Bilanz des dritten Kunstmarkts in der Kunsthalle

Volle Gänge, viele Gefühle: wie Kunstschaffende den jüngsten Markt bewerten

Die Kunsthalle hatte sich am 28. und 29. März erneut als zentraler Treffpunkt für die regionale Kunstszene erwiesen. Bei der jüngsten Ausgabe des dritten Kunstmarktes präsentierten zahlreiche Kunstschaffende ihre Werke einem breiten Publikum. Die Organisatorin Eva Lause, als auch die Kunstschaffenden zogen im Rückblick eine positive Bilanz hinsichtlich der Verkäufe, Gespräche und Besucherzahlen. Das Event diente dabei nicht nur dem Verkauf, sondern vor allem dem direkten Austausch und der Netzwerkbildung in der Region.


Zwischen Netzwerken und Verkaufsdruck

Für Kunstschaffende bemisst sich der Erfolg eines Kunstmarktes nicht nur an den Verkäufen. Vielmehr hängt er von der Kombination aus Sichtbarkeit, Fachgesprächen und tatsächlichen Transaktionen ab. In den Räumen der Kunsthalle zeigte sich auch in diesem Jahr das gewohnte Bild: Gut gefüllte Gänge und ein interessiertes Publikum prägten das Geschehen an beiden Tagen. Für die Kunstschaffenden bedeutet dies stets einen Spagat zwischen der Vermittlung der eigenen künstlerischen Werke und der Erwartungen der Käuferinnen und Käufer. Durch die kostenfreie Teilnahme am Kunstmarkt konnten die Kunstschaffenden den wirtschaftlichen Aspekt der Standteilnahme einmal mehr außen vor lassen und sich auf die Präsentation ihrer Werke fokussieren.

Die Organisatorin und Künstlerin Eva Lause zieht eine durchweg positive Bilanz und bewertet die Veranstaltung als vollen Erfolg. Mit einer im Vergleich zum Vorjahr nochmals gestiegenen Besucherzahl war die Resonanz aus der Bevölkerung außerordentlich hoch. Sowohl vonseiten der Besuchenden als auch von den Kunstschaffenden gab es fast ausschließlich positives Feedback zur Atmosphäre, die als freudig und inspirierend wahrgenommen wurde. Ein besonderer Erfolg war zudem der Kuchenverkauf, durch den zahlreiche Spenden für die Initiative „OMAS GEGEN RECHTS“ generiert werden konnten.

Ein zentraler Aspekt des Marktes war die Förderung der Kunst direkt aus der Gesellschaft heraus sowie die finanzielle Unterstützung der Teilnehmenden durch angenehme Rahmenbedingungen mittels der Förderung der Friedel- und Gisela Bohnenkamp Stiftung. Anonyme Rückmeldungen belegen, dass einige Kunstschaffende sehr gute Umsätze erzielen konnten. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg stand die Vernetzung im Fokus: Der Markt bot Raum für einen intensiven Austausch über das Kunstschaffen und ermöglichte neue Kontakte sowohl innerhalb der Osnabrücker Kunstszene als auch mit der breiten Bevölkerung. Besonders gelobt wurde die Mischung aus etablierten Akteuren und neuen Gesichtern sowie die Vielfalt der präsentierten Techniken.

Hinsichtlich der Organisation sieht Lause die diesjährige Größe mit 45 Teilnehmenden als das absolute Maximum an. Für zukünftige Veranstaltungen empfiehlt sie eine Kapazität zwischen dem letztjährigen Kunstmarkt und der diesjährigen Beteiligung, um die Qualität zu wahren. Ein besonderer Dank der Organisatorin gilt auch nochmals der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung für die Förderung sowie der Stadt Osnabrück, welche durch die Kunsthalle die Räumlichkeiten und das Aufsichtspersonal zur Verfügung stellte. Trotz der Erschöpfung blickt Lause stolz auf das Event zurück, das sie als essentiell für die Sichtbarkeit und Vernetzung der lokalen Kunstszene betrachtet.

