Mark Ruttes „Daddy“ gerät mehr und mehr ins Straucheln
Europa muss endlich aufhören, vor Donald Trump und seinen Schergen zu kriechen, als sei die westliche Wertegemeinschaft nichts als ein zerschlissener Fußabtreter in Mar-a-Lago. Dieser Mann ist kein schwieriger Verbündeter, kein „unberechenbarer Partner“, kein missverstandener Grobian mit primitivem Vokabular. Trump ist der Presslufthammer am ohnehin weltweit bröckelnden Fundament der Demokratie: faschistoid, frauenverachtend, rachsüchtig, größenwahnsinnig, ausgestattet mit dem Charme und der sittlichen Ausstrahlung einer Kettensäge.
Und was macht Europa? Es ordnet auf dem längst durchgelegenen Doppelbett die Kissen neu und lächelt unterwürfig, nennt die eigene Feigheit Realpolitik und verwechselt Diplomatie mit Stiefellecken.
Was Gianni Infantino für die FIFA ist, ist Mark Rutte für die NATO, stets bereit, dem mächtigen Gegenüber die passende Schleife um den Stiefel zu binden. Wo Infantino den Fußball zur Hofzeremonie für autoritäre Machthaber degradiert, macht Rutte aus der NATO eine transatlantische Krabbelgruppe, in der Donald Trump nicht als Gefahr für die Demokratie behandelt wird, sondern als schlecht gelauntes Familienoberhaupt mit angeborenen Sonderrechten.
Allein dieses Wort „Daddy“!
Rutte verglich Trump beim NATO-Gipfel im Juni 2025 mit einem „Daddy“, der bei einer Schulhofprügelei schlichtend einschreitet. Später erklärte er, damit nicht Trump persönlich gemeint zu haben, sondern Europas kindliche Abhängigkeit von den USA. Hä? Das ist aber keine Rechtfertigung, sondern bestenfalls die nachgereichte Serviette zur diplomatischen Kotztüte.
Ausgerechnet Trump! Ein Mann, der auf der berüchtigten „Access Hollywood“-Aufnahme mit sexueller Übergriffigkeit prahlte. Ein Mann, der im Fall Jean Carroll zivilrechtlich wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung haftbar gemacht wurde. Ein Mann, dessen Name im Epstein-Komplex immer wieder im Umfeld von Kindesmissbrauch wie ein alles übertünchender Schatten auftaucht.
Aber die NATO-Spitze steht devot daneben und macht aus dieser politischen Abrissbirne eine Vaterfigur. Da wird aus einem autoritären Narzissten mit histrionischer Persönlichkeitsstörung plötzlich der etwas strenge Papa des Westens. Aus dem Mann, der Verbündete wie säumige Mieter behandelt, wird ein Erziehungsberechtigter mit Atomkoffer. Aus der Allianz wird eine Selbsthilfegruppe für Staaten mit Bindungsstörungen: „Hallo, wir sind das kleine und schwache Europa, und wir haben Angst, dass Daddy einfach abhaut.“
Dabei verlor dieser Daddy am 29. Mai 2026, also gestern, sogar gegen ein Gebäude
Trump wollte das John F. Kennedy Center for the Performing Arts (Kennedy Center) offenbar nicht nur politisch übernehmen, sondern ihm auch noch seinen Namen aufdrücken — als sei Kultur erst dann vollständig entehrt, wenn irgendwo in goldenen Buchstaben „Trump“ daran klebt. Doch ein unkorrupter Bundesrichter in Washington entschied, dass das Kennedy Center ohne Beschluss des Kongresses nicht in „Trump Kennedy Center“ umbenannt werden darf. Trumps Name muss nun von Schildern und offiziellen Briefbögen uns sonstigen Materialien entfernt werden, außerdem wurde die geplante zweijährige Schließung des Hauses vorerst gestoppt.
Man muss sich das nur mal vorstellen: Der Mann, der sich gern als Bezwinger vom Iran, der NATO, der Justiz, der Medien, der Frauen, der Wahrheit, der Wetter- und Landkarten und vermutlich auch der Schwerkraft inszeniert, scheitert an einer schlichten Fassadenbeschriftung. Selbst ein Kulturzentrum mosert irgendwann: Verpiss dich, du Kulturbanause!
