Gedanken zu einer fiktiven Umbenennung des Kunst-Begriffs
Kunst gilt – immer noch – als eine der exklusivsten Formen menschlicher Kultur und Zivilisation. Was wäre, würde man das Medium Kunst einmal probeweise als Medium des Wohlfeilen bezeichnen? Wird Kunst, die sich mit wohlfeilen, gerne sozial zeitgeistigen und leicht erwartbaren Themen dem Publikum anbiedert, dann nicht als Kunst entwertet?
Wohlfeil meint (so laut chat gpt):
- in seiner Hauptbedeutung: Günstig, billig, preiswert, erschwinglich.
- In seiner übertragenen Bedeutung: Geistlos, platt, abgedroschen, billig (z.B. wohlfeile Argumente)
Kunst ist im übertragenen Sinne in gewisser Weise immer wohlfeil, weil eine der Voraus-setzungen zu ihrer Produktion auf einer Art „günstig“ zu realisierenden Weise, einer leicht wiedererkennbaren Tradition beruht. Sehr häufig erkennen wir (besonders als Kunstfans), wie sich ein Werk etwa an einer bekannten Stilrichtung orientiert – um sie dann häufig zitierend hinterlistig zu verändern.
Wie viele Werke beruhen z. b. auf der Variation des berühmten Readymade- Konzepts von Marcel Duchamp? Oder auf den konstruktivistischen Konstruktionen eines Piet Mondrian oder eines Friedrich Vordemberge-Gildewart?
Das wohlfeile Handeln mit bereits bekannten thematischen oder formalen Vorbildern war und ist gerade im Kunstbereich immer grenzwertig – ja macht gerade ihren Reiz aus. Indem Künstlerinnen etwas kulturell Anerkanntes, Wertvolles aufgreifen und verändern, positioniert man sich gleichzeitig als aufgeklärt und selbstreflexiv.
Beinhaltet Wohlfeilheit also eine Haltung, bei der jemand scheinbar leichtfertig etwas verwendet und damit ästhetische Haltung bezieht, ohne selbst Konsequenzen zu tragen oder Verantwortung zu übernehmen, so wäre das Gegenteil davon eine Haltung, bei der jemand ehrlich, selbstreflektiert und verantwortungsvoll aufklärend handelt.
Ein Beispiel
Der alte Topos Einsamkeit ist heute beispielsweise viel mehr als eine wohlfeile Worthülse (die ja gerade in den Medien en vogue ist), sondern u. a ein Körpergefühl, das schmerzlich wirkt. Der einsame Mensch fühlt sich nicht selten als Opfer seiner Umwelt und der Art und Weise wie er/sie sich selbst bewertet und sich damit als ausgegrenzt erfährt.
Künstlerisch Tätige erfahren sich nicht selten als Einsame auf der Suche nach utopischer Gemeinsamkeit. Einsamkeit ist ein regelmässig wiederkehrendes Lebensgefühl der Moderne. Gerade heute erscheint es uns bereits als wohlfeil von Einsamkeit zu reden – manchmal aber auch gerade nicht. Wohlfeilheit muß also nicht automatisch etwas Minderwertiges bedeuten.












