahme an der nächsten Querdenker:innen-Demo für zwei Personen.

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