Das Kennedy Center musste also nicht einmal singen, tanzen oder Theater spielen. Es muss nur existieren und schon wirkt Trump wieder wie das, was er ist – ein Mann, der öffentliche Institutionen behandelt wie Handtücher in einem Hotelzimmer: Mitnehmen, beschriften, beschädigen und später behaupten, es sei immer schon seins gewesen.
Natürlich nennt sein MAGA-Lager auch das wieder Verrat, Sabotage, Justizputsch oder irgendeinen anderen Begriff aus dem Wörterbuch beleidigter Autokraten. Dabei ist alles viel einfacher, denn ein Gericht hat lediglich daran erinnert, dass ein Staat keine Privatimmobilie ist. Eine Kulturinstitution ist kein Golfclub, und John F. Kennedy heißt nicht plötzlich John F. Trumpedy, nur weil ein alter Mann mit Größenwahn einen Edding gefunden hat.
Und was heißt das in diesem Zusammenhang für Europa? Nun, ein Kontinent und eine EU mit 450 Millionen Einwohnern, Atommächten, Industrienationen, Armeen, Geschichte, Kultur und ausreichend moralischer Selbstbeweihräucherung für Dutzende Gipfelerklärungen stehen vor Donald Trump paralysiert wie ein verängstigtes Schulkind und stammeln: „Waren wir auch brav? Haben wir wirklich genug bezahlt? Bleibst du noch ein bisschen, Daddy?“
Das ist keine Sicherheitspolitik, sondern eine geopolitische Krabbelgruppe mit Kuschelkurs
Natürlich bezeichnen Rutte und Konsorten ihr Verhalten als staatsmännisch, schließlich müsse man Trump einbinden, ihn loben und ernst nehmen. Man müsse vor allem seine Eitelkeit bedienen, bis er sich dazu herablässt, wenigstens mal für drei Minuten keinen Bündnispartner zu beleidigen. Übersetzt heißt das, die freie Welt soll sich gefälligst benehmen wie ein gestresster Kellner in einem Golfclub, der hofft, dass das orangefarbene Ekel an Tisch 1 nicht wieder mit Ketchup und Beleidigungen wild um sich schmeißt.
Ach, und dann diese fünf Prozent. 2025 beschlossen die NATO-Staaten in Den Haag, bis 2035 insgesamt fünf Prozent des BIP für Verteidigung und sicherheitsbezogene Ausgaben anzustreben: 3,5 Prozent für klassische Verteidigung, 1,5 Prozent für weitere sicherheitsrelevante Ausgaben. Mehr Verteidigung kann durchaus notwendig sein, aber wenn Europa zahlt, als sei es Schutzgeld an einen politisch rechtsradikalen Paten mit Dach- und Solariumschaden, dann ist das keine Sicherheitsarchitektur, sondern ein Mafia-Gipfeltreffen mit anschließender gemeinsamer Pressekonferenz. Dann steht Europa nicht auf eigenen Beinen, sondern vor Trump wie ein Schulkind mit schlotternden Knien und unterschriebenem Entschuldigungszettel: „Lieber Daddy, wie du siehst, waren wir ganz brav, und bitte hau jetzt die Allianz nicht kaputt.“
Europa braucht endlich mehr Rückgrat, eine eigene Verteidigungsfähigkeit, eine eigene Ukraine-Strategie, eine eigene Wirtschaftspolitik und ein eindeutiges Bekenntnis zur freien Gesellschaft. Und dazu gehören vor allem Politiker:innen, die begreifen, dass man Demokratie nicht verteidigt, indem man vor deren Verächtern in die Knie geht.
Wer Trump hofiert, schützt nicht den Westen, sondern poliert den Stiefel, der ihm mit aller Gewalt den Hals zudrückt
Und wer einen faschistoiden Frauenverächter mit Epstein-Schatten ausgerechnet „Daddy“ nennt, während derselbe Mann nicht einmal seinen Namen legal an ein Kulturzentrum tackern darf, hat den moralischen Kompass nicht nur völlig verloren, sondern ihn offenbar auch viel lieber gegen ein wertloses Erinnerungsfoto vom NATO-Gipfel eingetauscht.











