Dienstag, 16. August 2022

Frieden schaffen ohne Waffen?

Die Älteren unter uns werden die Ängste, die wir in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die vor allem atomare Aufrüstung während des sogenannten „kalten Krieges“ fühlten, noch allzu gut in Erinnerung haben (Pershing-Stationierung, NATO-Doppelbeschluss usw.). Aber „Frieden schaffen ohne Waffen“ – geht das? Ein Kommentar

Schaut man sich die Menschheitsgeschichte der vergangenen Jahrhunderte, ja vielleicht sogar der letzten zwei Jahrtausende an, scheint der Wille zum friedlichen Miteinander bei vielen Weltbürgerinnen und –bürgern trotz allem vorhanden zu sein.

Von den Prophezeiungen des biblischen Alten Testaments zum Abschnitt im Neuen Testament, in dem Jesus in seiner Bergpredigt gesagt haben soll „Widersteht nicht dem, der böse ist, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, so wende ihm auch die andere zu“, über Mahatma Ghandi („gewaltfreier Widerstand“  / „ziviler Ungehorsam“) bis zu John Lennon („Give peace a chance“, „Imagine“) wird der Wunsch nach Frieden,  Gewaltfreiheit und auch Gerechtigkeit immer wieder in eine breite Öffentlichkeit getragen, die dann diesen Vorbildern gerne folgt.

Es gibt etliche Friedenspreise, der wichtigste unter ihnen, der Friedensnobelpreis, ehrt jedes Jahr Menschen oder Organisationen, die sich nach Maßgabe des Stifters „am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im jeweils vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat (Wikipedia).

Nicht zu vergessen die Friedensbewegung, deren Anfänge tatsächlich bereits ab dem frühen 19. Jahrhundert in Europa und den USA zu finden sind und die sich im Laufe der Jahrzehnte / Jahrhunderte zu einer weltumspannenden  Protestbewegung entwickelt hat, an deren Demonstrationen zeitweise (insbesondere in den 1980er Jahren) hunderttausende Bürgerinnen und Bürger teilnahmen und immer noch teilnehmen.

Aber wie heißt es so schön bei Friedrich Schiller (Wilhelm Tell): „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

So lange es Narzissten, Psychopaten, machtgierige und geldgeile Menschen gibt, wird es den ersehnten Frieden nicht geben. Eindringliche Psychogramme kann man in diversen Büchern und Filmen (z.B. „Der Pate“ oder „Lord of war – Händler des Todes“) sehen, die der Wirklichkeit oft erschütternd nahe kommen.

Mit diesen Menschen könnte man hundertfach „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg praktizieren, mit dem wahrscheinlichen Erfolg des Ausgelachtwerdens.

Daher mein Fazit: Ja zur NATO, ja zur Verteidigung des eigenen freiheitlich-demokratischen Landes – auch mit Waffen. Aber Waffen und Waffensysteme nur in staatliche Hände, Export ausschließlich in andere NATO-Staaten und auf keinen Fall Atomsprengköpfe (ein Einsatz auch nur im Verteidigungsfall macht alle Verteidigung sinnlos, da nichts zu verteidigen mehr übrigbliebe).

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