Fraktionsvorsitzende der Linken spricht mit Schülerschaft am Graf-Stauffenberg-Gymnasium
Am Mittwoch, den 10. Dezember, stand das Graf-Stauffenberg-Gymnasium ganz im Zeichen der Politik. Heidi Reichinnek, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, besuchte die Schule, um sich den Fragen der Jahrgänge 11 und 12 zu stellen und einen Einblick in die aktuelle Bundespolitik zu geben.
Der zentrale Programmpunkt war eine lebhafte Podiumsdiskussion in der Aula des Gymnasiums, die sich durch eine thematische Breite ausgezeichnet hatte. Die Abgeordnete der Partei Die Linke stellte sich zunächst den vorbereiteten Fragen der Schülervertreter Melik und Mareke sowie im Anschluss den Fragen des Plenums.
Die Diskussion beleuchtete eine Vielzahl aktueller und jugendrelevanter Themen. Ein Schwerpunkt lag auf der Sicherheits- und Friedenspolitik. Frau Reichinnek sprach sich klar gegen die Wehrpflicht aus und betonte die Notwendigkeit, Außen- und Sicherheitspolitik stärker über die Stärkung der EU und der Vereinten Nationen zu definieren, statt durch die NATO. Im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine lehnte sie Waffenlieferungen ab und forderte stattdessen einen Fokus auf diplomatische Initiativen sowie massiven Druck auf russische Oligarchen, z.B. durch die Konfiszierung ihres Vermögens.
Weitere zentrale Themen waren die soziale Gerechtigkeit und die Zukunftssicherung der Jugend. Die Fraktionsvorsitzende forderte konkrete Maßnahmen zur Sicherung von bezahlbarem Wohnraum und stabiler Arbeitsplätze. Sie betonte zudem die Notwendigkeit einer echten Kindergrundsicherung, sowie die Stärkung von Schulsozialarbeit und psychischer Gesundheitsversorgung für junge Menschen.
Auch die Bekämpfung des Rechtsextremismus spielt eine Rolle. Reichinnek unterstützte ein Prüfverfahren für ein AfD-Verbot vor dem Bundesverfassungsgericht und unterstrich, dass der Nährboden für die AfD primär durch eine soziale Wirtschaftspolitik entzogen werden müsse. Darüber hinaus wurde über die Integration Geflüchteter (Bekämpfung der Fluchtursachen und stärkere Unterstützung der Kommunen) sowie den Umgang mit Hassrede und die Rolle von Frauen in der Politik diskutiert.
Der Austausch bot den Jugendlichen eine seltene und wertvolle Gelegenheit, politische Prozesse und Standpunkte unmittelbar aus erster Hand zu erfahren und in einen direkten Dialog mit einer hochrangigen Vertreterin des Bundestages zu treten. Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit, einige Fragen an Heidi Reichinnek zu stellen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Wie wichtig ist dir der Austausch mit den Schülerinnen und Schülern?
Ich finde diesen Austausch mit jungen Menschen gerade in den Schulen unfassbar wichtig, weil ich da zum einen Einblick bekomme, was die jungen Menschen gerade beschäftigt und sie die Möglichkeit haben, auch von Politikerinnen oder Politikern direkt Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und vor allen Dingen auch kritisch nachzufragen. Ich finde es besonders wichtig, dass sie nicht einfach Sachen hinnehmen, sondern dann auch nochmal nachbohren. Das haben sie auch dieses Mal gemacht und das finde ich klasse.
Du hast hier heute mit den SuS Melik und Mareke gesprochen. Dabei hast du dich für ein längeres gemeinsames Lernen ausgesprochen. Der Leiter der Alexanderschule in Wallenhorst hat in einem Gespräch betont, dass Erziehungsberechtigte die Haupt- und Realschule oft als Resterampe wahrnehmen. Wie siehst du die Situation zwischen diesen beiden Schulformen und die Diskussion zur Oberschule?
