Haus präsentierte „Best of Poetry Slam“
Am letzten Samstagabend verwandelte sich das Theater Osnabrück in eine Arena der modernen Dichtkunst. Beim „Best of Poetry Slam“ traten vier der profiliertesten Wortakrobaten des deutschsprachigen Raums gegeneinander an. Vor ausverkauftem Haus boten die geladenen „Allstars“ ein Programm, das die Grenzen zwischen Literatur, Comedy und Performance kunstvoll auflöste.
Wenn im ehrwürdigen Theater am Domhof die Stille nicht der Ehrfurcht vor Klassikern, sondern der gespannten Erwartung auf die nächste Pointe weicht, dann ist wieder Zeit für den „Best of Poetry Slam“. Dazu luden das Theater Osnabrück und die Lagerhalle e.V. zu einem literarischen Wettstreit ein, der seinem Namen alle Ehre machte. Anders als bei offenen Formaten standen hier keine Neulinge, sondern ausschließlich preisgekrönte Slam-Poetinnen und -Poeten auf der Bühne.
Präzision und Emotion auf der Bühne
Julius Fischer eröffnete den Reigen mit einer skurril-humorvollen Erzählung über eine medizinische Odyssee. Mit viel Selbstironie berichtete er von einer hartnäckigen Gesichtsentzündung, die ihn erst zu einer darmfixierten Assistenzärztin und schließlich in eine Hautklinik führte. Besonders einprägsam war seine Schilderung der unfreiwilligen Zimmergemeinschaft mit dem pflegebedürftigen Herrn Meier, die zwischen tragischen Momenten und absurder Komik schwankte.
Dalibor Markovic brachte philosophische Tiefe auf die Bühne. In seinem Text „Ein Gegensatz trägt in sich das Gen des Gegensatzes“ verknüpfte er die Tragik von Romeo und Julia kunstvoll mit modernen gesellschaftlichen Beobachtungen. Er nutzte verschiedene Reimschemata – vom Kreuzreim bis zum Haufenreim –, um Themen wie Krieg, Hoffnungslosigkeit und die „Zerstörkraft von Wörtern“ lautmalerisch greifbar zu machen.
Lisa Pauline Wagner widmete sich im ersten Teil ihrem Leben in einer offenen Beziehung und drehte den Spieß um, indem sie die neugierigen Fragen der „Monogamen“ parodierte. Im Finale schlug sie leisere, melancholische Töne an: In einer berührenden Spoken-Word-Performance reflektierte sie über das Ende einer Liebe, das schmerzhafte Verharren in gemeinsamen Erinnerungen und die Hoffnung, dass die Zeit am Ende doch „alle Wunder heilt“.
Die spätere Gewinnerin Kirsten Fuchs startete mit pointierten „Schnipseln“ über Hunderechte und Rückenschmerzen, bevor sie in ihrem Haupttext „Krasses Zeug“ eine Begegnung mit einem Drogendealer im herbstlichen Park schilderte, die in einen humorvollen „Lachflash“ über das Muttersein mündete. Kirsten Fuchs widmete sich in ihrem Finalbeitrag der „Humoranalyse“, wobei sie die Komplexität des kindlichen Erlebens beleuchtet. Anhand des Spiels „Kuckuck“ und der Frage „Wo ist denn die Mama?“ seziert sie die Verwirrung des Kindes hinsichtlich des eigenen Aufenthaltsortes und der Bezugsperson, wie am Beispiel „Timo“ gezeigt.
Unter der gewohnt souveränen Leitung von Slammaster Andreas Weber präsentierten die Teilnehmenden eine Bandbreite, die von tiefsinniger Lyrik bis hin zu rasanter Stand-up-Prosa reichte. Die Regeln blieben dabei gewohnt puristisch: Selbstverfasste Texte, ein Zeitlimit von wenigen Minuten und keinerlei Hilfsmittel außer dem eigenen Körper und der Stimme.
„Hier erleben wir die Champions League des Literaturwettstreits“, beschrieb Andreas Weber das Niveau des Abends.Begleitet wurde der Abend von DJ At (Trust in Wax), der für die nötige Club-Atmosphäre im Theatersaal sorgte.
Das Publikum als höchste Instanz
In der Tradition des Formats lag die Macht beim Publikum. Mittels Applaus und Wertungstafeln entschieden die Zuschauer, wer den begehrten Titel des Abends mit nach Hause nehmen durfte. Dabei wurde deutlich, dass in Osnabrück nicht nur die lautesten Texte zählen. Auch leise, gesellschaftskritische Töne und komplexe Sprachbilder fanden beim Publikum großen Anklang.
Einordnung: Osnabrück als Slam-Hochburg
Die Kooperation zwischen dem Theater Osnabrück und der Lagerhalle hat sich über Jahre hinweg als Erfolgsmodell etabliert. Dass ein solches Event den großen Saal des Theaters füllt, unterstreicht die Bedeutung Osnabrücks als feste Instanz in der bundesweiten Slam-Szene. Während die monatlichen Slams in der Lagerhalle oft als Experimentierfeld dienen, ist das „Best of“-Format im Theater die Kür, die zeigt, dass moderne Bühnenliteratur längst im kulturellen Mainstream angekommen ist, ohne ihre rebellische Wurzel zu verlieren.
Der Abend im Theater am Domhof war mehr als nur ein Wettbewerb; er war eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Sprache – direkt, ungefiltert und hochgradig unterhaltsam.
Der fulminante Sieg beim „Best of Poetry Slam“ weckt bereits die Vorfreude auf den nächsten Auftritt der Gewinnerin. Kirsten Fuchs gastiert am 28. Februar in der Lagerhalle. Mit ihrem Soloprogramm „Muttermund tut Wahrheit kund“ verspricht die Meisterin des ernstgemeinten Quatschs einen Abend voller Intelligenz und menschlicher Wahrhaftigkeit.













