Ausstellungseröffnung „Homegrown“ lockt Hunderte in die Kunsthalle

Starkes Signal für regionale Kulturszene

Mit insgesamt 444 Besuchern feierte die Gemeinschaftsausstellung „Homegrown“ am letzten Freitag einen publikumsstarken Auftakt in der Kunsthalle Osnabrück. Das kooperative Großprojekt, an dem neben der Kunsthalle auch die skulptur-galerie und das KunstQuartier des BBK Osnabrück beteiligt sind, rückt das aktuelle Schaffen lokaler Künstlerinnen und Künstler in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Der enorme Andrang zur Eröffnungsfeier unterstrich das große Interesse an der hiesigen Kunstproduktion und markiert einen Wendepunkt in der Wahrnehmung regionaler Ästhetik. Das Konzept der Ausstellung bricht bewusst mit der Vorstellung, dass relevante Gegenwartskunst ausschließlich in den fernen Metropolen entsteht. Stattdessen präsentiert „Homegrown“ eine Bestandsaufnahme der künstlerischen Identität Osnabrücks und führt vor Augen, wie tief verwurzelt und gleichzeitig experimentierfreudig die lokale Szene agiert. Die Kooperation der drei Ausstellungsorte ermöglicht dabei eine räumliche und inhaltliche Vielfalt, die von skulpturalen Arbeiten bis hin zu multimedialen Installationen reicht.

Trotz der feierlichen Atmosphäre thematisiert die Ausstellung auch die Ambivalenz des künstlerischen Daseins in der Region. Hinter der Fassade der kreativen Entfaltung steht oft eine prekäre Realität, die durch mangelnde Atelierkapazitäten und finanzielle Unsicherheiten geprägt ist. Die Ausstellung versteht sich daher nicht nur als reine Präsentationsfläche, sondern auch als Diskursraum über die Arbeitsbedingungen von Kulturschaffenden. Sie stellt die Frage, welche Strukturen notwendig sind, damit Kunst „hausgemacht“ bleiben kann, ohne an den Rand der wirtschaftlichen Existenz gedrängt zu werden.

Die Einordnung dieses Ereignisses in den größeren Kontext der Stadtentwicklung zeigt, dass Kultur ein wesentlicher Standortfaktor für Osnabrück bleibt. „Homegrown“ fungiert hierbei als Schaufenster einer lebendigen Gemeinschaft, die den Vergleich mit nationalen Standards nicht scheuen muss. In einer Zeit, in der städtische Räume zunehmend kommerzialisiert werden, behauptet die Ausstellung den Anspruch der Kunst auf Sichtbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe im öffentlichen Raum.

Die Eröffnung wurde durch die Perspektiven führender Akteurinnen der Osnabrücker Kulturszene gerahmt. Juliane Schickedanz, Direktorin der Kunsthalle Osnabrück, betonte die Bedeutung des Monats März als fest verankerten Zeitraum für lokale Initiativen, in denen sich regionale und internationale Kunstszenen begegnen sollen. Sie hob hervor, dass die Kunsthalle als offener Partner fungiere, um die lokale Szene aktiv zu beraten und zu unterstützen. Dabei würdigte sie besonders das Engagement von Eva Lause, die mit der Initiative „Art Mash-Up“ (AMU) und der Unterstützung des freien Teams der Kunsthalle die strukturellen Grundlagen für dieses kooperative Großprojekt geschaffen hat. Schickedanz unterstrich zudem die Bedeutung des integrierten Kunstmarktes als Fortführung einer erfolgreichen Tradition.

Projektleiterin und Kuratorin Eva Lause verdeutlichte in ihrer Ansprache, dass „Homegrown“ weit über eine reine Ausstellung hinausgehe und als Impulsgeber für ein Umdenken in der Kunstförderung dienen solle. Zentral sei die Frage, wie ein „Boden“ geschaffen werden kann, auf dem Kunst nachhaltig gedeihen kann. Lause sparte dabei die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Kunstschaffender nicht aus: Unter Verweis auf aktuelle Studien, wonach 90 Prozent der Künstler weniger als 20.000 Euro jährlich verdienen, forderte sie eine Abkehr von der Erwartung, Kunst kostenlos zur Verfügung zu stellen. Mit Unterstützung der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung setze das Projekt ein Zeichen für faire Honorierung nach Richtlinien des BBK und verzichte beim angeschlossenen Kunstmarkt bewusst auf Standgebühren oder Provisionen.

Ergänzt wurde der Diskurs durch Regine Wolff, Vorsitzende des BBK Osnabrück, die den Fokus auf das Teilprojekt „Mutation“ im KunstQuartier lenkte. Sie beschrieb die künstlerische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen, die in Kooperation mit der Universität Osnabrück entstanden war. Kunst fungiere hier als sensibler Seismograph für gesellschaftliche und politische Veränderungen. Das Spektrum reiche von der Verarbeitung von Zivilisationsmüll über den Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche bis hin zu philosophischen Fragen über die Vergänglichkeit der menschlichen Spezies im Zeitstrahl der Natur.

Joachim Jurgelucks vor seinem Werk “Komposition 117” im Kirchenschiff der Kunsthalle. Foto: Pascal Grötemeyer

Im Gespräch sagte der Künstler Joachim Jurgelucks auf die Frage, wie er die Situation der Kunstschaffenden in der Region Osnabrück einschätzt, dass die Kunstschaffenden neben der Sichtbarkeit mehr für ihre Arbeit honoriert werden müssen. Was bei Musikern selbstverständlich sei, müsse auch bei Kunstschaffenden die Regel sein. Jurgelucks befürwortet außerdem eine stärkere Förderung von Kunstschaffenden aus kommunalen Mitteln.

Im KunstQuartier des BBK Osnabrück zeigt die Mutation-Gruppe um Birgit Kannegießer, Zoé Pehlke Ricardo Liong-A-Kong, Margit Rusert und Henrik Spieß Bilder und Installationen. Die bildende Künstlerin Birgit Kannegießer begrüßte, dass man durch die finanzielle Absicherung die Möglichkeit hatte, frei zu arbeiten. Das habe den kreativen Prozess gefördert. Auch ein Künstlerhonorar wäre laut Kannegießer ein wichtiger Schritt, Kunstschaffende zu unterstützen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 5. April in der Kunsthalle sowie bis zum 18. April im KunstQuartier des BBK und in der skulptur-galerie besichtigt werden.

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