Montag, 26. September 2022

Einfach nur Statistik: Die Armutsgrenze

Die NOZ schockierte am Freitag mit der Schlagzeile „Studie der Sparkassen: Armutsgrenze liegt jetzt bei 3.600 € netto“. 

Nach Kritik erläuterte man dann zumindest, dass ein Zwei-Personen-Haushalt gemeint ist. Den Rest verbarg sich hinter einer Bezahlschranke – was ich nicht kritisiere.

Leider wurde die Studie als Ganzes nicht weiter erläutert, sondern man berief sich lediglich auf eine Mitteilung der Frankfurter Allgemeine Zeitung, die von einer Pressekonferenz des Präsidenten der Sparkassen, Helmut Schleweis, handelte. Also auf einen Bericht einer anderen Zeitung, die eine Zusammenfassung einer Pressekonferenz zu einer Studie veröffentlicht hat. Na, ja. Es ist, wie es ist. Hier ist der komplette Artikel der FAZ: https://www.faz.net

Laut Berechnung der Sparkassen haben Haushalte (im Durchschnitt 2,02 Personen) mit einem Nettoeinkommen von weniger als 3.600 € kein Geld mehr zum Sparen übrig. Bei geringerem Einkommen muss vom Ersparten gelebt werden. Wie diese Zahlen zustande kommen und ob staatliche Leistungen wie z. B. das Kindergeld dazugehören, wird leider nicht erwähnt.

 

Aber ist man dann arm? Ist das dann wirklich die Armutsgrenze?

Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Armutsgefährdungsschwelle und Armutsgefährdung (monetäre Armut) im Jahr 2019 in Deutschland bei 1.175,75 € für eine Einzelperson und 2.469 € für eine Familie mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern unter 14 Jahren. Quelle: https://www.destatis.de Ausdrücklich zählt zu den Einnahmen auch das Kindergeld.

Die Statistik folgt der europäischen Definition von Einkommensschichten, die auf Basis des Durchschnittseinkommens (nach Median) errechnet wird (inklusive aller Sozialleistungen). Die Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60 % des so errechneten Durchschnittseinkommens. Das Durchschnittseinkommen wird dabei immer rückwirkend errechnet. Die Corona Pandemie und der damit verbundene hohe Anteil von Kurzarbeit, Unterstützungsleistungen und fehlenden Einnahmen erschwert und verfälscht die Berechnung dieses Durchschnittseinkommens und damit der Armutsgrenze. Die letzte realistische Betrachtung ist hierbei das Jahr 2019, welches allerdings um die Inflation bereinigt werden sollte.

Obwohl es allgemeingültige Definitionen für den Begriff Armut und Armutsschwelle gibt, so ist das eigene Empfinden maßgeblich. Nicht jeder hat die gleichen Bedürfnisse und ist gleichermaßen von der derzeitigen hohen Inflation betroffen. Als Beispiele können der Buspendler ohne PKW dienen, dem die steigenden Benzinpreise gänzlich egal sind, genauso wie die Vegetarierin, die steigende Fleischpreise nicht interessieren.

Egal wie man es dreht und wendet, so sorgt die generell hohe Inflation für eine steigende Armut und hier gilt es entgegenzuwirken. Es handelt sich um ein ernstes Problem, unabhängig von einer Definition oder Studien von Banken …

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