Die Alexanderschule in Wallenhorst ist eine richtig tolle Schule. Ich war schon da und die machen einen super Job mit den Möglichkeiten, die sie haben, den Schülerinnen und Schülern wirklich das Beste anzubieten, was irgendwie geht. Also das mal zum einen, aber ich weiß natürlich total, was er meint.
Das dreigliedrige Schulsystem sorgt dafür, dass Kinder schon in jungen Jahren sortiert werden. Jemand, der vermeintlich gut ist und jemand, der vermeintlich schlecht ist. Und das setzt sich dann einfach immer weiter fort.
Und genau deswegen sagen wir als LINKE eben auch ganz klar, dass die Zukunft mit Gesamtschulen, mit längerem gemeinsamen Lernen, projektbezogen und lösungsorientiert gelingen kann, um Alltagskompetenzen zu entwickeln, damit dieses dreigliedrige Schulsystem überwunden werden kann. Und jetzt einfach Realschule und Hauptschule zu Oberschule zusammenzufassen, ändert eben an den grundlegenden Problemen absolut nichts. Deswegen ist das kein Weg nach vorn.
Die Alexanderschule praktiziert seit einiger Zeit den „Frei Day“. Wie beurteilst du das Projekt und welche Vorteile siehst du für die SuS?
Das Projekt wurde uns im Bundestag in der Kinderkommission vorgestellt. Deswegen habe ich die Alexanderschule besucht, um mir die Situation vor Ort anzuschauen. Ich finde das total klasse, weil genau dieses Projekt ermöglicht, junge Menschen abseits von Schulfächern und vorgegebenen Strukturen nach ihren Interessen auszuwählen und vor allen Dingen auch verschiedene Bereiche miteinander zu verbinden. Das Beispiel, das uns da genannt wurde, waren Tatortreiniger.
Die haben vor Ort sauber gemacht, Müll eingesammelt und festgestellt, dass vor einer Kita Zigarettenkippen lagen. Darüber haben sich die Leute vollkommen zu recht aufgeregt. Die Tatortreiniger haben dann recherchiert, was in so einer Zigarettenkippe eigentlich drin ist. Dabei lernten sie etwas in den Fächern Chemie und Biologie. Daraufhin haben sie eine Petition gestartet, um dort einen Mülleimer hinzustellen. Sie haben also etwas gelernt, weil es sie interessiert, um daraus aktiv etwas zu verändern. Aus meiner Sicht eine richtig tolle Sache.
Es wurde die Frage zur Wehrpflicht gestellt. Diese wurde am 01. Juli 2011 ausgesetzt. Wie stehst du zu der geplanten freiwilligen Wehrpflicht und sollte man daneben auch den Zivildienst wieder einführen?
Ich finde, dass wir über ein Recht auf Freiwilligkeit sprechen sollten. Es ist nämlich so, dass die Freiwilligendienste gerade nicht ausreichend ausgestattet sind. Und viele junge Menschen, die nach der Schule gesellschaftlich aktiv werden wollen, können sich das nicht leisten, weil das Taschengeld, das sie dafür bekommen, vorne und hinten nicht reicht. Und bis wir das nicht geklärt haben, verbietet sich in meinen Augen jede andere Diskussion.
Vor kurzem ging ja das Rentenpaket der Schwarz-Roten Regierung durch den Bundestag. Wie hoch sollte deiner Meinung nach das Rentenniveau sein, damit Rentnerinnen und Rentner nicht gezwungen sind, zusätzlich arbeiten zu müssen?
Das Rentenniveau muss wieder auf 53 Prozent angehoben werden. Da war es mal, bevor es Rot-Grün in den Keller geschickt hat. Seitdem hat sich die Altersarmut verdoppelt. Dahin müssen wir zurück. Dazu brauchen wir außerdem eine solidarische Mindestrente, damit jeder Mensch im Alter in Würde leben kann.














