Annett Gröschner beschließt LiteraTour Nord
Mit einer eindringlichen Lesung der Berliner Autorin Annett Gröschner im ausverkauften Renaissancesaal des Ledenhofs ging am Freitagabend die aktuelle Staffel der LiteraTour Nord zu Ende. Im Zentrum stand ihr neuer Roman „Schwebende Lasten“, der ein Jahrhundert deutscher Geschichte aus der Perspektive einer ungewöhnlichen Arbeiterbiografie beleuchtet.
Es ist ein Panorama der Umbrüche, das Annett Gröschner am Freitagabend vor den rund 60 Gästen im Ledenhof entfaltete. In drei sorgsam gewählten Passagen stellte sie ihre Protagonistin Hanna Krause vor – eine Frau, die als Blumenbinderin begann und schließlich zur Kranführerin im Magdeburger Schwermaschinenbau wurde.
Ein Jahrhundert im Rückspiegel
Gröschners Roman „Schwebende Lasten“ ist weit mehr als eine einfache Milieustudie. Die Autorin spannt den Bogen von der Kaiserzeit über zwei Weltkriege und Diktaturen bis hin zum Mauerfall. „Hanna existierte. Nicht mehr und nicht weniger“, heißt es im Text über die Heldin, die aus zehn Metern Höhe von ihrer Krankanzel aus die Welt betrachtet.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum und den Moderatoren wurde deutlich, wie tief die Recherche in die reale Arbeitswelt der DDR und die Industriegeschichte eingreift. Gröschner verzichtet dabei auf Nostalgie. Stattdessen nutzt sie die botanische Metaphorik ihres Titels – jedes Kapitel ist nach einer Pflanze benannt –, um die Zerbrechlichkeit und Widerstandsfähigkeit eines Menschenlebens inmitten politischer Trümmerfelder darzustellen.
Hintergrund: Die LiteraTour Nord
Die Lesung markierte den Schlusspunkt einer Reise, die sechs Autoren durch den Norden Deutschlands führte. In Kooperation mit dem Literaturbüro Westniedersachsen und der Universität Osnabrück bietet das Format seit Jahren eine Bühne für die wichtigste deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Der mit 15.000 Euro dotierte „Preis der LiteraTour Nord“ wird traditionell nach Abschluss der Lesereise vergeben, wobei auch das Votum des Publikums in die Entscheidung einfließt.
Drei Fragen an Dr. Jens Peters – Leiter des Literaturbüros Westniedersachsen
Herr Dr. Peters, die aktuelle Staffel der LiteraTour Nord ist mit der Lesung von Frau Gröschner zu Ende gegangen. Wie fällt Ihr persönliches Fazit zur diesjährigen Reihe aus?
An der diesjährigen LiteraTour Nord konnte man erkennen, dass dieses Format in Osnabrück nun wirklich angekommen ist. Die Publikumsresonanz war groß und insbesondere das Gesprächsformat zwischen Autorinnen und Moderatorinnen und Moderatoren aus der Germanistik wurde als bereichernd wahrgenommen.
Die Spannung im Publikum ist groß: Wer hat in diesem Jahr die Wahl gewonnen und darf sich über den Preis der LiteraTour Nord freuen?
Eine Entscheidung für eine Preisträgerin ist uns diesmal besonders schwergefallen. Und doch gibt es ein Ergebnis, das am 5. März bekannt gegeben wird. Danach freuen wir uns schon auf die nächste LiteraTour Nord 2026/27 – denn es geht auf jeden Fall weiter!
Was können die Literaturbegeisterten Bürgerinnen und Bürger von der nächsten LiteraTour Nord erwarten? Gibt es schon erste Ausblicke?
Noch stehen die Autorinnen und Autoren nicht fest, aber die Termine für die Lesungen können schon einmal in den Kalender notiert werden: In Osnabrück finden sie immer an einem Freitag statt, für die nächste Runde konkret am 13. November, 27. November, 11. Dezember, 15. Januar und 29. Januar.