Konstantin Sauer © Pascal Grötemeyer

Konstantin Sauer: „Der AMU-Kunstmarkt ist ohne Frage eine tolle Gelegenheit gewesen, die eigene Kunst zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Dadurch, dass die Standgebühren lediglich aus einem Kuchen oder Gebäck bestanden, fiel der Druck weg, einen bestimmten Umsatz zu erzielen. Ich konnte mich daher besser auf den Kontakt zu meinen Platz-Nachbarinnen und den Besucherinnen des Kunstmarkts konzentrieren, selbst die Kunst anderer Menschen wahrnehmen und die Zeit entspannt nutzen. Für mich hat der Kunstmarkt damit vor allem damit zu tun, mein Kunst-Umfeld besser kennenzulernen. Dass ich dann zusätzlich noch meine Kunst verkaufen konnte, war natürlich sehr schön.“

Konstantin Sauer schätzt den Kunstmarkt als hervorragende Gelegenheit für den Austausch und neue Eindrücke für alle Beteiligten: „Ich finde den Kunstmarkt in dieser Form, wie Eva Lause ihn veranstaltet, eine unglaublich tolle Chance für erfahrenere sowie nicht so erfahrene KünstlerInnen, um in Kontakt zu treten und Eindrücke von der Kunstszene zu gewinnen.“

Raul Morales © Pascal Grötemeyer

Raúl Morales: „Insgesamt war der diesjährige Kunstmarkt eine Veranstaltung, die das Interesse vieler Menschen weckte, die die lokale Kunstszene unterstützen möchten. Ich denke, er hat die Vielfalt der Kunstszene in Osnabrück aufgezeigt und die Möglichkeit geboten, die Arbeiten anderer Kolleginnen und Kollegen zu sehen und mit Galeristen in Kontakt zu treten, die an unserer Arbeit interessiert sind.“ Morales betont dabei: „Mir persönlich hat der Kunstmarkt geholfen, ein breiteres Publikum zu erreichen und viel Feedback zu erhalten, das mich dazu inspiriert, meinen künstlerischen Stil weiterzuentwickeln.“ Abschließend bedankt sich Morales bei allen Organisatorinnen der Veranstaltung, verbunden mit der Hoffnung, dass solche Kulturprogramme auch in Zukunft stattfinden werden.

Petra Höcker: „Der Kunstmarkt war für mich eine bereichernde und zugleich inspirierende Erfahrung. Als Künstlerin ist es nicht immer leicht, aus dem eigenen Atelier herauszutreten und die eigenen Werke einem breiten Publikum zu präsentieren. Umso wertvoller war diese Gelegenheit, meine Arbeiten nicht nur zu zeigen, sondern auch direktes Feedback zu erhalten. Die Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern waren vielfältig – von spontanen emotionalen Reaktionen bis hin zu tiefgehenden Interpretationen meiner Werke. Das hat mir neue Perspektiven eröffnet und mich in meiner künstlerischen Arbeit bestärkt.Besonders bereichernd war auch der Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern.“

Besonders lobende Worte fand Höcker für den Flair beim diesjährigen Kunstmarkt: „Der Kunstmarkt bot eine offene, lebendige Atmosphäre, in der man schnell ins Gespräch kam, Ideen teilte und Kontakte knüpfte. Dieses Netzwerken empfand ich als ebenso wertvoll wie die Präsentation selbst, da es Möglichkeiten für zukünftige Kooperationen und Projekte eröffnet.“

Neben der Atmosphäre spielte für Höcker auch diese Punkte eine wichtige Rolle. „Natürlich spielte auch der Aspekt potentieller Verkäufe eine Rolle. Es ist ein besonderes Gefühl zu sehen, wenn sich jemand so sehr mit einem Werk verbindet, dass er es mit nach Hause nehmen möchte. Diese Form der Wertschätzung gibt nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch emotionale Bestätigung.“

Abschließend hielt die Künstlerin fest: „Insgesamt war der Kunstmarkt für mich eine gute Gelegenheit, mich einem interessierten und auch neuen Publikum zu zeigen. Ich nehme viele Eindrücke, neue Kontakte und vor allem Motivation mit, meinen künstlerischen Weg weiterzugehen und mich auch künftig solchen öffentlichen Formaten zu öffnen.“


Hintergrund: Der Kunstmarkt im Strukturwandel

Die Perspektive der Kunstschaffenden verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen lokale Märkte stehen. In Zeiten, in denen der Erstkontakt zu Kunst zunehmend digital über Plattformen wie Instagram stattfindet, müssen physische Messen einen klaren Mehrwert bieten. Das haptische Erlebnis und das persönliche Gespräch bleiben zwar unersetzbar, doch die gestiegenen Lebenshaltungskosten dämpfen vielerorts die spontane Kaufbereitschaft des Publikums.

Der Kunstmarkt in der Kunsthalle hat auch in diesem Jahr gezeigt, dass er ein wichtiger Seismograph für die Stimmung in der regionalen Kreativwirtschaft ist. Die gewonnenen Erkenntnisse der Ausstellenden dürften maßgeblichen Einfluss auf die Konzeption künftiger Veranstaltungen dieser Art haben.

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