Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa liest in der Lagerhalle

Russische Historikerin und Publizistin kommt nach Osnabrück

Am Mittwoch, dem 11. März 2026, stellt sie im Saal der Lagerhalle ihr aktuelles Buch „Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen“ vor. Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Osnabrück und dem Literaturbüro Westniedersachsen stattfindet, beginnt um 19:30 Uhr.


Zwischen persönlicher Erinnerung und Zeitgeschichte.

In ihrem neuen Werk blickt die 1949 in Moskau geborene Autorin auf ihr Leben in Russland nach der Perestroika zurück. Scherbakowa, die seit 2022 im Exil in Israel und Deutschland lebt, nutzt ihre ehemalige Moskauer Wohnung als Ausgangspunkt für eine Zeitreise. Sie schildert darin nicht nur den politischen Aufbruch der 1990er Jahre, sondern reflektiert auch das „scheinbar unaufhaltsame Abgleiten Russlands in die Diktatur“.

Die Autorin verwebt dabei ihre eigene Familiengeschichte eng mit der russischen Politik des 20. Jahrhunderts. Ein zentrales Thema ihrer Arbeit ist seit jeher die Aufarbeitung des Stalinismus und der Kampf gegen Staatsterror. Für Scherbakowa ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit essentiell: „Ich glaube, das Wichtigste war die Erkenntnis, welche Rolle die Erinnerung an die Vergangenheit spielt“, so die Autorin über ihre Motivation.


Eine Stimme gegen das Vergessen

Irina Scherbakowa blickt auf ein jahrzehntelanges Engagement für die Menschenrechte zurück. Bereits Anfang der 1980er Jahre führte sie Gespräche mit den Überlebenden des GULAG. 1989 war sie Mitbegründerin der Organisation Memorial, die 2021 durch das Putin-Regime liquidiert wurde. Im Jahr 2022 wurde das Memorial für ihre Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Angesichts der aktuellen politischen Lage in Europa bezieht Scherbakowa klar Stellung. Für sie ist die Verteidigung demokratischer Werte untrennbar mit dem Widerstand gegen die aktuelle russische Führung verbunden. Europa könne nur dann auf Frieden hoffen, wenn es gelinge, der Ukraine einen gerechten Frieden zu ermöglichen.

Die Lesung in Osnabrück bietet die Gelegenheit, mit einer der profiliertesten Stimmen der russischen Opposition in den Dialog zu treten. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist über die Homepage der Volkshochschule Osnabrück möglich.

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